Süddeutsche Zeitung

Fremdenverkehrsabgaben zu hoch:Ausverkauf im "Alexandra"

Hotelbetreiberin Monika Olschewski begrüßt zum letzten Mal Gäste, weil sie schließen muss.

Freundlich begrüßt Monika Olscheswky die Gäste, die durch die breite Eingangstür in das Hotel Alexandra an der Tölzer Kyreinstraße eintreten. Sie fragt, ob sie ihnen behilflich sein kann und ob sie etwas Bestimmtes suchen. Auf einer roten Ledercouch hinter ihr stapeln sich Kissen. Teller, Vasen und eine Kaffeeservice stehen auf einem Tisch, der an einer Seite anstelle von Tischbeinen Räder in Wagenoptik hat. "Der Lieblingstisch meines Mannes", sagt Monika Olschewsky lachend. Dabei ist der Anlass eigentlich traurig.

Auf kleinen Kommoden und Nachtschränken stehen Lampen. Bücher stapeln sich in Regalen. An allen Gegenständen sind Preisschilder befestigt - es ist der Räumungsverkauf des Hotels. Zum Januar 2018 hat die Vermieterin dem Ehepaar Olschewsky den Pachtvertrag gekündigt. Zu hoch seien ihr die Fremdenverkehrsabgaben. Fast 22 Jahre lang hat Monika Olschewsky gemeinsam mit ihrem Mann Walter das Hotel mit 22 Zimmer und 35 Betten betrieben. Im ersten Moment sei der Schock wegen der Kündigung groß gewesen. Man habe eine gewisse Lebensplanung, und die werde plötzlich von außen völlig über den Haufen geworfen, sagt die Hotelfrau. Die Pacht müssen sie noch bis zum 31. Januar bezahlen, obwohl keine Vermietung mehr möglich ist.

Nun stehen in den Räumen des Drei-Sterne-Hotels diverse Gegenstände zum Verkauf bereit. Mit der Unterstützung von Mitarbeitern und Freunden haben die Olschewskys innerhalb von zwei Tagen die Zimmer ausgeräumt und die Gegenstände zum Verkauf arrangiert. Sie seien leidenschaftliche Dekorateure, sagt Olschewsky. Über die Jahre habe sich einiges angesammelt, von dem man zum Teil gar nicht mehr gewusst habe. Die Aufschrift eines Schildes lautet "Zum Weihnachtsmarkt".

Dort sind Nussknacker, Engelsfiguren, Kerzen, ein Rentiergespann zu finden - alles Dekostücke, mit denen die Olschewskys zu Weihnachten die Zimmer schmückten. In den Hotelzimmern liegen Wäsche und Bezüge auf den Betten, Matratzen stehen auf den Gängen. Zum Verkauf stehen unter anderem Gardinen, Dekopflanzen, die in bunten Farben strahlen, Gemälde, Tisch- und Stehlampen, Deckenleuchten. Ebenso diverses Geschirr - Gläser, Schüsseln, Teller, Bierkrüge, Zuckerstreuer.

Die feste Einrichtung werde nicht verkauft, die gehöre zum Hotel. Und an ein paar Dingen hänge sie besonders, sagt Olschewsky. Das seien zum Beispiel Geschenke von Gästen, die seit 20 Jahren kommen oder Dinge, die sie schon sehr lange begleiten. Davon könne man sich schwer trennen, die nehme sie mit, sagt Olschwosky und lacht. Nicht solle weggeworfen werden. Handtücher, die nicht mehr im besten Zustand waren, habe sie zum Beispiel dem Tierheim gegeben. In den ersten Tagen habe sie bereits ganz toll verkauft, sagt Olschewsky. Trotzdem sei noch sehr viel da. Angesetzt war der Verkauf bis 10. Dezember, doch vermutlich werde er um eine Woche verlängert. In den Schränken befänden sich noch viele Schätze, sie sei weiterhin dabei auszuräumen.

Ihre Mitarbeiter haben bereits alle eine neue Anstellung gefunden. Monika Olschewsky selbst wird in Lenggries eine Vermittlungsagentur für Ferienwohnungen übernehmen. Die haben allesamt ihren eigenen Inhaber, ihre Aufgabe sei die Vermittlungstätigkeit. Außerdem müsse sie sich um die Gäste kümmern und darum, dass die Wohnungen in einem guten Zustand bleiben. Es ist das gleiche Metier, aber schon etwas anderes, sagt Olschewsky. Sie stehe jedoch auch noch mit Kollegen in Verhandlung, die fragten, ob sie zusammen arbeiten wollten.

22 Jahre lang habe sie sich einen guten Namen gemacht, da sprächen einen die Leute an, sagt sie. Manche Gäste seien im Laufe der Zeit Freunde geworden. Die Abschiede seien zum Teil tränenreich gewesen, erzählt Olschwesky. Das Ehepaar bleibt in Tölz wohnen. Das ermöglicht es ihnen, ehemalige Gäste in Zukunft auch privat zu sehen. Und dann habe man auch Zeit, gemeinsam etwas zu unternehmen. Insofern bleibe etwas, trotz der Schließung sei es nicht endgültig zu Ende. "Ich bin ein sehr positiver Mensch und will nach vorne schauen", sagt Olschewsky. "Solange ich gesund bin und arbeiten kann, habe ich keine Angst davor, dass das Leben schief läuft."

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Quelle:
SZ vom 25.11.2017
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