bedeckt München 26°

Geretsried:Hartmann besteht auf Filteranlage

Der Leiter des Gesundheitsamtes sieht sich von Landrat Niedermaier und der Regierung in seiner Haltung bestätigt

Die Geretsrieder Wasserspeicher fassen Millionen von Litern. Findet sich darin nur ein Keim, müssen die Stadtwerke reagieren.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Franz Hartmann, der Leiter des Gesundheitsamtes in der Kreisbehörde, , hält an seiner Forderung fest: Um die Trinkwasserversorgung in Geretsried langfristig zu sichern, soll die Stadt eine Ultrafiltrationsanlage bauen. In ihren Sitzungen haben die Stadträte heftigen Unmut geäußert, Zweifel an Hartmanns Autorität wurden laut. Landrat Josef Niedermaier (FW) unterstützt gleichwohl die Anordnung Hartmanns: "Man muss das Risiko an der Quelle ausschließen." Eine Ultrafiltrationsanlage sei die einzige Lösung. Dass Geretsried genau wie Königsdorf vor das Verwaltungsgericht ziehen will, sieht der Landrat kritisch. Der Streit werde schließlich "auf dem Rücken der Bürger" ausgetragen.

Bei dem Streit geht es auch um Kompetenzen. Hartmann warnt vor Parasiten und Krankheitserregern, die trotz UV-Anlage überleben, ohne dass man sie durch Tests nachweisen könne. Das Procedere sei schlicht zu aufwendig, die Anzahl der möglichen Parasiten und Krankheitserreger unübersichtlich hoch. Das dementiert der Stadtwerkeleiter Jan Dühring: Aktuell sei 52-mal auf Eigeninitiative der Stadtwerke ein "Indikator bestimmt" worden, welcher auf eine parasitäre Verunreinigung hindeute. Die Befunde seien alle negativ gewesen."Das ist Unsinn und widerspricht sämtlicher Literatur", widerspricht Hartmann.

Dühring stjellt auch fest, dass seit 24. Oktober 228 Proben genommen worden seien. Davon seien zwei mit je drei coliformen Keimen und eine mit zwei Enterokokken belastet gewesen. In Hartmanns Augen ist das unwichtig: Eine lange Periode ohne positive Befunde könne die negativen Befunde nicht relativieren. "Die eigentliche Krux ist die intermittierende Verunreinigung", sagt Hartmann - also die zeitlich aussetzende, wiederkehrende Belastung des Wassers. Dass sie wiederkehren werde, selbst nach 100 keimfreien Proben, ist in Hartmanns Augen sicher. Zum einen, weil sich das Grundwasser an manchen Stellen des Wasserschutzgebiets nur rund zwei Meter oder weniger unter der Oberfläche befinde. Zum anderen, weil sich diese damit verhältnismäßig dünne Schicht zwischen Grundwasser und Erdoberfläche aus Kies und Humus zusammensetzt. Somit werde das Oberflächenwasser nur schlecht oder gar nicht gefiltert.

Das bedeutet aus amtlicher Sicht nicht nur, dass Keime aus dem Kot von Wildtieren so gut wie ungehindert ins Grundwasser einsickern kann, sondern auch, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass dies tatsächlich passiert. Hartmann zitiert als Belegt das Robert-Koch-Institut, demzufolge es lokal 40 Wirbeltierarten gibt, deren Exkremente Parasiten namens Kryptosporidien enthalten. Schon zehn der Oozysten genannten Eier sollen immungeschwächten Menschen zu schaffen machen können, also auch Säuglingen und Aids-Erkrankten. Die Oozysten lösen Durchfall aus, der zum Tod durch Dehydration und Gewichtsverlust führen könnte.

Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) stellt sich in der Sache hinter Hartmann. Zwar könne er selbst die Lage fachlich nicht beurteilen, jedoch gehe es ihm beim Trinkwasser um die absolute Sicherheit. Für ihn stehe fest, dass die Situation so, wie sie ist, nicht bestehen bleiben kann und darf. Fazit: "Beheben muss man es."

Scharf kritisiert Niedermaier die "hanebüchenen" Bemerkungen, die in vergangene Woche im Geretsrieder Stadtrat gefallen sind. Die in Geretsried vielfach geäußerten Zweifel an Hartmanns Autorität teilt er nicht, schließlich habe Hartmann Kontakt mit Fachbehörden in der Regierung und dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Hartmann selbst erklärt, die Regierung von Oberbayern habe ihm schriftlich attestiert, dass seine Vorgehensweise "rechtlich und fachlich nicht zu beanstanden" sei. Der Amtsleiter verwahrt sich außerdem gegen die Aussage, die Anordnungen kämen allein von ihm. Schließlich habe er Rückendeckung vom Landrat und der Regierung.

Im Landkreis Starnberg vertritt das Gesundheitsamt eine ähnliche Haltung. Gechlort werde sofort, wenn ein Grenzwert überschritten sei, sagt dort Amtsarzt Harald Staskiewicz. Und das sei der Fall, sobald auch nur ein E-Coli-Keim oder eine Enterokokke gefunden werde.

Die Frage, ob zu früh gechlort werden könne, verneint Staskiewicz.