Geothermie ist immer mit Risiken behaftet. Man weiß nie so genau, was man findet, wenn man in die Tiefe bohrt - oder wann man bohren kann. Das weiß Gunnar Thor Gudmundsson aus eigener Erfahrung. Seit 2007 kümmert sich der Isländer, Geschäftsführer der Enex Power GmbH, um das Geothermie-Projekt in Gelting.
Schon seit 2005 heißt es abwechselnd: "Bald wird gebohrt" oder "Bohrung verzögert sich". Gerade wieder soll bald gebohrt werden, aber eine mögliche Verzögerung zeichnet sich ebenfalls ab. "Ich gehe hier nicht weg, bevor es läuft", verspricht Gudmundsson. Er ist guten Mutes, dass es in diesem Jahr so weit sein wird.
Doch im vorigen Jahr gab es Verzögerungen. Deshalb ist nun der DS-10-Bentec-Bohrer, der für das Geltinger Projekt vorgesehen war, in Österreich im Einsatz. Von dort aus wird die riesige Anlage nach Taufkirchen gebracht. Und wenn die Bohrungen dort rechtzeitig fertig werden, kommt sie im Spätsommer womöglich in Gelting zum Einsatz.
Wie schnell die Bentec-10 wieder zur Verfügung stehe, hänge davon ab, ob in Taufkirchen zwei oder drei Löcher gebohrt würden, sagt Gudmundsson. Für jedes Loch rechne man mit etwa drei Monate reiner Bohrzeit - es braucht eben Zeit, bis man durch vier oder fünf Kilometer Gestein in die Thermalwasserschicht vorgestoßen ist.
Eigentlich sollte die Anlage schon im vorigen Jahr von Oberhaching nach Gelting kommen, doch dann habe die Enex nicht rechtzeitig eine "Fündigkeitsversicherung" abschließen können - die ist nötig der Risiken wegen. Schließlich weiß niemand, wie es fünf Kilometer unterhalb von Gelting tatsächlich aussieht.
Andere Anlagen, die so tief bohren können, gibt es in Deutschland wenige, sagt Dietmar Brockhaus von der Firma Daldrup&Söhne Geothermie GmbH. Zudem würden gerade viele Projekte realisiert, die wegen der Krise aufgeschoben gewesen seien. Seine Firma erwäge deshalb den Kauf eines neuen Bohrers, der noch tiefer kommt als der DS-10-Bentec. Der würde etwa 15 Millionen Euro kosten, sagt Brockhaus.
In der Zwischenzeit hat Enex mit der Stadt Geretsried Gespräche geführt und Absichtserklärungen abgegeben. Bis zum Wintereinbruch 2012 möchte die Firma heißes Wasser in das Fernwärmenetz der Stadt einspeisen. Das Kraftwerk wäre bis dahin zwar nicht fertig, sagt Gudmundsson, aber das Thermalwasser werde fließen."Die festgelegten Termine wollen wir einhalten."
Er sei guten Mutes, dass das auch klappt. Brockhaus sieht das ebenso: "Wir hoffen, dass wir das Projekt in Gelting in diesem Jahr anfangen und auch zum Erfolg bringen." Die Firma Daldrup&Söhne ist über ihre Tochter Geysir Europe zu zehn Prozent an Enex beteiligt.
Zweiter Bürgermeister Gerhard Meinl glaubt ebenfalls, dass die Sache mit der Geothermie noch klappt. Wirklich angewiesen ist die Stadt aber nicht auf das heiße Wasser - wenngleich die Geothermie Bestandteil des integrierten Klimaschutzkonzepts ist. "Wir haben Alternativen", versichert der Stellvertretende Bauamtsleiter Jan Dühring.
Nahwärmeversorgung über Hackschnitzelheizungen oder Biogasanlagen sind ebenfalls als Bestandteile vorgesehen. "Bevor das nicht in trockenen Tüchern ist, werden wir nicht irgendwo Geld vergraben", sagt Dühring. Der Termin Ende 2012 sei ein Gedanke von Enex, "alles weitere hängt von der erfolgreichen Bohrung ab."