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Gegen das Wegschmeißen:Rettet die Lebensmittel!

Romina Knoll (links) und Natalie Weidemüller wollen etwas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln unternehmen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Romina Knoll und Natalie Weidemüller haben in Wolfratshausen eine Foodsharing-Gruppe gegründet

Von Elisa Henning

Da ist diese Sache mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum. "Vielen ist nicht klar, dass die Lebensmittel auch danach meistens noch gut sind", sagt Romina Knoll. Und damit nicht mehr so viel weggeschmissen wird, hat sie gemeinsam mit Natalie Weidemüller vor wenigen Monaten für Wolfratshausen und Umgebung eine Whatsapp-Gruppe gegründet, in der man überschüssige Lebensmittel zum Abholen anbieten kann.

In die Gruppe "Foodsharing WOR" können die Teilnehmer ein Foto ihrer zu vergebenen Lebensmittel schicken, immer mit sichtbarem Mindesthaltbarkeitsdatum und einer kurzen Beschreibung. Wenn jemand Interesse hat, kann er mit dem Anbieter direkt in Kontakt treten. Die Überlegung dabei sei gewesen, erklären die beiden Gruppengründerinnen, dass man oft zu viel einkaufe oder auch mal falsche Produkte, die man letztlich gar nicht brauche. Um den Lebensmitteln den Weg in die Tonne zu ersparen, erschufen Knoll und Weidemüller den Chat.

Die beiden haben einen Job, der am Rande auch mit der Lebensmittelbranche zu tun hat. Knoll ist selbständige Reinigungskraft, ist aber auch als Tupperberaterin tätig, Weidemüller arbeitet im Dorfladen Gelting. Vor allem sind die beiden aber auch Mütter. Knoll hat drei Kinder, Weidemüller zwei. Da passiert es bei der Vorratsbeschaffung schnell einmal, dass Lebensmittel auch übrig bleiben.

Knoll selbst lebt mit ihrer Familie schon immer nach dem Leitbild, dass das Datum auf der Packung nicht existiere. Besser sei es, auf seinen Geschmacks- und Geruchssinn zu vertrauen, erklärt sie. Viele Lebensmittel seien auch dann noch genießbar, wenn sie eigentlich schon abgelaufen sind. Es gibt aber auch noch andere Fälle: Drei Packungen Schokokekse - und nach der ersten Packung schmecken sie einem nicht mehr. Auch dann müsse verhindert werden, dass gute Lebensmittel weggeschmissen werden, "vielleicht möchte sie ja jemand anders haben", erklärt Knoll.

Im Frühjahr vergangenes Jahres beobachteten die beiden dann ihre Kinder dabei, wie diese bei einem Ausflug in den Tierpark mit anderen Kindern Essen tauschten. Irgendwann seien sie dann auf die Idee gekommen, eine Whatsapp-Gruppe zu gründen, über die man nicht gebrauchtes Essen verteilen kann. "Es gibt so viele Whatsapp-Gruppen - für Klamotten, für Kleinanzeigen, rund ums Kind, rund um die Mutter, aber für Essen gibt es da nichts", sagt Knoll. Dabei sei das im Kern nichts anderes. "Und Whatsapp nutzen halt echt sehr, sehr viele", fügt Weidemüller hinzu.

An der Foodsharing-Gruppe beteiligen sich mittlerweile 91 Leute, zufrieden sind die beiden Lebensmittelretterinnen jedoch noch nicht. Es habe lange gebraucht, bis da mal was gekommen sei, erzählt Knoll, "Es ist noch nicht so gut angenommen worden", fügt Weidemüller hinzu.

Am häufigsten angeboten werden Trockenprodukte wie beispielsweise Reis, Babynahrung, Tee oder Kaffee. Es käme aber auch vor, dass die zu viel gemachte Tortencreme vom Wochenende oder das übrig gebliebene Chili von einer Feier den Besitzer wechselten. Manchmal bleibe einfach zu viel Essen übrig, sagt Knoll, "dann hab' ich auch schon gesagt, komm', es gibt eine Familie, die hat's einfach nicht dicke, die können sich das jetzt nicht regelmäßig kochen, denen bringen wir das jetzt einfach."

In der Gruppe werden ab und an auch preislich hochwertigere Sachen angeboten, das könne sich nicht jeder leisten. Genau deswegen werde in der Gruppe nur verschenkt, nicht weiter verkauft. Vielleicht lohne es sich gerade jetzt in der Corona-Zeit und der anfänglichen Phase des Hortens, mal in den Keller zu schauen und dort die Lebensmittel auszusortieren, die nicht mehr gebraucht werden. "Denn immer dieses Aufheben bis man's dann doch wegschmeißt", so Knoll, "das macht ja auch keinen Sinn". Für die Zukunft wünschen sich beide Food-Retterinnen, dass die Gruppe ein bisschen größer wird und mehr Interaktion zwischen den Teilnehmern. "Es darf gerne viel mehr reingestellt werden, damit tatsächlich das Wegschmeißen an sich weniger wird", so Knoll.

Interessenten können sich direkt unter der 0151 / 40 700 386 bei Romina Knoll melden

© SZ vom 15.10.2020

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