Nach Unwetter "Volker":"Es es tut schon in der Seele weh"

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Nach Unwetter "Volker": Gefährliche Scherben: Die Pflanzen der von einem Hagelsturm zerstörten Gärtnerei von Josef Holzer (im Bild, unten) sind weiterhin von Splittern übersäht.

Gefährliche Scherben: Die Pflanzen der von einem Hagelsturm zerstörten Gärtnerei von Josef Holzer (im Bild, unten) sind weiterhin von Splittern übersäht.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die vom Hagel zerstörten Gewächshäuser der Geltinger Gärtnerei Holzer sind noch immer nicht betretbar. Die Aufräumarbeiten dauern wohl bis Herbst

Von Benjamin Engel, Geretsried

Die von Splittern übersäten Pflanzen der Geltinger Gärtnerei von Josef Holzer stehen noch mehr als eine Woche nach dem schweren Hagelunwetter unberührt in den Gewächshäusern. Die golfballgroßen Körner haben die Glasdächer zerschlagen. Die Scheiben hängen teils schief am Konstruktionsgerüst und könnten jederzeit hinabfallen. Zur Sicherheit haben Holzer und seine Familie Helme auf. Manche Bereiche können sie nicht betreten, weil es zu gefährlich ist. "So eine Scheibe kann Dir den Arm abtrennen", sagt Holzer.

Der Inhaber der familiengeführten Gärtnerei am linken Ufer des Loisach-Isar-Kanals muss geduldig sein. Weil am Dienstag ein neues Unwetter wütete, hat er selbst den provisorischen Verkauf im Freien gestoppt. Erst zum 1. September rechnet er damit, wieder öffnen zu können. Mit den Glaserarbeiten hat er ein Unternehmen aus dem niederbayerischen Freyung beauftragt. Deren Mitarbeiter seien auch am Dienstagvormittag gekommen, sagt Holzer. Doch es habe geregnet. Bei Nässe habe niemand am Glasdach arbeiten wollen. So ist das Unterfangen, wieder zur Normalität zurückzufinden, auch ein Spiel mit dem Wetter. Möglichst Trocken sollte es sein, damit die Firma vorankommen kann.

Die seit 1936 von der Familie Holzer betriebene Geltinger Gärtnerei ist nur eines von vielen Beispielen, wie Unternehmen, aber auch Privatleute die teils schweren Schäden des Hagelunwetters rund um Wolfratshausen zu bewältigen versuchen. Dass er buchstäblich vor den Scherben seiner Existenz stehe, hat Josef Holzer schon vergangene Woche konstatiert. Trotzdem versucht er, gelassen zu bleiben. "Das ist Natur", sagt er. "Man kann es nicht ändern. Aber es tut schon in der Seele weh." Momentan wäre er schon zufrieden, wenn wenigstens die noch verbliebenen kaputten und daher gefährlichen Glaselemente aus den Gewächshäusern entfernt wären. Dann könnte er endlich hinein, um weiter aufzuräumen. Die von Glassplittern übersäten Pflanzen kann der Gärtnerei-Inhaber aber nur noch wegschmeißen. Die Haftung für einen Kunden, der sich an einem übersehenen Glasstück verletzte, könne er nicht tragen, sagt Holzer - und das, wo er gerade schon das Sortiment für den Herbst eingekauft habe.

Wie groß das Risiko ist, hat er selbst körperlich erfahren müssen. Als er ganz vorsichtig einen äußerlich intakten Gartenschlauch habe bergen wollen, habe er danach blutige Hände gehabt, schildert er. So fein waren die im Schlauch steckenden Glasscherben.

Nach Unwetter "Volker": Das Glasdach der Gewächshäuser muss nahezu komplett ausgetauscht werden.

Das Glasdach der Gewächshäuser muss nahezu komplett ausgetauscht werden.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Deshalb geht derzeit alles nur Schritt für Schritt. Bis zu Winterbeginn müssen die Gewächshäuser wieder dicht sein. Etwas weniger als die Hälfte der gesamten Glashaus-Dachflächen - 2000 Quadratmeter - sind zwar mit Folien abgedeckt. Aber auch die hätten die Hagelkörner vollkommen zerschossen, sagt Holzer.

Wie hoch sein Schaden ist, kann er bis dato noch gar nicht beziffern. Aber die für ihn zuständige berufsständisch organisierte Gartenbau-Versicherung VVaG sei seiner Erfahrung nach sehr kulant. Daher rechne er schon bald mit den ersten Auszahlungen. Die kann die Familie Holzer gut gebrauchen. So mussten etwa Schaufeln angeschafft werden und neue Schubkarren mit Schaumstoffreifen, die von den Glassplittern nicht so leicht kaputtgehen.

Am meisten gefreut hat Holzer, wie solidarisch manche Gärtnereien reagiert hätten. Für den jetzt gestoppten provisorischen Verkauf im Freien hatten ihm einige Konkurrenten Pflanzen aus ihrem Sortiment überlassen. "Einer hat mir sogar ein Zelt gebracht." Das aber habe den neuerlichen Sturm am Dienstag nicht ausgehalten. An einen Unwetterschaden wie den von vergangener Woche kann sich keiner aus der Familie Holzer erinnern. Nur sein Großvater habe immer vom Hagelschaden aus den 1950er-Jahren erzählt, sagt der Gärtner. Dazwischen lägen viele Jahrzehnte. Trotzdem will sich Holzer besser gegen solche Unwetterereignisse wappnen, etwa mit bruchbeständigerem Sicherheitsglas für die Gewächshäuser. Eine andere Firma muss die folienbedeckten Gewächshäuser reparieren. Teile des nass gewordenen Mobiliars muss Holzer auch ersetzen. "Ich bin froh, wenn vor dem Winter alles dicht ist", sagt er.

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