Angesichts stark gesunkener Gewerbesteuereinnahmen muss Geretsried sparen und vorerst mit künftig knapperen Finanzbudgets kalkulieren. So äußert sich Rathaussprecher Thomas Loibl einen Tag nach Bekanntwerden der Haushaltssperre vom 6. August. Die Geretsrieder müssen sich auf Einsparungen einstellen, insbesondere bei Infrastrukturprojekten.
Zur derzeitigen Finanznotlage haben reduzierte beziehungsweise ganz eingestellte Vorauszahlungen von Unternehmen aus der Stadt und eine Rückzahlung in Höhe von circa 500 000 Euro geführt. Die Stadt rechnet aktuell nur noch mit 15 Millionen Euro an Einnahmen aus der Gewerbesteuer für das Jahr 2026: ein sattes Minus von circa 30 Prozent gegenüber der ursprünglichen Haushaltskalkulation.
Laut Loibl haben sich die Fehlbeträge schon länger angedeutet. Die prognostizierten Gewerbesteuereinnahmen fielen von 22 Millionen im Juli 2024 auf 17 Millionen Euro im Juli 2025 und nun auf 14 Millionen zum gleichen Jahreszeitpunkt. „Das zeigt, dass es sich nicht um einen einzelnen Sondereffekt handelt“, sagt der Sprecher der Stadtverwaltung. Gleichzeitig habe der neu gewählte Bürgermeister Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste) sich mit vielen Unternehmern der Stadt ausgetauscht. „Aus diesen Gesprächen nehmen wir mit, dass die wirtschaftliche Lage für einige Betriebe derzeit durchaus schwierig ist“, sagt Loibl. „Deshalb müssen wir damit rechnen, dass weitere negative Entwicklungen hinzukommen.“
Wie der Rathaussprecher klarstellt, wolle die städtische Verwaltung ausdrücklich nicht wahllos Budgets kürzen und Projekte zurückstellen. Es gehe darum, quer über alle Teilhaushalte zu prüfen, wo gespart oder was zurückgestellt werden könne.
Es bleibt vorerst beim ersten Bauabschnitt der Ortsdurchfahrts-Sanierung
Das betrifft beispielsweise die Sanierung der Geretsrieder Ortsdurchfahrt. Bei dem Projekt sollen Fahrbahnen und Gehwege saniert, Schutzstreifen für Fahrradfahrer installiert und so mehr Sicherheit und Barrierefreiheit gewährleistet werden. Laut Loibl wird die Stadt den ersten Bauabschnitt vom Norden bis auf Höhe des Bauhofs in der Böhmerwaldstraße abschließen. „Die weiteren Bauabschnitte Richtung Süden werden erst einmal nicht begonnen.“
Zurückstellen will die Stadt seinen Angaben nach auch die Umgestaltung des Rathausvorplatzes, die Erneuerung der Medientechnik in den Sitzungssälen und die Einrichtung eines Aufenthaltsraumes für Personal im Rathaus. All das werde überprüft, so Loibl. Das trifft auch den Sportplatz, der am Standort des alten Hallenbades geplant ist. Der Sportreferent des Stadtrats lotet dem Rathaussprecher zufolge gemeinsam mit den Vereinen Einsparpotenziale und neue Lösungen aus.
Das Straßenkunstfestival fällt aus
Zudem soll das Straßenkunstfestival ausfallen. Weiter stattfinden werden allerdings das Geltinger Dorffest und der Christkindlmarkt. Denn darüber generierten Vereine Einnahmen für ihre Tätigkeit, diese Möglichkeit wolle die Stadt nicht beschneiden, sagt Loibl.
Für die Verwaltung kündigt der Rathaussprecher an, vier aktuell offene Stellen vorerst nicht auszuschreiben. Auch eine außerhalb von Geretsried nach Ende der Sommerpause geplante Klausurtagung für den Stadtrat sei gestrichen. Diese finde nun in Geretsried statt, so Loibl. „Jetzt machen wir es halt vor Ort und sparen uns dadurch Übernachtungskosten.“
Unverändert fortführen wird die Stadt Projekte wie die Sanierung und Erweiterung der Mittelschule an der Adalbert-Stifter-Straße oder die Aufstockung der Mittagsbetreuung an der Isardammschule. „Summa summarum bleibt der Grundsatz: Maßnahmen, die ohne gravierende Folgen verschoben werden können, sollen auch verschoben werden“, sagt Loibl. „Rechtliche Verpflichtungen, Pflichtaufgaben und bereits verbindlich zugesagte Leistungen werden weiterhin erfüllt.“

