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Klimaziele aus Lenggries:Ein Manifest für die Welt

Schülerinnen des St. Ursula-Gymnasiums Hohenburg haben zusammen mit Lehrerin Tamara Höcherl (r., stehend) ein Umweltmanifest erarbeitet.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Schülerinnen aus dem Gymnasium Hohenburg haben einen Forderungskatalog zum Klimaschutz erarbeitet. Dieses verteilen sie nun an hochrangige Politiker.

Schulen müssen nicht immer der Gegner der "Fridays-for-Future"-Bewegung sein, wenn es um die Frage nach dem richtigen Wirkungsgrad für die Forderungen für den Klimaschutz geht. Das Sankt-Ursula-Gymnasium Hohenburg in Lenggries beispielsweise hat sich kurzerhand mit den engagierten Schülerinnen solidarisiert und sie zusammen mit Lehrerin Tamara Höcherl an einen Tisch geholt. Im Arbeitskreis der Umweltgruppe sind die Umweltsprecher der achten bis elften Schulstufen vertreten, um gemeinsam an praktikablen Lösungen und Forderungen zum Klimaschutz zu arbeiten. Und das sowohl auf persönlicher wie auf schulischer und politischer Ebene. Gesammelt sind diese Forderungen nun in einem "Manifest zum Klimaschutz".

Darin wünschen sich die Lenggrieser Schülerinnen von der Politik mehr Standfestigkeit gegenüber Lobbygruppen und einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Die Schule soll regionale und saisonale Lebensmittel in der Mensa verarbeiten und jeder einzelne Schüler soll nachhaltiger und umweltbewusster konsumieren und reisen.

Für sie war es befriedigend, die Inhalte und Ziele endlich gesammelt zu Papier zu bringen, sagt Sophia Müller aus der 9. Klasse. Es gab natürlich viel zu diskutierten, sich auf wenige wichtige Punkte festzulegen, damit aus dem überschaubaren, einseitigen Manifest kein Wälzer wurde. Schließlich haben die Schülerinnen vor, das Manifest in die Welt hinauszutragen.

Zuallererst haben sie es im vergangenen Mai dem bayerischen Landtagsabgeordneten Florian Streibl (Freie Wählerschaft) im Rahmen einer Podiumsdiskussion übergeben. In vielen Punkten seien sie sich mit Streibl einig gewesen, sagt Agnes Braun aus der 8. Klasse. Von der Diskussionskultur im Anschluss sei sie aber ein bisschen enttäuscht gewesen. "Er hat kritische Fragen von uns sehr schnell beantwortet. Ich hab etwas zu Lobbyismus gefragt und er hat dann gesagt, dass es das in Bayern kaum gibt und hat immer die persönliche Verantwortung und Freiwilligkeit der Einzelnen betont."

An persönlichen Engagement mangelt es den Schülerinnen keineswegs. Paula Eriskat aus der 11. Klasse hat etwa die Jugendklimakonferenz besucht, die gleichaltrige Ariane Lehmann war auf Umweltcamps. Persönlich achten die Jugendlichen auf nachhaltigen Konsum, sparen Müll ein und nutzen den öffentlichen Verkehr. Gleichzeitig sind sie sich ihrer Grenzen bewusst. "Nachhaltigkeit ist dünnes Eis. Jeder gibt sich in anderen Bereichen Mühe und wir wollen die anderen nicht zu viel kritisieren, das demotiviert", sagt Sophia Müller. Und Rebekka Grasmüller fügt hinzu: "Manche müssen ja beruflich fliegen, oder wollen Verwandte im Ausland besuchen." Wichtig ist den Schülerinnen, dass sich die Gesellschaft systematisch ändert und die Verantwortung nicht beim Einzelnen endet. Und dafür brauche es Gesetze.

Deshalb gehen die Schülerinnen auch bei den "Fridays-for-Future"-Demonstrationen mit, in Bad Tölz und in München. Und werden dafür von der Schule fürs Schwänzen abgestraft. Aber nicht alle Demonstranten aus dem Sankt Ursula-Gymnasium, sagt Höcherl, seien in der Umweltgruppe beteiligt und aktiv. Und nicht alle Schülerinnen der Umweltgruppe gingen auf die Demos.

Von der eigenen Schule verlangen die Jugendlichen, dass Klimaschutz in den Lehrplänen verankert wird. "Schule hat einen Erziehungsauftrag. Da sollte Umweltschutz ein wichtiger Teil davon sein", erklärt Paula Eriskat. Vor allem in Wirtschaft und Politik sind die Lehrpläne für viele Schülerinnen überholt: Nicht nur das Prinzip der Gewinnmaximierung solle gelehrt, sondern mehr über grüne Ökonomie gesprochen werden. Klimaschutz sollte, da sind sie sich einig, interdisziplinär in mehreren Fächern behandelt werden. Mit steigendem Bewusstsein ließen sich auch die Elterngeneration und desinteressierte Klassenkameraden für die Anliegen begeistern.

Ihr Manifest wollen die Schülerinnen weiterhin verbreiten. Kürzlich erst haben sie es beim Treffen von "Fridays-for-Future" in Bad Tölz vorgestellt und die Schülerinnen waren zudem im Landtag eingeladen. Klimaschützer haben eben viel zu tun.