KonfessionenEine Stadt mit drei christlichen Kirchen

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Mit der Schlichtheit in der evangelischen Versöhnungskirche ist es vorbei: Künftig werden hier griechisch-orthodoxe Gottesdienste gefeiert.
Mit der Schlichtheit in der evangelischen Versöhnungskirche ist es vorbei: Künftig werden hier griechisch-orthodoxe Gottesdienste gefeiert. (Foto: Harry Wolfsbauer)
  • Die frühere evangelische Versöhnungskirche in Geretsried wird nach Entweihung und Leerstand nun von der griechisch-orthodoxen Gemeinde als Gotteshaus genutzt.
  • Die über 400 Personen starke Griechische Gemeinde erhält die denkmalgeschützte Kirche mietfrei und zahlt nur Gas, Wasser und Strom selbst.
  • Der erste orthodoxe Gottesdienst wird am 25. Januar gefeiert, nachdem die Gemeinde 60 Jahre lang in der evangelischen Petruskirche zu Gast war.
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Die einst evangelische Versöhnungskirche in Geretsried wird religiöse Heimstatt der griechisch-orthodoxen Gemeinde. Deren Kantor Petros Mastoridis schwärmt von dem neuen Freiraum: „Es ist jetzt alles viel einfacher.“

Von Felicitas Amler, Geretsried

Geretsried wird seinem Slogan „Einfach anders“ neuerdings auch in religiöser Hinsicht gerecht. „Die Stadt hat jetzt drei christliche Kirchen“, sagt Petros Mastoridis mit hörbarem Stolz; das könne kaum eine Kommune von sich behaupten. Neben der katholischen und der evangelischen Kirche gibt es seit Kurzem auch eine orthodoxe Kirche – und zwar im Wortsinn, als Gebäude. Die frühere evangelische Versöhnungskirche am Chamalières-Platz dient – nach feierlicher Entweihung und zwischenzeitlichem Leerstand – nun der Griechischen Gemeinde Geretsried als Gotteshaus. „Wir sind total happy und sehr dankbar“, sagt der Kantor der griechisch-orthodoxen Gemeinde. Und für den Bauausschuss der evangelischen Petruskirche, in deren Besitz die Versöhnungskirche nach wie vor ist, sagt Sprecher Harald Michel: „Es ist eine Win-win-Situation. Denn auch für uns ist es eine tolle Lösung.“

Die Versöhnungskirche ist ein markantes Gebäude in Geretsried. Die wabenförmige Architektur von Franz Lichtblau (1928-2019) wurde vor zwei Jahren vom Landesamt unter Denkmalschutz gestellt. Zuvor hatte die Petruskirche das Haus im Herbst 2023 feierlich entwidmet; eine weitere Nutzung war äußerst fraglich. Die Petruskirche hat wie alle evangelischen Gemeinden kontinuierlich an Gläubigen und an finanzieller Unterstützung durch die Landeskirche verloren. Der Denkmalschutz verhinderte dann einen Abriss des Lichtblau-Baus.

So kam die Griechische Gemeinde auf die Idee, die Kirche zu erwerben, wie Mastoridis berichtet. Der evangelische Pfarrer Theo Heckel habe hoch erfreut darauf reagiert und erklärt: „Ich habe gebetet, dass Gott mir ein Zeichen gibt.“ Doch die Kaufabsichten zerschlugen sich, es verging weiter Zeit, die Kirche stand leer, wurde nicht mehr beheizt, das Wasser wurde abgeschaltet. Und eben dies brachte die Griechische Gemeinde darauf, noch einmal nachzufragen, diesmal schlicht mit der Erwägung, das Gebäude zu nutzen, ohne es zu erwerben.

Der Kirchenvorstand der Petruskirche habe sich sehr dafür interessiert, und schließlich sei eine Vereinbarung geschlossen worden, berichtet der Kantor: Die Versöhnungskirche wird griechisch-orthodox, die Gemeinde erhält sie mietfrei zur Nutzung. Lediglich Gas, Wasser und Strom zahlen die Griechen selbst. Und außerdem, so Harald Michel, nehmen die neuen Nutzer der Petruskirche die Verkehrssicherungspflicht rund ums Haus ab.

