
Die Firma Huber Präzisionstechnik in Geretsried, Träger des Wirtschaftspreises 2006, ist schon wieder verkauft worden. In die österreichische Pankl Holding, die die 2009 in die Insolvenz gegangene Firma 2012 unter Gerold Pankl, Sohn des gleichnamigen Formel-1-Rennfahrers, hatten die Huber-Mitarbeiter viel Hoffnung gesetzt. Doch der Umbau ist noch nicht gelungen. "Das Management hat 2012 unsere Erfahrung nicht eingebracht und unsere Ziele nicht umgesetzt", sagt Gerold Pankl. Josef Niggl, der fast drei jahrzehnte Geschäftsführer der Firma war, zog sich Ende 2012 nach eigener Aussage freiwillig zurück.
Laut Pankl müssen fünf Millionen frisches Kapital in die Firma gesteckt werden. Das soll der neue Eigentümer bereitstellen, die Trialptek aus Zürich. Sie stellt medizinische Geräte, Beleuchtungen und optische Instrumente her und ist international tätig. Der Verkauf ging offenbar zügig über die Bühne. Am 22. August sei er eingeleitet worden, so Pankl. Am 5. September wurden die Verträge unterzeichnet. Die Geschäfte führt übergangsweise John McGough, Chef der Trialptek. Bis Ende September soll eine neue Geschäftsleitung eingesetzt werden.
Kunden und Lieferanten des Prototypenfertigers Huber Präzisionstechnik - unter anderem für Motorenteile im Rennsport - haben in den vergangenen Tagen einen Brief bekommen. Darin kündigen Pankl und McGough an, dass der neue Eigentümer "keinerlei größere Personaländerung" bei Huber vornehmen werde. Auch bringt die Trialptek offenbar nicht nur fünf Millionen Euro Kapital in die Firma ein, sondern auch 20 Millionen Euro Auftragsvolumen.
Aus dem Schreiben wird auch ersichtlich, dass bei Huber im vergangenen Jahr nicht alles rund lief. Offenbar gab es Lieferschwierigkeiten. "Unsere Liefertreue konnte in den letzten Monaten von 20 auf 80 Prozent verbessert werden", heißt es dort. Pankl führt das auf das Management zurück. 2012 wurde eine Doppelspitze aus dem Huber-Geschäftsführer Niggl und einem noch sehr jungen Entwickler aus der Grazer Pankl-Holding, Engelbert Pürrer eingesetzt. Zum Jahresanfang 2013 sei zwar die Leitung gewechselt worden, doch die Probleme hätten damit nicht gleich behoben werden können, teilt Pankl mit. "Das hat uns ein ganzes Jahr gekostet", sagt er. "Und viel Geld."
Pankl hatte viel für Huber versprochen: Bis 2015 sollte sich der Umsatz auf 30 Millionen beinahe verdoppeln, bei dann 250 Mitarbeitern. Zum Vergleich: 2011 hatten 180 Mitarbeiter 16 Millionen Umsatz erwirtschaftet. Der Österreicher hatte voll Enthusiasmus von dem großen Erfolg gesprochen, den er für Huber kommen sehe. Die Firma sollte breiter aufgestellt werden. Dass nun alles anders gekommen ist, schiebt Pankl auch auf Niggl. Der habe das Unternehmen in einem alten Stil führt, Mitarbeiter zu wenig eingebunden und kaum Aufgaben delegiert. Die ausgemachten Veränderungen bis Jahresende 2012 durchzuführen, sei ihm nicht gelungen.
Niggl sagt, er sei freiwillig zurückgetreten. Da er aber - wenn auch freigestellt für fünf bis acht Monate - noch dreieinhalb Jahre lang in beratender Funktion bei Huber beschäftigt sein werde, wolle er zu den Gründen für seinen Rückzug nichts sagen. Den jüngsten Verkauf sehe er positiv.
Pankl ist auch jetzt sehr euphorisch und optimistisch, wenn er über die Zukunft seiner Firma redet, die er für die Kapitalspritze "hergeben" musste. "Damit ist die Firma solide aufgestellt, sie hat eine Bombenauslastung, die Mitarbeiter haben einen supersicheren Arbeitsplatz und werden in den modernsten Prozessen geschult."
Die Palette würde vergrößert. Die derzeitigen Sektoren Automotoren, Racing, Raumfahrt und Medizintechnik würden um die Optik ergänzt und in der Medizintechnik breiter aufgestellt - beides Entwicklungswege, die sich durch die Trialptek eröffnet haben. Außerdem soll die Huber nicht mehr nur Prototypen fertigen, sondern auch einmal größere Stückzahlen. Welche Rolle er in der verkauften Geretsrieder Firma nach Ende September spielen soll, ist offen. Fest steht: Firmen für Formel-1- und andere Rennsportkomponenten hat er öfter neu aufgestellt. Er sei sogar der Erste in Europa gewesen, der es geschafft habe, ein Hightech-Mechanik-Unternehmen an die Börse zu bringen.