Geldgeschäfte:Kritik an Sparkassen-Plan

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VdK-Ortsvorsitzender lehnt Schließung der Gaißacher Filiale ab

Von Klaus Schieder, Gaißach

Das Vorhaben der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, zehn Filialen im Landkreis zu schließen und die Hälfte davon durch sogenannte SB-Geschäftsstellen mit Geldautomat und Kontoauszugdrucker zu ersetzen, stößt in Gaißach auf deutliche Kritik. Dort soll es künftig gar nichts mehr geben, das Kreditinstitut verweist seine Gaißacher Kunden auf das Beratungscenter und die Zweigstellen im benachbarten Bad Tölz. "Einige Mitglieder haben mich angesprochen und gefragt, was das denn soll", berichtet Vorsitzender Thomas Leib von der jüngsten Ortsversammlung des Sozialverbands VdK. Vor allem für ältere Menschen sei es nicht so einfach, nach Tölz zu kommen. "Wir bestehen darauf, dass ein Geldautomat da bleibt." Auch der Gemeinderat in Gaißach will um den Erhalt der Filiale kämpfen. In der Sitzung am Dienstag, 10. August, 19 Uhr, in der Aula der Grund- und Mittelschule soll eine entsprechende Resolution verabschiedet werden.

Die Vorstandsmitglieder der Sparkasse verkündeten in ihrem Jahresbilanzgespräch vor Kurzem eine "Anpassung der Standortstruktur". Dies bedeutet, dass die Filialen in Icking, Bad Heilbrunn, Jachenau, Walchensee und eben Gaißach zum 1. Januar 2022 komplett geschlossen werden. In Dietramszell, Reichersbeuern, Egling, Königsdorf und Waldram gibt es statt einer Zweigstelle dann nur noch eine SB-Stelle mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker. Die Sparkasse setzt künftig auf sechs große Beratungscenter im Landkreis, auf ein Kunden-Servicecenter mit telefonischer Beratung und ein Digitales Beratungs-Center. Begründet wird dies mit dem veränderten Verhalten der Kunden. Immer mehr nutzten Online-Banking und Telefon, was in der Corona-Krise zugenommen habe. Und wer persönlich einen Ansprechpartner brauche, gehe vor allem in eines der sechs Beratungscenter. Dort fänden mittlerweile 83 Prozent aller "stationären Vorgänge" statt, erklärte Vorstandsmitglied Thorsten Straubinger.

Dem hält VdK-Ortsvorsitzender Leibl entgegen, dass der "Trend zum Digitalen" vor allem für Senioren Konsequenzen habe. Nicht alle von ihnen hätten ein Auto, um nach Tölz zu fahren, und wer zum Telefon greife und die Sparkasse anrufe, hänge oft in der Warteschleife, sagt er. Außerdem wollten die älteren Menschen häufig nicht vom guten Willen ihrer Angehörigen abhängig sein und sie fragen, ob die für eine Fahrt zur Bank denn Zeit hätten. "Sie wollen noch selbständig sein", sagt der VdK-Ortsvorsitzende. Außerdem fänden es viele von ihnen besser, noch persönlichen Kontakt zu einem Mitarbeiter am Ort zu haben. Den Verweis auf die nächsten Filialen in drei oder vier Kilometern Luftlinie in der Kurstadt hält er für verfehlt. "Das sagt man so leicht", meint Leibl.

Im rund 3000 Einwohner großen Gaißach hat der VdK immerhin 295 Mitglieder. Der Ortsvorsitzende vermag nicht ganz zu verstehen, warum die Sparkasse nicht noch ein paar Jahre warten könne, bis jene Generation nicht mehr da sei, die eben nicht Online-banking-affin sei. Die Sparkasse sollte sich gut überlegen, ob sie die Filiale in Gaißach jetzt aufgibt, findet Leibl.

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