bedeckt München
vgwortpixel

Geretsried:Die Aufdeckung der Zahnpasta

Ben Profane begeistert im Geltinger "Hinterhalt" mit ganz besonderen Zaubertricks, bei denen er das Publikum einbezieht - und immer wieder gehörig verblüfft

Eigentlich, so erzählt Ben Profane, wollte er im Internet nur einen Artikel über Schach lesen. Doch irgendwie landete er am Ende bei diesem Video, das derzeit das Netz aufstört: das eines Seebären, der einen Pinguin vergewaltigt. "Und - ich weiß auch nicht genau, warum - ich habe mir das angesehen." Erst hinterher merkte er, dass Werbeclips ins Video eingeblendet worden waren, und weil er sich dafür interessierte, welche Werbung jemand wohl zu so einem Video schalten würde, startete er es von vorn. Ergebnis: Es war die Werbung eines Versicherungsportals. Profane blickt erstaunt in die Runde aus etwa 60 Zuschauern, die sich in der Geltinger Kulturbühne "Hinterhalt" seine Zauber-Show ansehen. "Was ist da die Botschaft? Hätte sich der Pinguin besser versichern sollen?"

Geltinger Kulturtage 2014 - PiPaPo

Enno darf auf die Bühne und eine Ladung Konfetti abschießen. Die Zuschauer schützen sich, so gut es eben geht.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Abend mit Ben Profane, dem Zauberkünstler aus München, wird seinen Zuschauern gewiss noch lange im Gedächtnis bleiben. Denn - das kann ganz schnörkellos gesagt werden - er war etwas Besonderes. Zaubertricks mag der ein oder andere schon einmal gesehen haben, Karten und Zahlen, die erraten, oder Fäden, die zerrissen und wieder zusammengesetzt werden, alles erstaunlich, aber inzwischen auch ein wenig gewöhnlich. Damit gibt sich Profane nicht zufrieden: Aus einem Trickmagier, der aus einer weiß-blau karierten Serviette eine Blume dreht, wird ein latent-kritischer Kabarettist, der sich von einem Moment zum anderen in einen verrückten Professor verwandelt, der hinter dem Rücken eine Flinte Marke Eigenbau hervorzieht, die nicht mit Schrot, sondern mit Papierkügelchen geladen wird.

Geltinger Kulturtage 2014 - PiPaPo

Ben Profane (links) zaubert auch mit einem Laubbläser. Zuschauer Rick bekam sicherheitshalber einen Helm.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Pure Kreativität ist es, was Profane seinen Zuschauern bietet, vermischt mit Witz und Freude am Unsinn. "Wenn ich abends nach Hause komme und merke, dass ich Konfetti in der Unterhose habe, dann weiß ich, dass ich gearbeitet habe", sagt Profane, nachdem er seinen Kopf in einen riesigen mit Karten und bunten Papierschnipsen gefüllten Luftballon gesteckt und diesen mit einem Messer zum Platz gebracht hat. Er lässt eine Frau die frisch gewaschenen Haare mit 380 000 Volt zu Berge stehen; bringt Karten zum Schweben, die sich unter einer Glasglocke befinden; und zaubert einen Geldschein aus den vermeintlichen Exkrementen eines Hundes hervor, die in einer schwarzen Tüte von der Decke hingen, und zwar schon, als er den Schein aus dem Publikum erhielt und zu seiner zweifelsfreien Identifikation die Seriennummer notieren ließ. Profane macht Unmögliches möglich, auf unvergessliche Weise. Und dabei lässt er sich, wie bei Zauberern üblich, nicht in die Karten blicken. Besser noch: Er lacht, staunt und freut sich, als hätte er selber nicht damit gerechnet, dass der Trick funktioniert.

Zwischendurch blitzt der Kabarettist in ihm auf: So führt seine Geschichte über den Seebären und dessen fatale Partnerwahl ihn zu der Frage, ob denn einer der Anwesenden Ebay nutze. Den Gast, der sich meldet, löchert er eine gute Minute lang mit Fragen: Wie lange er schon bei Ebay sei? Ob er nur kaufe oder auch verkaufe? Die beiläufig wirkende Befragung endet mit Profanes Feststellung: "Man glaubt nicht, dass gerade viele Informationen geflossen sind." Verdeckt schreibt er auf einen Block den Gegenstand auf, den der Mann, wie er denkt, zuletzt ersteigert hat. Dieser deckt auf: Es sei eine amerikanische Zahnpasta für seine Schwiegermutter gewesen. Profane dreht den Block um, auf dem geschrieben steht: Zahnbürste oder -pasta. "Ist das nicht der Hammer?", ruft Profane. Ja, das ist der Hammer.

© SZ vom 24.11.2014
Zur SZ-Startseite