Königsteiner Schlüssel ist übererfülltKein Platz für Geflüchtete in Gelting

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Die 2017 geschaffene Unterkunft an der Jahnstraße für Geflüchtete beherbergt seit eineinhalb Jahren afghanische Ortskräfte. Zuständig ist dort die Regierung von Oberbayern.
Die 2017 geschaffene Unterkunft an der Jahnstraße für Geflüchtete beherbergt seit eineinhalb Jahren afghanische Ortskräfte. Zuständig ist dort die Regierung von Oberbayern. Hartmut Pöstges

Der Geretsrieder Stadtrat lehnt ein Containerdorf im Gewerbegebiet ab. Bürgermeister Michael Müller erklärt, die Stadt leiste bereits für 695 aufgenommenen Menschen Integrationsarbeit.

Von Felicitas Amler, Geretsried

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Geretsried beherbergt derzeit 695 Geflüchtete und liegt damit um 107 Personen über der offiziellen Quote ("Königsteiner Schlüssel"). Die Stadt will nicht noch mehr Menschen aufnehmen, während "andere Gemeinden sich wegducken", wie Bürgermeister Michael Müller (CSU) am Dienstag im Stadtrat sagte. Das Gremium lehnte einstimmig die Errichtung eines kleinen Containerdorfs an der Neutraublinger Straße im Gewerbegebiet Gelting-Ost ab. Dort könnten laut Landratsamt etwa 160 Menschen untergebracht werden.

Müller betonte, die Stadt leiste bisher viel zur Integration Geflüchteter, sei aber damit an der Grenze. CSU-Sprecher Gerhard Meinl wies allerdings darauf hin, dass die Stadt zwar das sogenannte gemeindliche Einvernehmen ablehnen könne, dieses aber vom Landratsamt "ersetzt" werden könne. "Machen wir uns nichts vor", sagte Meinl, "das ist der nächste Schritt."

Fast ein Fünftel aller Flüchtlinge im Landkreis leben in Geretsried

Der Bürgermeister hatte vor der Behandlung des konkreten Bauantrags eine detaillierte Darstellung der Situation in Wort und Bild gegeben. Geretsried hat demnach 19,5 Prozent der insgesamt 2987 Asylsuchenden, Ukraine-Flüchtlinge, afghanischen Ortskräfte und anerkannten Flüchtlinge im Landkreis aufgenommen. Zusammen mit den anderen beiden Städten Bad Tölz und Wolfratshausen habe Geretsried den überwiegenden Teil der Flüchtlingsunterbringung gestemmt. Mit Blick auf die Tabelle, welche die Quoten und tatsächlichen Belegungszahlen auflistet, sagte er: "Fast alle anderen Gemeinden haben rote Zahlen." Diese liegen zwischen minus acht und minus 96.

Die Organisation der Asyl- und Flüchtlingsfrage sei für die Stadt eine große Herausforderung, so Müller. Deshalb habe Geretsried professionelle Strukturen geschaffen und feste Abläufe festgelegt. Integration sei eine ressortübergreifende Aufgabe der Verwaltung. Dazu komme bürgerschaftliches Engagement, das von der Stadt koordiniert werde. Ausdrücklich dankte Müller dem Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit, der mit seiner Koordinationsstelle "Integration aktiv" wertvolle Arbeit leiste. Geretsried sei vorbildlich in der Integrationsarbeit, aber in noch größerem Stil wäre diese "eine harte Nuss zu knacken".

"Man nimmt jede Fläche."

Landrat Josef Niedermaier habe zwar angekündigt, die Geflüchteten auf die Kommunen zu verteilen, "aber die Verteilung findet weiterhin auf die Städte statt". Detlev Ringer (Grüne) stimmte zu: "Man nimmt anscheinend jede Fläche, die man kriegen kann." Dies könnte aber, so Ringer, gerade beim Gewerbegebiet Gelting-Ost "zu großen sozialen Problemen führen", da dort keinerlei Infrastruktur für die Versorgung der Geflüchteten gegeben sei.

Volker Reeh (Geretsrieder Liste) warnte zudem vor einer Verfestigung: Aus Containern könne irgendwann ein Boarding-House werden und am Ende eine dauerhafte Wohnadresse. Um dies zu verhindern, hatte der Stadtrat zuvor einstimmig eine Veränderungssperre für das Gewerbegebiet beschlossen. Der nächste Schritt soll eine Änderung des Bebauungsplans sein, die Anlagen für soziale Zwecke sowie Beherbergungsbetriebe ausschließt.

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