Für Burnout-Patienten Luxushotel soll Privatklinik werden

Der Gemeinderat in Seeshaupt ist nicht abgeneigt. Er will aber zuvor noch Fragen zum neuen Nutzungskonzept des "The Starnbergsee Hideaway" klären

Von Kia Ahrndsen, Seeshaupt

Anfang 2018 hatte der Kölner Investor Lars Kaiser mit großen Ambitionen sein Luxushotel "The Starnbergsee Hideaway" eröffnet. Nun will er es offenbar loswerden. Einen Interessenten dafür gibt es bereits: die "P3 Klinik GmbH", die dort nun eine exklusive Privatklinik für Patienten in seelischen Krisensituationen einrichten will. Schon einmal hatte der Gemeinderat einen entsprechenden Antrag des jetzigen Eigners, Lars Kaiser, zu einer Umnutzung der beiden noch geplanten Anbauten abgelehnt. Damals sollte aber der Hotelbetrieb in dem bestehenden Haus noch aufrechterhalten werden. Der Gemeinderat hatte das Ansinnen damals abgelehnt - und dem nun erneut nicht zugestimmt.

Das 2018 eröffnete "The Starnbergsee Hideaway" hat zu wenig Gäste angelockt - nun will es der Eigentümer an einen Klinikbetreiber abgeben. Dann sollen Privatpatienten wegen einer psychotherapeutischen oder psychosomatischen Erkrankung behandelt werden.

(Foto: Nila Thiel)

Über 30 Zimmer verfügt das im englisch-französischen Landhaus-Stil erbaute Gebäude derzeit. Eigner Lars Kaiser ließ sich aber noch zwei weitere Gebäude genehmigen. In den sogenannten Kavalierhäusern wäre noch einmal Platz für jeweils 30 Zimmer. Doch bislang sind sie nicht realisiert worden. Anfang dieses Jahres hatte Kaiser bereits eingeräumt, dass sein Hotel zu schlecht angenommen werde. Statt der anfangs angekündigten 350 Euro teuren Zimmer wurden die Preise auf durchschnittlich 130 Euro nach unten korrigiert. Zudem kündigte er an, in den zwei schon genehmigten Anbauten eine Burnout-Klinik einrichten zu wollen. Beim Seeshaupter Gemeinderat war dies zum damaligen Zeitpunkt auf wenig Gegenliebe gestoßen. Bürgermeister Michael Bernwieser und die Gemeinderäte beharrten darauf, dass das Gelände ausschließlich touristisch genutzt werden solle.

Über 30 Zimmer verfügt das im englisch-französischen Landhaus-Stil erbaute Gebäude derzeit. Eigner Lars Kaiser ließ sich aber noch zwei weitere Gebäude genehmigen.

(Foto: Nila Thiel)

In der jüngsten Sitzung des Gremiums am Dienstag präsentierte nun also die "P3 Klinik GmbH" mit Sitz in einem Wohnhaus an der Kurfürstenstraße in München ein ausführliches Konzept. Wenn die Nutzung als Klinik genehmigt werde, wolle sie das Hotel übernehmen und in den Erbpachtvertrag mit dem Studentenwerk München einsteigen. Der läuft, so teilt das Studentenwerk mit, noch etwa 60 Jahre. Außer den Kavalierhäusern soll auch das Restaurant neu errichtet werden. Dafür liegt ebenfalls bereits eine Genehmigung vor.

In den sogenannten Kavalierhäusern wäre noch einmal Platz für jeweils 30 Zimmer. Doch bislang sind sie nicht realisiert worden.

(Foto: Nila Thiel)

Steg und Toiletten sollen für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Das vertraglich abgesicherte Zugangsrecht zum See hatten im vorigen Sommer Bürger verletzt gesehen und sich bei der Gemeinde beschwert. Das alte Mühlengebäude auf der anderen Straßenseite soll einem Neubau mit Räumen zur Kliniknutzung weichen.

Die Klinik würde, so das Konzept, unter Leitung von Professor Markus Backmund nur Privatpatienten behandeln. Das Angebot richte sich an Führungskräfte, Unternehmer und andere Leistungsträger, die eine psychotherapeutische oder psychosomatische Behandlung suchen. Die Patienten mit durchschnittlich 40 Jahren und hoher Kaufkraft würden etwa sieben Wochen bleiben, Angehörige könnten im Hotel wohnen. Etwa 20 Mitarbeiter sollen eingestellt werden. Die P3 Klinik GmbH geht von einer ganzjährigen Auslastung aus, das Hotel soll ähnliche Zahlen erreichen. Das bedeute für die Gemeinde einen Gewerbesteuerertrag von 350 000 Euro jährlich. Regelmäßige Veranstaltungen, Wellness- und Therapieangebote und das Restaurant stünden allen Seeshauptern offen. Die Räte lehnten das Konzept nicht rundheraus ab, votierten aber dafür, den Antrag auf Bebauungsplanänderung zu verschieben und offene Fragen zur Sicherung des Konzepts, der Hotelnutzung und zum Badeplatz für die Allgemeinheit erst zu klären.