Stadtrat Geretsried beschließt:Die Neue Mitte wird Fußgängerzone

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Stadtrat Geretsried beschließt: Das wird künftig nicht mehr möglich sein. Dieser Teil des Karl-Lederer-Platzes wird Fußgängerzone.

Das wird künftig nicht mehr möglich sein. Dieser Teil des Karl-Lederer-Platzes wird Fußgängerzone.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Stadträte, Verkehrsplaner und Gewerbetreibende befürworten die Sperrung zwischen Egerland- und Graslitzer Straße. Voraussetzung: Die Tiefgarage muss besser angenommen werden. Rundum wird Tempo 20 und 30 vorgeschrieben.

Von Felicitas Amler, Geretsried

Vier Jahre und vier Monate sind vorbei, und nun wird umgesetzt, was Bürgerinnen und Bürger von Anfang an gefordert hatten: "Raus mit dem Verkehr!" war die zentrale Aussage der Ideenwerkstatt für den Geretsrieder Karl-Lederer-Platz (KLP) im Juli 2018. Am vergangenen Mittwochabend hat der Stadtrat in einer Sondersitzung entschieden, dass der Platz Fußgängerzone werden soll. Diese reicht vom Rand der Graslitzer Straße bis zur Egerlandstraße. Graslitzer Straße und Martin Luther-Weg bleiben befahrbar; Hermann-Löns-Weg und Lenauweg werden gesperrt.

Damit werden die annähernd 3000 Autos, die laut Bürgermeister Michael Müller (CSU) täglich über den KLP fahren, weitgehend verbannt. Der Grundsatzbeschluss fiel im 30-köpfigen Stadtrat bei vier Gegenstimmen (Karin Schmid und Christos Saridis, beide CSU; Arthur Wolfseher, SPD; Edmund Häner, FDP). Zusätzlich regelte das Gremium den Verkehr rund um die sogenannte T-Zone aus KLP und Egerlandstraße in einzelnen Schritten.

Sowohl das Stadtbauamt unter Leitung von Rainer Goldstein als auch die neue Geretsrieder Initiativ-Plattform (GIP) hatten sich zuvor mit der Frage nach einer Fußgängerzone befasst und diese empfohlen. Die GIP, ein Gremium mit Vertretern von Einzelhandel, Gastronomie, Handwerk, Kultur und Tourismus, der Stadtverwaltung und des Stadtrats, tue dies sogar mit Nachdruck, erklärte Wirtschaftsförderin Rebecca Geisler. Man habe am Vorabend ausführlich das Für und Wider diskutiert und schließlich einstimmig für die Fußgängerzone votiert. Diese soll "mehr Aufenthaltsqualität" in der Neuen Mitte schaffen.

Die GIP sprach sich gleichzeitig für einen regelmäßigen Dialog mit den unmittelbar Betroffenen aus: Gewerbetreibenden, Anwohnern, Immobilienbesitzern. Außerdem wurde zu einer Evaluierung der Neuerung geraten. Beidem stimmt der Stadtrat zu; die Bewertung der Lage soll in zwei Jahren vorgenommen werden. Einen Extra-Hinweis betonte die Wirtschaftsförderin: Die Akzeptanz der Tiefgarage müsse dringend verbessert werden.

Eine weitere Grundlage des Beschlusses ist eine Untersuchung des Verkehrsplanungsbüros Schlothhauer und Wauer. Der Leiter der Münchner Niederlassung, Tobias Schendzielorz, präsentierte dem Stadtrat diverse Skizzen und Zahlen zum Umgriff der künftigen Fußgängerzone. Demnach fahren - wenn Karl-Lederer-Platz und Egerlandstraße offen sind (also wie vor der Baustelle) - auf auf der Bundesstraße 11 täglich 23 600Autos und Lastwagen ("Alle drei Sekunden ein Kfz"); auf der Böhmerwaldstraße 6800 und auf der Egerlandstraße 4300. Bei einer Fußgängerzone, so die Prognose, bliebe die Situation auf der B 11 und der Böhmerwaldstraße gleich; in der Egerlandstraße würde die Anzahl der Fahrzeuge pro Tag um 1000 steigen.

Wie der Stadtbus fahren soll

Im Einzelnen traf der Stadtrat noch Regelungen für angrenzende Straßen. Die Egerlandstraße wird innerhalb ihres Geschäftsbereichs eine Tempo-20-Zone, im übrigen Umfeld gilt Tempo 30. Der Stadtbus wird künftig in Nord- und Südrichtung durch die Egerlandstraße geführt. Der Halt am Rathaus wird weiterhin als Bedarfshaltestelle genutzt.

Der Fasanenweg bleibt in beiden Richtungen befahrbar, allerdings mit einem Linksabbiegegebot an der Ausfahrt in die Egerlandstraße. Auch in der engen Graslitzer Straße bleibt der Zweirichtungsverkehr. Zusätzlich werden dort Parkflächen geschaffen, die als Ausweichbuchten dienen. Zum Kindergarten wird auf der Westseite ein Gehweg geplant. Der Prießnitzweg zwischen Egerland- und Böhmerwaldstraße, der von beiden Seiten nur bis zu seiner Mitte befahrbar ist, soll möglichst geöffnet werden.

Nur kurz wurde diskutiert, wie die Fußgängerzone abgesperrt werden soll. Pflanztröge oder Poller? Und wenn diese, welche genau? Nach einigen Einwänden und Hinweisen von Felix Leipold (FW) und Hans Hopfner (SPD) sagte der Bürgermeister, es gehe erst einmal um den Grundsatzbeschluss zur Fußgängerzone: "Ich würde mich jetzt nicht am Pollermodell verbeißen."

Unter einem zweiten Tagesordnungspunkt hat der Stadtrat einstimmig beschlossen, ein Verkehrsentwicklungskonzept zur Stärkung der Verkehrsarten des Umweltverbundes (ein Fachausdruck für das Zusammenwirken umweltfreundlicher Verkehrsmittel) in Auftrag zu geben.

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