Als Unternehmer hat Hans-Wolfgang Tyczka das Wirtschaftsleben der Region und weit darüberhinaus geprägt. Sein Leben spannte sich über ein Jahrhundert deutscher Geschichte – vom Aufstieg der NS-Diktatur über Krieg und Zerstörung bis zum politischen Neuanfang und wirtschaftlichen Aufschwung. Jahrzehntelang war er in der Tyczka-Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Geretsried tätig und baute den Konzern zu einem der führenden Produzenten von Industrie- und Flüssiggasen auf. Noch im Februar konnte Hans-Wolfgang Tyczka seinen 100. Geburtstag feiern. Am 6. Juni ist er nun nach kurzer Krankheit gestorben, wie es in einem Nachruf seiner Unternehmensgruppe steht.
In Görlitz wurde Tyczka am 26. Februar 1926 geboren. Zwei Jahre zuvor hatte sein Vater Georg ein Sauerstoffwerk gegründet. Damit war die Basis des Familienunternehmens gelegt, für das Hans-Wolfgang Tyczka seit 1958 als Gesellschafter tätig war. Er entschied in den 1960er-Jahren, den Firmensitz nach kriegsbedingtem Neuanfang im bayerischen Schwarzenfeld nach Geretsried zu verlegen.
Während seiner jahrzehntelangen Führungstätigkeit diversifizierte sich das Portfolio des Unternehmens immer weiter. Die Konzerngruppe ist europaweit im Energie- wie Gassektor aktiv und in das Geschäft mit Wasserstoff eingestiegen. Als Hauptgesellschafter gestaltete Tyczka diese Entwicklungen mit.
„Mein Vater hat die Tyczka-Gruppe mit unternehmerischem Weitblick, großer Menschlichkeit und tiefem Verantwortungsbewusstsein aufgebaut und geprägt“, teilt Frederick Tyczka‑Christoph im Nachruf auf der Homepage des Unternehmens mit, für das er als Gesellschafter tätig ist. „Für viele war er mehr als ein Unternehmer, er war ein Mentor und Wegbegleiter; für unsere Familie der Mittelpunkt und verlässlicher Halt.“
Gesellschaftliches Engagement prägte sein Leben
Hans-Wolfgang Tyczka war zweimal verheiratet. Bis ins hohe Alter blieb er aktiv. Sich selbst bezeichnete er als einen „Optimisten“. Zum 90. Geburtstag ließ er den Hit „Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros – einer seiner Lieblingssängerinnen – anspielen.
Prägend war auch das gesellschaftliche Engagement. Er war im Rotary Club Wolfratshausen-Isartal aktiv und saß im Kuratorium der Bürgerstiftung „Energiewende Oberland“. Unter anderem war Tyczka Gesellschafter der GmbH Lernende Region Tölzer Land. Außerdem unterstützte er die Wolfratshauser Kreisklinik mit Spenden. Für sein Engagement wurde Tyczka vielfach ausgezeichnet. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse und des Bayerischen Verdienstordens.
„Wir verlieren eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit, einen Menschen von Format und Haltung“, so der Sprecher der Geschäftsführung der Tyczka- Unternehmensgruppe, Frank Götzelmann. In der Geretsrieder Pfarrkirche Heilige Familie ist für Freitag, 19. Juni, 10 Uhr ein Requiem geplant. Die Beisetzung soll im engsten Familienkreis stattfinden.

