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Geretsried:Besuch aus Ungarn

Georg Hodolitsch und zweiter Bürgermeister Hans Hopfner erklären den Kindern aus Ungarn die Gedenktafel für die geflüchteten Ungarndeutschen.

(Foto: Pöstges)

Siebtklässler einer Schule in Budapest informieren sich über Vertreibung

Von Luzie Gänslmayer, Geretsried

Das Thema Flucht und Vertreibung ist eng mit der Geschichte der Stadt Geretsried verbunden: In dem kleinen Ort siedelten sich nach dem zweiten Weltkrieg viele Heimatvertriebene an, heute ist Geretsried die größte Stadt im Landkreis. Etwa zwölf Millionen Deutsche mussten ihr Zuhause in Ungarn oder der Tschechoslowakei kurzfristig und mit einem maximalen Gepäckgewicht von 50 Kilogramm verlassen.

Anlässlich des ungarischen Gedenktages für die Vertriebenen am 19. Januar kamen die Schüler einer 7. Klasse der Antal-Grassalkovich-Grundschule aus Budapest-Soroksar auf Einladung des Hauses des Deutschen Ostens für drei Tage nach München. Dort zeigten sie am Donnerstagabend in der Allerheiligen-Hofkirche der Residenz das Theaterstück "Augenzeugen-Spielzeuge". Es thematisiert vor allem, wie wenig die Flüchtlinge aus der Heimat mitnehmen konnten.

Am Freitag empfing die Stadt Geretsried die Schüler im Rathaus. Georg Hodolitsch von der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn machte auf die Gemeinsamkeiten der Städte aufmerksam: "Wir haben hier eine im Volksmund genannte Ungarnsiedlung, wo die Straßennamen ähnlich wie in Ungarn mit Blumennamen bezeichnet sind: Fliederweg, Tulpenstraße oder Lilienstraße". Hin und wieder mussten die Lehrer übersetzen, den Großteil verstanden die Schüler ohne Hilfe.

Mit dabei war auch die 86-jährige Zeitzeugin Maria Wagner. 1944 floh sie vor der deutschen Front, 1948 wurde sie ausgesiedelt, 1957 kam sie schließlich nach Geretsried. Es sei gut, dass man sich an das Thema erinnere. "Die Zeiten waren nicht so rosig", sagt sie. "Wir wurden total entwurzelt." Anita Zwicknagl vom Kulturamt führte die Schüler anschließend durch das Museum. Sie besprach die Vertreibung und die Missstände auf der Flucht. Ein Schüler der 12. Klasse war auch mit dabei. Der 17-jährige Balazs Kerekes freute sich besonders über die positiven Reaktionen der Zuschauer nach der Aufführung in der Allerheiligen-Hofkirche: "Die Leute haben bestimmt drei Minuten im Stehen geklatscht."

Auch der Besuch in Geretsried habe sich rentiert: "Es ist wirklich interessant, die Fluchterfahrungen hier in der Stadt zu sehen." Nach dem gemeinsamen Mittagessen ging es zurück in die Jugendherberge. Am Samstag fahren die Schüler wieder nach Ungarn.

© SZ vom 21.01.2017
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