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Gelting:Memento mori aus dem Mittelalter

Beim Aushub dieses Grabens für Kanalbauarbeiten ist der Baggerfahrer auf sterbliche Überreste gestoßen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Baggerfahrer gräbt zufällig Gebeine aus - Archäologen bergen und untersuchen den Fund

Eigentlich wollte der Arbeiter nur die nächste Schippe Erde schaufeln, doch es sollte anders kommen: Beim Ausheben des Grabens für Kanalarbeiten auf einer Baustelle in Gelting stieß er mit seinem Bagger auf Knochen - die sterblichen Überreste eines Menschen. Wenig später wurde an anderer Stelle auf dem Grundstück ein weiteres Skelett gefunden. Inzwischen steht fest, dass die Überreste älteren Datums sind - Archäologen bemühen sich nun um die Einordnung und Datierung.

"Beim Graben stieß der Baggerfahrer auf etwas Hartes", erzählt Markus Fagner, Inhaber der Ickinger Firma Farch Archäologie. Die Bauarbeiter hätten daraufhin die Polizei informiert. Anschließend wurde Fagners Unternehmen mit dem sachgemäßen Bergen der Skelette beauftragt. Mit entsprechendem Material und einem fachkundigen Team machten sie sich an die Arbeit und inspizierten das Skelett, das seitlich des Grabens in der Erde steckte. Auch das zweite Skelett wurde untersucht und die Ergebnisse akribisch festgehalten. Nach Fagners Angaben seien es ein männliches und ein weibliches Skelett. "Aufgrund der Lage und Stellung der Skelette handelt es sich hierbei mit großer Wahrscheinlichkeit um christliche Gräber, denn die Köpfe zeigen Richtung Osten", sagt der studierte Archäologe. Das symbolisiere die Auferstehung, der Blick sei gen Osten gerichtet. Der Glaubensvorstellung nach sollten die Toten bei der Auferstehung als erstes die aufgehende Sonne erblicken und dieser dann entgegengehen.

Näheres zu den Personen sei schwer zu sagen. "Da wir keine Beigaben bei den Leichnamen gefunden haben, lässt sich nicht feststellen, um wen es sich hierbei handelt." Allerdings ließen beigabenlose Gräber darauf schließen, dass es Skelette seien, die nicht jünger als aus dem Hochmittelalter sind. "Es könnte aber auch noch früher sein", so Fagner. Aus welcher Zeit genau die Skelette stammen, lasse sich nur schwer datieren. Aufgrund der Tatsache, dass keine Beigaben gefunden wurden, lasse sich auch nichts zu der sozialen Stellung sagen. Zwar sei es früher üblich gewesen, dass wohlhabendere Menschen näher an einer Kirche begraben wurden. Der Fundort sei allerdings kein Indiz dafür, dass die beiden Personen keinen hohen gesellschaftlichen Rang inne hatten. Denn obwohl die heutige Geltinger Kirche entfernt steht, ist es trotzdem möglich, dass im Hochmittelalter in der näheren Umgebung des Fundorts eine Kirche gestanden hat. Bislang wurde dahingehend noch nichts gefunden.

In Gelting und Umgebung ist die Entdeckung des Baggerfahrers außergewöhnlich. "Meines Wissens ist der Fund der ersten dieser Art seit etlichen Jahren", sagt der Archäologe. Das letzte Mal seien in der Region vor vielen Jahren, beim Bau des Autobahnzubringers, Gräber gefunden worden. Dort, wo heute der Geltinger Wertstoffhof ist, habe man vor etlichen Jahren Gräber - vermutlich aus dem 6. oder 7. Jahrhundert - gefunden. Fagner will sich da nicht genau festlegen.

Inzwischen wurden das weibliche und das männliche Skelett geborgen und abtransportiert. Die archäologischen Untersuchungen auf der Baustelle sind abgeschlossen, die Kanalarbeiten können nun weitergehen. Fagner und sein Team, die alles digital und analog ausführlich dokumentiert haben, kümmern sich jetzt um die Auswertung der erhobenen Daten.

© SZ vom 27.03.2020

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