Zum Schuljahresende bekommen die Kinder der Geretsrieder Isardamm-Schule seit Mittwoch ein besonderes Programm geboten. Rektorin Martina Bäumle nennt es in Anlehnung an Erich Kästner „Das fliegende Klassenzimmer“. Genau genommen müsste es „Die fliegenden sieben Gruppenräume“ heißen, gefolgt von den Episoden „Das fliegende Treppenhaus“, „Die fliegende Mensa“ und – ein Höhepunkt – „Die fliegende Küche“. Mit dem Anbau in Modulbauweise reagiert die Stadt Geretsried auf den steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen und schafft moderne Räume für die Mittagsbetreuung. Die Kapazitäten reichen künftig für bis zu 308 Kinder. Die Baukosten betragen 6,9 Millionen Euro.
Am Mittwochvormittag lagern viele der riesigen Versatzstücke noch in der Elbestraße, der Aufbau hat begonnen. 33 Module – je zwölf Meter lang, vier Meter breit und 3,80 Meter hoch – hat die Firma Alho in Morsbach bei Köln gefertigt. Gegen zwölf Uhr hebt ein blauer Kran bereits das vierte Modul in die Höhe und befördert es wie einen riesigen grauen Legostein präzise auf das Dach des Flachbaus, in dem seit fünf Jahren die Mittagsbetreuung untergebracht ist. Das Gebäude, das nach dem gleichen System gebaut wurde, bekommt eine zweite Etage und einen L-förmigen Anbau. In ihm entsteht ein Speisesaal mit 80 Sitzplätzen und eine gewerbliche Küche mit Nebenräumen.


Michael Ungerland von Alho demonstriert auf einem Rundgang, dass sich das Raumklima im Modulbau kaum von einem konventionellen Massivbau unterscheidet. Die Räume sind hell, gut temperiert und haben eine angenehme Akustik. Das liege zum einen an den Fußböden (Linoleum auf Estrich) und den abgehängten Decken. Zum anderen würden nur hochwertige Materialien verwendet. Von der Teeküche bis zum Urinal – „die Qualität stimmt“. Der große Vorteil der Modulbauweise sei die Geschwindigkeit. Eine kurze Bauzeit schone den Schulbetrieb und die Nerven der Nachbarn. Auch bei diesem Projekt. „Wir sind wieder sehr schnell unterwegs“, sagt Ungerland. „In drei, vier Monaten können wir übergeben.“
Bürgermeister Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste) spricht von einer „Investition in Bildung, in Familien, in die Zukunft unserer Stadt“. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen steige kontinuierlich. Mit dem neuen Schuljahr gelte der bundesweite Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler. Die Stadt sei dafür nun „extrem gut aufgestellt“.
Die Mittagsbetreuung an der Isardamm-Grundschule habe bislang 145 Plätze für das anstehende Schuljahr vergeben, die der Karl-Lederer-Grundschule 182 Plätze, erklärt Thomas Loibl, Pressesprecher der Stadt Geretsried. „Allen Kindern, für die der Rechtsanspruch auf Ganztag gilt, konnte ein Platz angeboten werden.“

Dass die Mittagsbetreuung an der Isardamm-Schule immer stärker an ihre Grenzen gestoßen sei, liege nicht zuletzt an ihrer großen Beliebtheit, sagt Bürgermeister Kohlert. „Der Trend geht dahin, dass Eltern ihre Kinder nach der Schule am liebsten mit einem gefüllten Bauch und bereits erledigten Hausaufgaben in Empfang nehmen.“ Dann könnten sie direkt ins Nachmittagsprogramm starten.
„Die Kinder kommen gerne, auch wenn sie eigentlich nach Hause gehen könnten“, sagt Nicole Kurth. Die Vorsitzende des Förderkreises Mittagsbetreuung ist selbst Mutter und hat das Angebot mit aufgebaut. Derzeit koordiniert sie an der Isardammschule 18 Betreuerinnen, die auf Minijob-Basis arbeiten und eine steuerfreie Aufwandsentschädigung bekommen. Anfragen und Anmeldungen nimmt sie mittlerweile ausschließlich über das Online-Elternportal „Little Bird“ der Stadt Geretsried entgegen. Dieses dient Eltern als zentrale Plattform, um im gesamten Stadtgebiet nach geeigneten Krippen, Kindergärten und Kitas zu suchen. „Ich führe die Leute dann durch die Räume, beantworte Fragen und schließe die Verträge“, erklärt sie.
Einen Engpass gebe es derzeit noch beim Mittagessen, das in einem Klassenzimmer serviert wird. „Die Mensa wird ein absoluter Zugewinn“, sagt daher auch Schulleiterin Bäumle. In drei Schichten könnten dann bis zu 240 Kinder verpflegt werden. Ob das Essen im Haus gekocht oder geliefert wird, steht noch nicht fest. „Längerfristig würde ich auch gerne ein Schulfrühstück anbieten.“