Protestanten und griechisch-orthodoxe Christen pflegen ein enges Verhältnis

Evangelische und griechisch-orthodoxe Kirche pflegen in Geretsried seit Jahrzehnten ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis. Die orthodoxen Christen konnten ihre Gottesdienste in den vergangenen 60 Jahren in der Petruskirche an der Egerlandstraße feiern. Seit die ersten Griechen in den Sechzigerjahren als Gastarbeiter in die Stadt kamen, war dies ihre religiöse Heimstatt. Petros Mastoridis illustriert diese enge Bindung mit eigenen Impressionen: „Meine Eltern sind dort getraut worden, meine Kinder getauft.“

Allerdings musste die Petruskirche zweimal im Monat umgestaltet werden. Das schlichte, bewusst zurückgenommene und farblich gedämpfte Ambiente verwandelte sich in die überbordend prunkvolle, goldglänzende Ästhetik eines griechischen Gottesdienstes. Und um der Kirche den richtigen Rahmen für die etwa zweistündige opulente byzantinische Liturgie zu geben, musste der Vorsänger Mastoridis immer schon eine halbe Stunde vor der Zeit da sein. Er holte dann die zusammenklappbare prächtige Ikonostase aus dem kleinen Lagerraum, die Leuchter und Kerzen, den Tisch für die Gaben, Decken in Gold und Rot und nicht zuletzt das arabeskenverzierte goldglänzende Kruzifix, das auf der einen Seite den gekreuzigten, auf der anderen den auferstandenen Jesus zeigt.

Der erste orthodoxe Gottesdienst wird am Sonntag, 25. Januar, gefeiert

Mit all diesem Inventar stattet die Griechische Gemeinde nun den Wabenbau am Chamalières-Platz aus: „Am Mittwoch kommt der Lastwagen, und dann bringen wir alles hin“, sagt Mastoridis. Den ersten orthodoxen Gottesdienst feiert Priester Matthäos Ladas am 25. Januar; ein Eröffnungsgottesdienst mit nicht-orthodoxem Publikum soll folgen. Darüber hinaus kann die mehr als 400 Personen starke Griechische Gemeinde Geretsried, zu der auch Wolfratshauser Gläubige gehören, den Kirchenraum samt seinen Nebengelassen für andere Zwecke nutzen, etwa zur Katichitikó, dem Religionsunterricht für Kinder und Jugendliche. Auch an ein Café nach den Gottesdiensten könne man denken, sagt Mastoridis. „Es ist jetzt alles für uns viel einfacher“, betont er, „wir haben Freiraum.“

Eine Gesamtsanierung der Kirche, die durch ihren wabenförmigen Bau auffällt, steht weiterhin im Raum
Eine Gesamtsanierung der Kirche, die durch ihren wabenförmigen Bau auffällt, steht weiterhin im Raum (Foto: Hartmut Pöstges)

Das Damoklesschwert, das zunächst über allen Überlegungen schwebte, wonach das Dach der Versöhnungskirche dringend saniert werden müsse, ist anscheinend auch erst einmal abgewendet. Mastoridis sagt, aktuell sei das Dach in Ordnung. Bauausschuss-Sprecher Michel äußert sich etwas vorsichtiger: Eine Sanierung könnte „demnächst“ anstehen. Im Herbst 2023 hatte ein Sprecher der Versöhnungskirche gewarnt: Der bauliche Zustand der Versöhnungskirche sei „nicht besonders gut“. Das Haus, besonders das Dach, brauche immer wieder Pflege. Zuletzt sei eine Reparatur der Heizung nötig gewesen. „Und das war schon ein schwieriger Akt.“ Eine Gesamtsanierung würde „gleich eine ganz große Aktion“, von der Elektrik bis zum Brandschutz. Im Moment aber steht ein solcher Aufwand offenbar nicht zur Debatte.

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