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Geretsried:Bayerns größte Feuerwehrschule wird erweitert

Ein Lagerhaus für Simulationen und ein Seminargebäude sind eingeweiht worden. Wie nötig gute Ausbildung ist, hat der tödliche Busunfall auf der A9 in Franken gezeigt.

Auf ein Volksfest wird ein Bombenanschlag verübt. Das Riesenrad fällt um. Die Meldungen überschlagen sich, die Informationen sind widersprüchlich, die Zeit drängt: Wie man als verantwortlicher Feuerwehrler in so einer hochgefährlichen Situation mit kühlem Kopf gezielt vorgeht, das können Ehren- wie Hauptamtliche an der Sudetenstraße 81 in Geretsried lernen. In der größten von drei bayerischen staatlichen Feuerwehrschulen werden Führungskräfte ausgebildet - von Brandschutz bis Krisenmanagement.

Die Anforderungen an die Feuerwehr hätten enorm zugenommen, sagt der Leiter der Geretsrieder Schule, Christian Schwarz. Und der Bedarf an Ausbildung sei weit höher als die Möglichkeiten der drei Einrichtungen. In Geretsried wurde jetzt einer von vielen nötigen Schritten abgeschlossen, um das zu ändern: Das neue Seminargebäude mit Fahrzeughalle und das Übungsobjekt Lagerhaus mit Rampe wurden am Dienstag feierlich eingeweiht. Innenstaatssekretär Gerhard Eck versprach nach dieser fünf Millionen Euro teuren Maßnahme weitere Investitionen in den kommenden Jahren.

Vom Autobrand bis zum Katastrophenschutz reicht das Ausbildungsprogramm an der staatlichen Feuerwehr-Schule in Geretsried.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Zehn Hektar Grund, mehr als 40 Fahrzeuge, 80 Mitarbeiter, ein Hotelbetrieb mit 114 Betten, etliche Gebäude, die größte Eisenbahn-Übungsanlage Deutschlands - aber keine wetterfeste Übungshalle. Das ist eines der Defizite, die Schwarz nennt. Auch Alfons Weinzierl, der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands, mahnt hier Verbesserungen an. Bisher könne in Geretsried nur im Freien geübt werden und deshalb nur von April bis November, sagte er beim Festakt. Um die Bedeutung qualifizierter Ausbildung deutlich zu machen, sprach er den tödlichen Busunfall am Montag auf der A 9 an.

Für den Geretsrieder Schulleiter ist auch ein Ausbau der Unterkünfte auf 200 Betten vorrangig, damit die Nachfrage nach Ausbildung gedeckt werden kann. Ehrenamtliche Feuerwehr-Führungskräfte blieben heute nicht mehr so lange in ihren Ämtern wie vor Jahrzehnten. Ein bis zwei Wahlperioden à sechs Jahren seien üblich; früher vier bis fünf. "Das lässt die Berufswelt nicht mehr zu", sagt Schwarz: Die Leute würden öfter versetzt oder müssten pendeln, und oft seien Arbeitgeber nicht so geneigt, sie für den ehrenamtlichen Dienst freizustellen.

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Die Neubauten auf dem Gelände an der Sudetenstraße.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Zudem seien die Anforderungen für die Feuerwehr wesentlich komplexer, erklärt der 48-jährige Schwarz, der selbst mit 16 Jahren zur Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort Parsdorf ging. Nach dem Chemie-Studium und einer Laufbahn im höheren Feuerwehrdienst ist er seit 2002 Leiter der Geretsrieder Schule. Dass die Tätigkeit komplexer geworden ist, erklärt er an zwei Beispielen. Früher habe es bei Autounfällen nur die Frage gegeben: Benzin oder Diesel? "Heute kann man auf den ersten Blick nichts erkennen. Es kann auch ein Elektroauto sein." Die Feuerwehr müsse aber sehr schnell entscheiden: Wie komme ich in ein Unfallauto rein, um eine Person zu retten? Auch technisch sei vieles komplizierter, etwa der Digitalfunk.

Die staatlichen Feuerwehr-Schulen in Würzburg, Regensburg und Geretsried haben einerseits örtliche Zuständigkeiten, andererseits Spezialaufgaben. In Geretsried sind das die Ausbildung im Katastrophenschutz, für Verantwortliche in Integrierten Leitstellen und in der Psychosozialen Notfallversorgung. Auf das Erfordernis einer solchen Betreuung auch für Rettungskräfte wies Eck hin. Er sagte, man müsse sich einmal vorstellen, dass es Ehrenamtliche gewesen seien, die beim fränkischen Busunglück 18 Tote zu bergen hatten.

Leiter Christian Schwarz (am Rednerpult) begrüßte am Dienstag Festgäste zur förmlichen Einweihung der fünf Millionen Euro teuren Neubauten.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Bayern hat, wie Schwarz sagt, die größte Feuerwehrdichte: Von 1,2 Millionen Haupt- und Ehrenamtlichen seien allein in Bayern an die 330 000 tätig. Hier habe die Feuerwehr eben auch eine gesellschaftliche Rolle: "Historisch hat jeder Ortsteil seine eigene Feuerwehr." Er hoffe, dass weiterhin junge Leute - zunehmend seien es auch Frauen - diese Aufgabe wahrnehmen: "Wenn das nicht mehr da ist, geht viel kaputt.

Dem Innenstaatssekretär gab Schwarz mit auf den Weg, dass die Feuerwehren einen "bestimmt nicht unwesentlichen Beitrag zur inneren Sicherheit" leisteten. Ein Konzept zur Erweiterung des Ausbildungsstandorts Geretsried sei fertig: "Es muss mit Hochdruck umgesetzt werden."