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Geretsried:Ein Muster-Projekt

In Gartenberg soll Wohnraum für etwa 1500 Menschen entstehen

Das ehrgeizigste Wohnungsbauprojekt mit sozialem Aspekt wird in der Stadt Geretsried in Angriff genommen. Die Stadt, die Baugenossenschaft (BG) und der Eigentümer des ehemaligen Lorenz-Areals, die Wolfratshauser Krämmel KG, haben sich dafür zusammengetan. Auf dem gut vier Hektar großen Gelände zwischen Elbe- und Banaterstraße, das nach der früher dort ansässigen Spielwarenfabrik Lorenz benannt ist, sollen 600 Wohnungen gebaut werden - Raum für etwa 1500 Menschen in der 24 000-Einwohner-Stadt. Das Vorhaben sei eines der größten seiner Art in der Region um München, sagt der Leitende Baudirektor Roman Dienersberger, bei der Regierung von Oberbayern für Wohnraumförderung zuständig. Und er ist sicher: "Was dort entsteht, wird eine hohe Qualität haben." Denn nicht zufällig läuft das Projekt unter dem Stichwort "bezahlbarer Wohnraum".

Das Vorhaben ist dreigeteilt: Je 30 Prozent geförderte und frei finanzierte, aber vergünstigte Mietwohnungen, 40 Prozent Eigentumswohnungen. Diese Mischung nennt Dienersberger "toll". In den Siebzigerjahren habe man oft mit Sozialwohnungen Gettos gebildet, das werde hier vermieden. Dienersberger würdigt die Initiative: "Wir sagen ständig, wir brauchen Wohnungen. Hier packt man an."

Es gibt allerdings Widerstände gegen das Vorhaben, nicht zuletzt von den Betrieben, die am Rande des Areals angesiedelt sind. Die deutlichste Kritik äußern nach einer ersten Auslegung der Pläne die Immissionsschutzbehörde des Landratsamts und die Speck-Kolbenpumpenfabrik. Die Behörde bezweifelt, dass die Planung an dieser Stelle sinnvoll sei, und zwar explizit auch schon für den Fall, dass im nächsten Verfahrensschritt die Einhaltung der Lärm-Grenzwerte durch verschiedene Maßnahmen nachgewiesen werde. Speck macht "größte Bedenken" geltend. Die Planung beschwöre Konflikte zwischen Gewerbe und Wohnen herauf: "Es bleibt uns daher nur der Klageweg, sollte der Stadtrat den Bebauungsplan in dieser Form beschließen." Dagegen wird eine offene Sprechstunde der Stadt kaum zur Auseinandersetzung mit dem Wohnbauvorhaben in Gartenberg genutzt. Die meisten interessieren sich mehr dafür, was auf dem Karl-Lederer-Platz entsteht - und ob der Turm dort zu hoch wird.