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Gastro in Wolfratshausen:Neustart mit Handbremse

Angela Buchberger hat lange im Ausland gelebt und schon Safari-Camps in Tansania und Mosambik geleitet. Jetzt hat sie in Wolfratshausen ein neues Lokal eröffnet und hofft, dass bald wieder eine normale Gastronomie mit Gästen möglich wird.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Im einstigen "Kaffee Ratscherl" hat Angela Buchberger ihr neues Lokal "mahl zeit" eröffnet. Gäste konnte sie dort allerdings nur kurz bewirten. Seit dem Lockdown setzt sie auf Mittagessen zum Mitnehmen.

Von Konstantin Kaip

Es sind wahrlich keine leichten Zeiten für die Gastronomie, schon gar nicht für einen Neubeginn. Angela Buchberger hat ihn dennoch gewagt. Die 53-Jährige, die im Frühjahr ihre "Tagesbar" im Wirth-Haus am Wolfratshauser Obermarkt aufgegeben hat, ist nun Wirtin in den Räumen des ehemaligen "Kaffee Ratscherl" an der Königsdorfer Straße in Wolfratshausen. "mahl zeit" hat sie ihren Laden genannt, in dem sie wechselnde Tagesgerichte, frisch zubereitete Toasts und mehr anbietet - wegen der Corona-Beschränkungen derzeit nur zum Mitnehmen. Am 10. Oktober hat sie eröffnet. "10.10. 2020 - ich dachte mir: Das ist ein cooles Datum", sagt die Wolfratshauserin. Ihre Gäste konnte sie allerdings nicht lange an Tischen im Café und davor bedienen. Hinter ihrer türkis gestrichenen Theke nimmt Buchberger den für November verordneten "Lockdown light" gelassen. "Ich hatte mich schon mental drauf eingestellt", sagt sie unter ihrem durchsichtigen Mund-Nasen-Schutz aus Plexiglas. "Es war ja zu erwarten."

Solange sie ihre Speisen und Getränke nur zum Abholen verkaufen darf, macht sie auch später auf - erst um 11 statt schon um 8 Uhr. Um 14.30 Uhr ist Feierabend, normalerweise hat Buchberger bis 16 Uhr auf. Geöffnet ist das "mahl zeit" von Montag bis Freitag. Der Name ihres Lokals weist trotz des angelsächsisch anmutenden Leerzeichens in der Mitte auf ihr anvisiertes Hauptgeschäft: die Mittagspause derer, die in der Nähe arbeiten. Drüben, auf der anderen Straßenseite, gebe es bis zur Bahnlinie nur zehn Hausnummern, aber circa 25 kleine Betriebe, sagt Buchberger. "Ich konnte mir schon einige erarbeiten." Aber natürlich, fügt sie hinzu, sei da noch "viel Luft nach oben".

In ihrem Sortiment ist sie sich weitgehend treu geblieben: Fünf verschiedene selbst kreierte Toasts, darunter die Variante Apfel-Brie-Preiselbeere, werden im Sandwichgrill frisch zubereitet. Wer davon keinen will und auch nicht das Tagesgericht, der kann nun auch einen Hotdog und Pommes bekommen. Der Kaffee kommt aus ihrer großen italienischen Siebträgermaschine, die sie aus der "Tagesbar" mitgenommen hat, genau wie den Tresen und die Vitrine, in der appetitlich anmutende Kuchenstücke ausgestellt sind. Anders als im Kaffee-Ratscherl liege das Hauptaugenmerk allerdings nicht bei dem süßen Backwerk. "Ich habe ein paar Kuchen, die funktionieren immer", sagt sie. "Aber ich koche halt lieber."

Eigentlich wollte sie schon im August eröffnen, sagt Buchberger. Der Mietvertrag sei schon unterzeichnet gewesen. Doch als der Plan der einstigen Ratscherl-Wirtin Rita Schmid, das Rathauscafé am Loisachufer zu übernehmen, sich erst verzögerte und dann wegen eines Stadtratsbeschlusses platzte, sei sie ihr entgegengekommen. "Ich hab' ihr zwei Monate geschenkt", erklärt sie. Ihr selbst habe das auch gut getan - sie habe sich nämlich im Sommer am Knie operieren lassen. "Der Meniskus - eine typische Gastro-Sache", sagt Buchberger mit einem Lächeln. Wieder fit, habe sie für den Umbau samt Durchbruch zur Küche nur eine Woche gebraucht. "Ich hab' ordentlich Gas gegeben."

Ihrem Betrieb wurde dann schon nach drei Wochen mit den bundesweiten Corona-Einschränkungen die Handbremse gezogen. Seit dem neuerlichen Lockdown, der keine Bewirtung mehr erlaubt, sind die wenigen kleinen Tische im Gastraum leer. Der Bereich hinter der Theke wirkt kahler, weil Buchberger die Tafeln, die normalerweise dort an der Wand hängen, in die Schaufenster gestellt hat. Wer etwas zum Mitnehmen für die Mittagspause suche, wolle schließlich schon von außen sehen, was es gibt. Von ihrem neuen Standort ist Buchberger begeistert. "Ich hab' noch nie so einen schönen Arbeitsplatz gehabt", sagt die gebürtige Tölzerin, die lange im Ausland gelebt und schon Safari-Camps in Tansania und Mosambik geleitet hat. Durch das Fenster hinter ihrer Theke kann man direkt auf die Loisach blicken. Dort setze sie sich nach dem Putzen auf einen Barhocker und schaue den Enten auf dem Fluss zu. Und die Räume seien deutlich heller als an ihrem vorigen Standort in der Altstadt. Auch der große Parkplatz direkt vor der Tür sei ein großer Gewinn. "Ich bin sehr glücklich hier", sagt die 53-Jährige.

Allerdings stelle sie sich darauf ein, dass sie noch länger keine Gäste bewirten darf. "Ich rechne erst mal nicht damit, dass sich groß was ändert", sagt sie zu den Corona-Regeln. "Aber ich kann mich durchbeißen." Ihr Steuerberater beantrage für sie als Solo-Selbständige staatliche Hilfen. Wie viel sie tatsächlich erhalte, wisse sie aber nicht. Noch bereite ihr das kein Kopfzerbrechen. "Ich bin auf jeden Fall bis Ende des Jahres auf der sicheren Seite", sagt Buchberger. Und danach? Natürlich hoffe sie, dass bald bessere Zeiten kommen und auch im "mahl zeit" wieder eine ganz normale Gastronomie mit Gästen möglich wird - wie vergangenes Jahr, als sie noch die "Tagesbar" im Obermarkt hatte. "Drüben hatte ich so schöne Veranstaltungen: Sonntagsfrühstück mit Motto, Fine-Dining- und Cocktailabende", sagt Buchberger und klingt dann doch ein wenig wehmütig. "Vielleicht kann ich das ja hier bald wieder machen."

© SZ vom 14.11.2020/aip

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