Jahresbericht"Der Neue Platz wird so bleiben"

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Bei der Geretsrieder Bürgerversammlung in der Aula der Karl-Lederer-Schule hält sich der Andrang in Grenzen. Nur etwa 25 Personen hören sich an, was Bürgermeister Michael Müller zu berichten hat.
Bei der Geretsrieder Bürgerversammlung in der Aula der Karl-Lederer-Schule hält sich der Andrang in Grenzen. Nur etwa 25 Personen hören sich an, was Bürgermeister Michael Müller zu berichten hat. (Foto: Harry Wolfsbauer)

In der Geretsrieder Bürgerversammlung verteidigt Bürgermeister Michael Müller die Stadtgestaltung und kündigt Verbesserungen im Nahverkehr an.

Von Susanne Hauck, Geretsried

Der Karl-Lederer-Platz in Geretsried ist fertig und er gefällt nicht allen. Dass er immer wieder als "Betonwüste" geschmäht wird, wo die Stadt doch so viel Geld und Mühe in die Neugestaltung gesteckt hat, lässt Bürgermeister Michael Müller (CSU) gern mal aus der Haut fahren. Als eine Anwohnerin in der Bürgerversammlung am Donnerstag wagte, den Neuen Platz als "graue Fläche" mit "unwirtlicher Wirkung" zu bezeichnen, nutzte das der Rathauschef zur Generalabrechnung mit all den Kritikern, die mehr Grün wollen. "Ein Stadtplatz ist doch kein botanischer Garten", wetterte er. Wie viele Bäume man denn am Neuen Platz noch pflanzen solle, fragte der Bürgermeister - er habe "bei 40 aufgehört zu zählen". Kein Mensch käme etwa auf den Gedanken, Bäume für den Münchner Marienplatz zu fordern, ein Stadtplatz brauche schließlich eine Zone für Veranstaltungen. "Der Neue Platz wird so bleiben", kanzelte Müller die Fragestellerin ab. Dass am Karl-Lederer-Platz noch Luft nach oben sei, insbesondere vor dem Edeka-Supermarkt, lasse er sich noch eingehen. Aber mit Grünzone und Bachlauf sei viel passiert. "Früher standen da 75 Autos, jetzt spielen stattdessen Kinder und die Leute können auf Stühlen sitzen", wetterte er. "Ich lasse mir es nicht nehmen, dass das eine deutliche Verbesserung ist."

Der Karl-Lederer-Platz habe einen schlechten Start gehabt, das hatte Müller schon davor bedauert. Schuld daran sei die Eröffnung mitten im Lockdown gewesen. Ausbügeln soll das die City Initiative, die dazu da ist, mehr Leben in die Stadt zu bringen.

Das Thema grüner oder grauer Stadtplatz kocht vielleicht in den Sozialen Medien hoch, dürfte den meisten Geretsriedern aber doch eher wurscht sein, denn mehr als 25 waren nicht zur Versammlung in der Aula der Karl-Lederer-Schule gekommen. Die wenigen Teilnehmer, die flankiert wurden von einem Dutzend gesprächsbereiter Verwaltungsmitarbeiter samt Projekttafeln, konnten aber vom Bürgermeister jede Menge Informationen aus erster Hand erfahren. So soll die neue Egerlandstraße noch vor Weihnachten wieder für den Verkehr aufgemacht werden, berichtete Müller. Die Geschäfte sollen Mitte Januar bezugsfertig sein, die Wohnungen stufenweise ab Mitte Februar. Im Oktober wolle der Stadtrat außerdem darüber entscheiden, ob der Karl-Lederer-Platz zur Fußgängerzone wird.

Schon länger feilt die Stadt an den Buslinien. Wie Müller den Bürgern erklärte, soll der Stadtbus zum einen mehr mit dem sogenannten X-Bus verzahnt werden, der die drei Städte des Lankreises mit Starnberg und Deisenhofen im Express verbindet. Zum anderen soll er den versorgungsarmen Ortsteil Stein besser an die Geschäfte in der Sudetenstraße anbinden, indem die Linie einen Schlenker über die Altvaterstraße fährt. Die bisher wegen der parkenden Autos kaum erkennbare Haltestelle "Am Stern" soll ordentlich ausgebaut werden, damit die Leute dort besser ein- und aussteigen können. All dies soll laut Bericht des Bürgermeisters im Frühjahr "mit einem Bäng" umgestellt werden, wenn die Egerlandstraße wieder offen ist. Eventuell hält der X-Bus künftig weiter vorne am Cafe Waldmann.

Bei der unendlichen Geschichte S-Bahn-Verlängerung hängt die Stadt derzeit in der Warteschleife, bis die neue und alles entscheidende Kosten-Nutzung-Rechnung da ist. Wegen des reformierten Verfahrens erwarte er bessere Ergebnisse, schaltete sich Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) dazu. Sorgen bereitet Müller der Fachkräftemangel in der Verwaltung und in den Kitas, und auch die Finanzen der Stadt sind kein erfreuliches Thema. Die aktuelle Deckungslücke in Höhe von fünf Millionen Euro könne dieses Jahr zwar noch aus der Rücklage finanziert werden, sagte er. Aber wenn es so weitergehe, komme die Stadt um einen Kahlschlag, sprich um eine Streichung der freiwilligen Leistungen, nicht herum. Landrat Niedermaier stimmte die Teilnehmer der Bürgerversammlung auf anschwellende neue Flüchtlingsströme ein. Auch bei den Schulen ist der Landkreis unter Druck, weil durch das wiedereingeführte G9 die Gymnasien aus allen Nähten platzen. Im Fokus ist besonders das frisch sanierte Ickinger Gymnasium, das gut zur Hälfte von landkreisfremden Schülern besucht wird, wie Niedermaier sagte. Anschließend ließ der Landrat die Katze aus dem Sack: Es werde über ein viertes Gymnasium im Landkreis nachgedacht, sagte er. Die Standortfrage bereite wegen der Konkurrenz zu den bestehenden Schulen das größte Kopfzerbrechen. "Da wird es in den nächsten zwei Jahren viele Diskussionen geben."

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