Süddeutsche Zeitung

Gelting:Enex baut Bohrturm ab

Die Firma sieht das Geothermie-Projekt nicht als gescheitert an. 2014 soll erneut nach heißem Wasser gesucht werden.

Die Meldung klingt wie ein Abgesang auf das Geothermie-Projekt: Die Enex Power Germany GmbH lässt die Bohranlage am Gut Breitenbach bei Gelting in den nächsten Wochen abbauen. Die Anlage werde an anderer Stelle gebraucht, teilt Enex-Pressesprecherin Bettina Siebenlist mit. Damit scheinen die Hoffnungen, das Projekt zu retten, zumindest vorerst fehlgeschlagen. Das Aus für das Geothermie-Projekt bedeutet dies nach Unternehmensangaben aber nicht. Die Bohranlage wird laut Siebenlist in sechs bis neun Monaten wieder zur Verfügung stehen. In dieser Zeit wolle man alle Möglichkeiten prüfen, ob und wie man das Projekt doch noch erfolgreich abschließen könne.

Ein erster Versuch, auf genügend heißes Wasser im Untergrund zu stoßen, war im Juli fehlgeschlagen. Um doch noch fündig zu werden, hatte das Unternehmen Enex eine Ablenkbohrung erwogen. Diese Option möchte man laut Siebenlist weiterhin verfolgen und am Projekt weiterarbeiten. Dafür müsste das Unternehmen aber einen hohen einstelligen Millionenbetrag aufbringen und eine Fündigkeitsversicherung abschließen. Diese Fragen seien noch offen und könnten nicht innerhalb weniger Wochen gelöst werden, heißt es in der Pressemitteilung.

Auswirkungen auf die Pläne, in Geretsried ein Geothermie-Fernwärmenetz aufzubauen, hat die jetzige Situation vorerst nicht. Daran werde die Energie Geretsried GmbH auch weiterhin festhalten, sagt deren Geschäftsführer Jan Dühring. "Wir werden Enex unterstützen und glauben, dass die zweite Chance den gewünschten Bohrerfolg hat." Die Begründung des Unternehmens, die Bohranlage erst einmal abzubauen, sei "klar und plausibel". Der Bohrturm könne nicht ewig ungenutzt auf Gut Breitenbach stehen. Die Ablenkbohrung zu finanzieren und die nötige Versicherung abzuschließen, dauere eben nicht nur ein paar Wochen. Man brauche einfach Zeit. Die Chancen mittels einer Ablenkbohrung doch noch fündig zu werden, seien aus geologischer Sicht gut, sagt Dühring.

Davon geht auch die Enex Power Germany GmbH aus. Mit der Ablenkbohrung, bezeichnet als "Side Track", will man eine andere geologische Formation erreichen. Dafür habe man bereits einen Bohrpfad geplant, teilt Siebenlist mit. Dieser solle in etwa 3000 Meter Tiefe von dem bereits existierenden Bohrloch abzweigen. Damit möchte das Unternehmen laut Pressemitteilung ein Grabensystem erreichen, das in Ost-West-Richtung unter dem Bohrplatz verläuft. Dazu hatte das Unternehmen auch Geologen konsultiert. Die Mehrzahl der Experten sei der Ansicht, in dieser Struktur auf genügend Wasser zu stoßen, teilt Siebenlist mit.

Vier Jahre lang hatte die Enex Power Germany GmbH die Geothermie-Bohrung am Gut Breitenbach bei Gelting vorbereitet. Das Vorhaben hatte 35 Millionen Euro verschlungen. Mit 6036 Metern war es die tiefste Geothermie-Bohrung Europas. Mitte Juli war diese maximale Tiefe endgültig erreicht. Bald darauf folgte jedoch die große Ernüchterung. Aus dem Bohrloch am Breitenbach bei Gelting sprudelte kaum heißes Wasser an die Erdoberfläche. Das Projekt war vorerst gescheitert.

Bei den ersten Pumpversuchen Ende Juli hatte sich herausgestellt, dass die Temperatur des Wassers mit 165 Grad zwar sehr hoch war. Doch auf das an sich positive Ergebnis, folgte ein schlechtes: Die Enex Power Germany GmbH hatte erwartet, dass 100 bis 120 Liter heißes Wasser pro Sekunde an die Oberfläche kommen. Dies wäre für eine ökonomisch vertretbare Nutzung notwendig gewesen. Anfang August waren allerdings weniger als zehn Liter an die Oberfläche gelangt.

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Quelle:
SZ vom 23.10.2013
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