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Freizeit:Fitness am Kurpark

Kneipp-Kur-Renaissance in Bad Tölz

Einführung ins kneippen mit Kerstin Germandi.

Bad Tölz weiht neuen Kneippgarten beim Vitalzentrum ein.

Von Klaus Schieder

Kerstin Germandi tritt mit dem rechten Fuß voran ins neue Kneippbecken im Kurpark. Ein Detail, das keineswegs nebensächlich ist, wie die Mitarbeiterin des Tölzer Vitalzentrums in hochgekrempelten Sporthosen erklärt. "Man muss mit der herzabgewandten Seite beginnen", sagt sie. Sonst würde dieses Organ im eiskalten Wasser extrem belastet. Im Storchenschritt watet sie einmal durchs ovale Becken, das die Stadt am Rande des Parks gegenüber vom Vitalzentrum errichtet hat. Nach dem kurzen Rundgang streift sie das Wasser von ihren Beinen ab. Das sei besser, als die Unterschenkel mit Handtüchern zu trocknen, sagt sie. Die Kneippanlage könne man isoliert sehen, sie sei jedoch Teil eines ganzen Ensembles mit einem neuen Fitnessparcours am Vitalzentrum und dem Gymnastikraum im Keller der sanierten Kurbücherei, sagte Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) bei der Eröffnung am Freitag.

Der Kneippgarten wurde noch zu Zeiten seines Amtsvorgängers Josef Janker (CSU) gegen einige Widerstände beschlossen. Sogar der Bund der Steuerzahler hatte sich in Tölz gemeldet, um wegen der Kosten nachzuhaken, wurde von Janker jedoch beschwichtigt. 235 000 Euro netto kostet die Anlage mit Wasserbecken, Sitzbänken und drei Handwaschbecken, wie Stadtkämmerer Hermann Forster berichtete. Dafür bekam die Stadt eine staatliche Förderung von knapp 35 Prozent, sprich: 82 000 Euro. Als sich das Bayerische Wirtschaftsministerium unlängst bei ihm wegen des Jubiläums "200 Jahre Sebastian Kneipp" meldete und auf ein Sonderförderprogramm für Kneippanlagen verwies, habe ihm dies "ein Schmunzeln aufs Gesicht gezaubert", sagte Bürgermeister Mehner. Dafür hätte Bad Tölz schon ein zweites Becken bauen müssen. Im Übrigen seien die Fördermittel, welche die Kurstadt erhielt, höher als jene aus dem neuen Sonderprogramm. "Es zeichnet eine gute Politik aus, das sie nicht bloß reaktiv ist, sondern auch mal vorausschauend denkt", sagte Mehner.

Für Kurdirektorin Brita Hohenreiter ist das neue Becken, für das einige Büsche, aber kein Baum weichen musste, der Schlusspunkt einer ganzen Reihe von Maßnahmen rund ums Vitalzentrum. Dazu zählt der neue Fitnessparcours, der hinter der Villa Riesch und neben dem Hauptgebäude, der Villa Höfler, für rund 16 000 Euro errichtet wurde. Mehrere Holzstangen mit Metallholmen zum Hangeln, ein Stamm auf beweglichen Federn für Balanceübungen, eine Sprossenwand und zwei Schlaufenbänder stehen dort fürs Training parat. "Das ist kein Parcours, den man einfach so nutzt, dafür stehen Trainer zur Verfügung", sagte Mehner. Zum Beispiel bei den BKK-Aktivwochen.

Vital-Zentrum

Kathrin Blechner ziegt Übungen an den Geräten beim Vitalzentrum.

Unter der Kurbücherei - dem dritten Trakt des Vitalzentrums neben den zwei Villen - wurde ein neuer Fitnessraum mit Wandspiegel und bunten Bällen in den Regalen eingerichtet. "Ein Wasserrohrbruch hat mir geholfen, denn das Haus der Bücherei musste unten entkernt werden, da habe ich die Zustimmung zum Ausbau bekommen", so Hohenreiter. Neue Fenster, ein neues WC, Fußbodenheizung, dimmbare Beleuchtung - all dies kostete circa 200 000 Euro. Nochmals 85 000 Euro flossen im Parterre in die Sanierung der Bücherei, 23 000 Euro in neue Möbel, Vorhänge, Lampen. Der Blick vom Lesesaal geht nun hinüber in den Kurpark - die Büsche am Kneippgarten sind weg, neue Sichtachsen entstanden. "Diese Offenheit und das Ambiente sind der große Gewinn in diesem ganze Bereich", sagte Forster.

© SZ vom 22.05.2021
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