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Geldgeschäfte im Oberland:Kreditgeber für den Mittelstand

Stabilität bei Geldgeschäften: Das Netz an Zweigstellen der Raiffeisenbanken im Landkreis wurde im vergangenen Jahr nicht ausgedünnt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Raiffeisenbanken im Landkreis ziehen positive Bilanz für 2019

Die drei Raiffeisenbanken im Landkreis stehen solide da. Das zeigen die Zahlen für 2019 recht deutlich: Die Bilanzsumme stieg von 2,08 auf 2,15 Milliarden Euro, was einem Plus von 3,12 Prozent entspricht. Am signifikantesten ist die Zunahme der Kundengelder: Die Einlagen wuchsen um 6,2 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro. Und die Ausleihungen, sprich: Darlehen, nahmen um 3,8 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro zu. Die drei im Kreisverband zusammengeschlossenen, für sich aber eigenständigen Raiffeisenbanken Isar-Loisachtal, Beuerberg-Eurasburg sowie die Raiba im Oberland betreuen insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro an Kundenkrediten. Damit seien sie nach wie vor "einer der wichtigsten Kreditgeber in der Region", sagte Manfred Gasteiger, Vorsitzender des Kreisverbands, im Jahrespressegespräch in Bad Tölz. Dies gelte vor allem für den Mittelstand.

Das Netz an Zweigstellen wurde gegenüber 2018 nicht ausgedünnt. Die Raiffeisenbanken haben weiterhin 25 Geschäftsstellen und 17 Selbstbedienungsstellen im Landkreis. "In nächster Zeit gibt es keine Änderung", sagte Gasteiger. Je komplexer die Welt sei, desto wichtiger werde es schließlich, dass die Banken ihren Fokus auf Beratungsprofis legten. In Straßlach wird eine neue Filiale eröffnet, "die alte zieht dorthin um", berichtete Uwe Massong, Vorstand der Raiffeisenbank Isar-Loisachtal. Und auch die Raiba Beuerberg-Eurasburg hält an ihren zwei Standorten fest, wie Vorstand Mario Bäsler versicherte. "Da wird sich nichts verändern, eher gibt es eine Veränderung in die andere Richtung." Die drei Genossenschaftsbanken im Landkreis betreuen 76 000 Kunden. Sie werden von mehr als 28 650 Mitgliedern getragen, an die voriges Jahr eine Dividende von 690 000 Euro ausgeschüttet wurde.

Außerdem beschäftigen sie zusammen 525 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 182 Teilzeitkräfte; hinzu kommen 26 Auszubildende. Überdies sind etwa 60 Angestellte in den drei Raiffeisen-Märkten in Thanning, Warngau und Lenggries tätig, wo im Vorjahr ein Gesamtumsatz von rund 30 Millionen Euro erzielt wurde. Die Suche nach Nachwuchs liegt dem Kreisverband am Herzen. "Im Moment haben wir keine Sorgen, aber wir müssen die jungen Leute, die heutzutage kritischer sind als früher, pflegen", sagte Gasteiger. In die Azubis werde viel investiert, das Angebot reiche von einer Schnupperlehre bis zum Praktikum für Fachoberschüler. Das kommt Gasteiger zufolge auch an: "Die Jugendlichen, die bei uns im Haus sind, gehen mit großer Begeisterung wieder raus."

An den Rahmenbedingungen hat sich auch für die Genossenschaftsbanken so gut wie nichts geändert. Durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank hätten die deutschen Sparer seit 2010 einen Netto-Zinsverlust von etwa 358 Milliarden Euro erlitten - "das ist das 48-fache Konzernergebnis von Daimler", so Gasteiger. Der Staat spare sich diese Zinsen, "das ist eine große Umverteilung". Als Gründe nannte er auch den Rückgang der Inflation, der sinkende Zinsen begünstige, und das Sparverhalten vieler Deutscher. Massong warb nachdrücklich dafür, dass Kunden ihr Geld mehr in Aktien anlegen sollten, denn über einen Zeitraum von 15 Jahren hätten sie damit Gewinne und so gut wie nie ein Minus. Eher trübe sieht für Gasteiger die Entwicklung der Konjunktur in diesem Jahr aus, als Stichworte nannte er unter anderem den Brexit, Donald Trump und die Furcht vor einer Rezession. In der EWU sei "die deutsche Flagge nicht mehr vorne, sondern eher im Mittelfeld" zu finden, sagte er.

An anderer Stelle werden die Bankkunden moderner: "Die Deutschen bezahlen erstmals mehr mit der EC-Karte als mit Bargeld", sagte Gasteiger. Diese Bezahlvorgänge seien 2019 Jahr bundesweit um 22 Prozent gestiegen - nicht zuletzt deshalb, weil die Eingabe der PIN-Nummer an der Kasse im Geschäft nicht mehr nötig ist. Was das Online-Banking angeht, zählten die Raiffeisenbanken im Kreis zu etwa 60 Prozent "Hybridkunden", so Massong - also Leute, die ihre Bankgeschäfte am Computer abwickeln, aber auch persönlich in die Zweigstelle kommen. Das restliche Drittel teile sich in 20 Prozent Filialkunden und zehn Prozent Online-Kunden auf. "Für uns als Raiffeisenbank ist ganz klar: Das Persönliche steht an erster Stelle", so Gasteiger.

© SZ vom 21.02.2020
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