Süddeutsche Zeitung

Freizeit in Bad Tölz-Wolfratshausen:Mit Maske auf den Gipfel gondeln

Die Liftbetreiber im Landkreis sind von den bisherigen Lockerungsmaßnahmen enttäuscht. Sie fordern, am 18. Mai den Betrieb wieder aufnehmen zu dürfen. Dafür haben sie eigene Hygienekonzepte entwickelt.

Die Bergliftbetreiber im Landkreis sind zunehmend ungeduldig: Erst beendete die Coronavirus-Pandemie die Wintersaison vorzeitig. Jetzt fehlt ein konkretes Datum, um den Sommerbetrieb starten zu können. Dafür fühlen sich die Betreiber gut gerüstet. Mit einem individuell angepassten Hygienekonzept, wie es der Verband Deutscher Seilbahnen (VDS) schon vorgelegt hat, könnten sie sofort loslegen - am Blomberg, dem Brauneck und dem Herzogstand.

Von der Sitzung des bayerischen Kabinetts zu weiteren Lockerungen am vergangen Montag ist Hannes Zintel enttäuscht. "Ich konnte nicht fassen, dass kein Satz über die Bergbahnen gesprochen wurde", sagt der Betreiber der Blombergbahn. Aus seiner Sicht wird viel zu indifferent vorgegangen. Er könne nicht verstehen, dass etwa alle Geschäfte aufmachen dürften, er aber nicht seine Anlage. Schließlich handele es sich um einen offenen Doppelsessellift im Freien mit 30 Meter Abstand zwischen den Sesseln. Am Blomberg bewegten sich die Gäste an der Kasse und an der Bahn immer an der frischen Luft.

Für den Ein- und Austieg hat Zintel mit seinem Mitarbeiterteam die Laufwege so verändert, dass sich niemand entgegenkommt. Markierungen für die korrekten Sicherheitsabstände seien angebracht. Das Personal habe er hygienisch geschult und mit Mund-Nasen-Schutzmasken ausgestattet. "Wir sind bestens gerüstet", sagt Zintel. Doch momentan hänge er in der Luft. Zudem liefen die Kosten weiter. Inklusive Aushilfen habe er fast 40 Mitarbeiter, zwölf seien fest angestellt. "Ich habe nicht so viel Geld auf dem Konto."

Für Lifte wie den am Blomberg gilt das Eisenbahn- und Seilbahngesetz. Juristisch fielen also Lifte unter dasselbe Gesetz wie der übrige Personennahverkehr mit Bussen und Zügen, sagt Zintel. Doch jetzt werde seine Anlage in dieselbe Schublade wie Freizeiteinrichtungen gesteckt. "Das halte ich für Willkür." Genauso geht es ihm mit der ebenfalls von ihm betriebenen Sommerrodelbahn. Die sei als Sportanlage genehmigt worden, schildert er. Warum er die Anlage nun nicht öffnen könne, wenn gleichzeitig Outdoor-Sport erlaubt werde, versteht er nicht. Am vergangenen Muttertagssonntag sei der Parkplatz am Fuß des Blombergs zu 40 Prozent voll gewesen, obwohl nichts offen sei. Der Druck vor allem aus der Stadt in die Natur sei da. Zintel findet, den Leute sollte die Gelegenheit gegeben werden, etwas vernünftig zu machen.

Der Seilbahnverband (VDS) hat für den 18. Mai die Wiedereröffnung der Liftanlagen gefordert. Zu diesem Termin könnte auch die Brauneck-Bahn wieder in Betrieb gehen, wenn es erlaubt wird. "Wir sind vorbereitet und stehen in den Startlöchern", sagt Antonia Asenstorfer. Die Sprecherin der Alpenbahnen am Lenggrieser Hausberg, am Wallberg und am Spitzingsee verweist auf das Hygienekonzept. In der Wartezone seien Linien zum Abstandhalten markiert. Die Ein- und Ausstiegswege seien mit Ketten voneinander getrennt. Für Desinfektionsmittel sei gesorgt. Das Kassenpersonal arbeite von den Gästen getrennt sowieso hinter Glasscheiben.

In jede der Vierer-Kabinen der Bergbahn dürften Angehörige des eigenen Hausstandes zusammen hinein. Mit Mund- und Nasenschutz dürfen ansonsten nur maximal zwei Personen schräg gegenüber in eine Kabine sitzen. Ist jemand alleine unterwegs, kann er alleine fahren. Es sei denn, die Behörden änderten ihre Regeln noch, erläutert Asenstorfer. Zudem sollten die Fenster auf der zwölfminütigen Berg- oder Talfahrt offen bleiben. Um lange Wartezeiten zu vermeiden, würde unter Volllast wie im Winter gefahren. So könne die Bahn mit mehr Gondeln als sonst im Sommer üblich 800 Personen pro Stunde befördern.

Normalerweise eröffnet die Brauneck-Bergbahn die Sommersaison am 1. Mai. Die Revisionsarbeiten liefen normal weiter. Die Mitarbeiter haben inzwischen Überstunden abgebaut, niemand musste laut Sprecherin Asenstorfer in Kurzarbeit. Jetzt hofft die Alpenbahnen-Sprecherin, dass der Betrieb spätestens zu Pfingsten wieder anlaufen kann. "Der 18. Mai wäre uns aber sehr recht gewesen", berichtet sie. Erstens dürften zu diesem Termin die Berghütten ihre Terrassen wieder öffnen. Außerdem hätte die Bergbahn noch vor den Pfingstferien Erfahrungen sammeln können.

Mit den Liftbetreibern am Brauneck und am Blomberg steht Jörg Findeisen in engem Kontakt. Der Geschäftsführer der Herzogstandbahn erklärt, dass ein Hygiene- und Schutzkonzept zur Wiedereröffnung schon lange klar sei. Jetzt warte er nur noch auf die Erlaubnis der Behörden. "Wir müssen fahren", sagt er. "Wir müssen Geld verdienen."

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SZ vom 15.05.2020
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