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Freizeit im Oberland:Flächen gegen den Park-Wildwuchs

Kochel am See ringt mit seiner Popularität. Um die Ausflugsscharen besser kanalisieren zu können, sollen neue Stellplätze für Wohnmobile entstehen. Doch die Planungen sind manchen Gemeinderäten zu überdimensioniert.

Dass Kochel- und Walchensee unter dem Zustrom von Ausflüglern ächzen, wird im Wochenrhythmus beklagt. Um am Kochelsee zumindest für Wohnmobile Ordnung ins wilde Parkgeschehen zu bringen und für Badegäste und Ausflügler Toiletten am See zur Verfügung stellen zu können, soll an der Trimini-Straße ein Wohnmobilstellplatz samt Sanitärgebäude eingerichtet werden. Wohlgemerkt ein Stellplatz für zwei, drei Übernachtungen. Kein Campingplatz, denn den bestehenden drei im Gemeindegebiet wolle man keinesfalls Konkurrenz machen, betonte der Kochler Bürgermeister Thomas Holz (CSU) am Dienstag im Gemeinderat. Sichergestellt werde auch, dass der Bereich entlang des Fußballplatzes so gestaltet werde, dass er von der Gemeinde auch anderweitig genutzt und etwa zu einem Festzeltbetrieb umfunktioniert werden könne. Der Gemeinderat befand die Idee mehrheitlich für gut, weil so Erholungssuchende besser kanalisiert werden könnten. Mit zwölf zu drei Stimmen entschieden die Gremiumsmitglieder, dass entsprechende Planungen einer privaten Gesellschaft weitergeführt werden können. Kritik wurde allerdings an der geplanten Größe laut.

Der gefasste Beschluss bezieht sich auf einen ersten Bauabschnitt; über eine Erweiterung auf der anderen Straßenseite zum See müsse der Bauausschuss gesondert beraten. Vorgesehen ist zunächst, dass im Bereich zwischen Trimini-Parkplatz und Tennisplätzen 90 Wohnmobilstellplätze geschaffen werden. Ein 22 mal elf Meter großes Sanitärgebäude am nördlichen Rand der Parkplätze soll mit 20 Toiletten und je 16 Duschen und Waschbecken ausgestattet werden, zudem soll es einen Wäscheraum und Geschirrspüler geben. In einem Teilbereich ist die Rezeption geplant. Bei den Sanitäranlagen, die für Jedermann zugänglich sein sollen, halte man sich an entsprechende Verordnungen, sagte Holz. Weil das Gelände im Flächennutzungsplan als "Sondergebiet Sport und Freizeit" ausgewiesen sei, habe das Landratsamt Zustimmung signalisiert. "Aber dass das heuer nicht mehr gebaut werden kann, ist klar", sagt Holz.

Neu ist die Idee nicht; bereits im Oktober 2018 hatte der Gemeinderat beschlossen, einen Wohnmobilstellplatz auf den Weg zu bringen. In der Zwischenzeit hätten zahlreich Gespräche stattgefunden, sagte Holz. Unter anderem mit der "Kristall trimini Kochel am See GmbH" und den Betreibern der beiden Campingplätze in Kochelsee und dem am Walchensee. Die aktuellen Pläne seien den Campingplatzbetreibern nicht vorgestellt worden, sagt Holz. Klar sei aber, dass es sich lediglich um Stellplätze handeln werde. Die genauen Modalitäten - Öffnungszeiten, Stelldauer - müssten noch geklärt werden. Holz erhofft sich von dem neuen Angebot auch eine Entlastung für den Nachtparkplatz am Walchensee, der bereits zu klein sei.

Auf dem als "Sondergebiet Sport und Freizeit" ausgewiesene Areal zwischen Trimini-Parkplatz und Tennisplätzen sollen künftig Wohnmobile stehen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

"Ich finde den Plan überdimensioniert", sagte Sonja Mayer (Mitte). Waschmaschinen, Geschirrspüler - sie sehe da durchaus Konkurrenz zu den Campingplätzen. "Wir wollten eigentlich einen relativ einfachen Stellplatz schaffen, damit die Wohnmobile verräumt sind", sagte sie. Geklärt werden müsse auch die Frage der Entsorgung: "Wenn die Camper ihre chemischen Toiletten entsorgen, packt das unsere Kläranlage?" Auch, dass große Flächen für Mega-Liner vorgehalten würden, finde sie nicht sinnvoll. "Wir könnten die Zahl der Stellplätze insgesamt erhöhen, wenn wir sie kleiner machen." Klaus Barthel (SPD) teilte diese Bedenken: "Wir waren uns im Bauausschuss einig, dass wir das wollen, aber nicht in dieser Dimension". Um die vorgenommenen "Modifikationen", etwa eine mögliche Erweiterung, öffentliche Durchgänge oder die Dimensionierung, klären zu können, regte Barthel eine Vertagung an, die allerdings keine Mehrheit fand. Bürgermeister Holz konnte die vorgebrachte Kritik nicht verstehen; im Bauausschuss sei der selbe Plan mit 90 Stellplätzen vorgestellt worden.

© SZ vom 25.06.2020

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