Freizeit Ein neues Schiff wird kommen

Am Starnberger See wird sich einiges ändern: Preise, Routen, Stege. Im kommenden Jahr soll sogar ein Dampfer für drei Millionen Euro vom Stapel laufen und die MS Berg ersetzen

Von Astrid Becker

Die Bayerische Seenschifffahrt hat große Pläne: 2020 will sie ihre Flotte auf dem Starnberger See um ein neues Schiff bereichern und den gesamten Fahrplan umstellen. Fieberhaft fahndet sie für das kommende Jahr auch noch nach einer Lösung für den abgebauten Dampfersteg in Ammerland. In der kommende Saison von 13. April bis 13. Oktober wartet die Schifffahrt nur mit einem modernisierten Internetauftritt auf, der Fahrgäste besser und übersichtlicher informieren soll - und mit teilweise erhöhten Preisen von bis zu 40 Cent pro Fahrt.

Die Schiffspläne

An der Ausschreibung für ein neues Schiff auf dem Starnberger See werde gearbeitet, erzählt Geschäftsführer Michael Grießer. Gedacht ist an einen Dampfer in der Größenordnung der Bernried. Diese gehört zu den mittelgroßen Schiffen der Flotte, sie fasst jeweils 100 Plätze auf dem Sonnendeck sowie in ihrem Inneren, ist 34 Meter lang und 6,60 Meter breit. Das neue Schiff soll genauso groß oder etwas kleiner werden, wie Grießer sagt, barrierefrei zugänglich sein, über eine Behindertentoilette und einen Aufzug verfügen. Grießer rechnet mit etwas mehr als der Hälfte der Kosten, die der Neubau der Utting verschlungen hat, die seit 2017 auf dem Ammersee in Betrieb ist. Sie hat damals rund fünf Millionen Euro gekostet. Die Bayerische Seenschifffahrt will demnach etwa drei Millionen Euro für den neuen Dampfer auf dem Starnberger See investieren - aus eigenen Mitteln: "Wir bekommen keine Zuschüsse, sondern müssen selbst für Neubauten und alles andere aufkommen, sogar für die Pacht, die für die Nutzung der beiden Seen anfällt." Das neue Schiff soll Ende 2020, spätestens aber 2021 geliefert werden und dann die Berg, also die frühere Schondorf, ersetzen. Diese soll dann aber nicht ausgemustert werden, sondern als Arbeitsboot der Schifffahrt Verwendung finden. Das bisherige ist laut Grießer arg in die Jahre gekommen. Auch für die Phantasie gibt es andere Pläne. Sie wird schon jetzt kaum mehr eingesetzt: "Das Buchheim-Museum hat Interesse daran, das Schiff bei sich aufzustellen", erzählt Grießer.

Haltepunkt Ammerland

Der dortige Steg wird 2019 nicht mehr angefahren, er ist sogar schon komplett abgebaut - aus Sicherheitsgründen, sagt Grießer. Ursprünglich hätte er einem Gutachten zufolge in diesem Winter generalsaniert werden sollen. Mehr als 100 000 Euro hätte dies verschlungen. Dann allerdings wollte Rainer Sailer, Besitzer des Privatgrundes, den die Fahrgäste dort passieren mussten, den Pachtvertrag nur mehr für ein Jahr verlängern. Als Begründung nannte der Hotelier sein Rentenalter. Er wolle sich zur Ruhe setzen, was dann aus dem Hotel würde, wisse er noch nicht, teilte er damals auf Anfrage auch der SZ mit. Angesichts dieser Perspektiven wollte die Schifffahrt kein Geld mehr in den aufwendigen Neubau eines Stegs investieren und suchte in der Folge mit Tourismusbehörden und Gemeinden nach einer Lösung, wie Grießer sagt: "Bislang allerdings vergeblich, wir haben kein geeignetes Gelände gefunden und festgestellt, dass der jetzige Standort der Beste war." Grießer bleibt nun nur eine Hoffnung: Dass das jetzige Hotel am See nicht einem Wohnungsbau weicht, sondern ein gastronomischer Betrieb bleibt. Dann könne die Schifffahrt noch einmal mit einem neuen Pächter oder Besitzer verhandeln.

Der Internetauftritt

Sukzessive hat die Bayerische Schifffahrt ihre Homepage relauncht. Auslöser war Grießer zufolge vor allem die fehlende Möglichkeit, den Verkauf von Online-Tickets für den Königssee anzubieten. Anders als auf dem Starnberger See oder dem Ammersee ist dort kein Verkauf auf den recht kleinen Schiffen möglich, was offenbar zu langen Schlangen an den Kassen geführt hat. Die Möglichkeit, Fahrkarten nun übers Internet zu erwerben, soll von Beginn der Saison an, eingeräumt sein. Die Homepage ist mittlerweile flotter gestaltet: Sie wurde mit Videos angereichert und informiert übersichtlicher über Themen wie neue Fahrpläne, die neue Preisstruktur und die Sonderfahrten. Noch nicht verwirklicht, aber in Planung befindet sich noch die Bezahlung der Tickets direkt übers Handy.

Die Preise

Grießer nennt die Anhebung von maximal 40 Cent "moderat". Sie war nötig geworden, um gestiegene Personal - und Materialkosten wie Diesel zu decken. So kostet die Große Rundfahrt auf beiden Seen nun 18,90 Euro statt 18,50 Euro wie im vergangenen Jahr. Die Schlösserfahrt auf dem Starnberger See sowie die nördliche Rundfahrt auf dem Ammersee kosten jetzt 15,40 Euro statt 15 Euro. Die südliche und nördliche Rundfahrt auf dem Starnberger See wird um zehn Cent teurer, dafür bleiben beispielsweise einzelne Fahrten auf Kurzstrecken wie von Stegen nach Buch mit 3,40 Euro im Preis unverändert. Eine Fahrt von Stegen nach Schondorf allerdings wird mit 5,20 Euro zu Buche schlagen statt wie bisher mit fünf Euro.

Sonderfahrten

Es erfreut sich offenbar großer Beliebtheit, das Spezialprogramm, das die Schifffahrt auf beiden Seen anbietet: So sind beispielsweise die Brunchfahrten sowie die "Schlemmerfahrt zur Sonnwende" bereits komplett für 2019 ausgebucht. Auch die ersten beiden Termine für die Brunchfahrten auf dem Starnberger See am 5. und 12. Mai sind bereits voll, ebenso dort die erste deutsch-italienische Schlagerparty am 3. August. Für den zweiten Termin am 25. August gibt es hingegen noch Karten - ebenso für andere Angebote wie für die Mondscheinfahrten zum Buchheim-Museum, die Ü-30-Party auf dem See, Tanzpartys, die historische Fahrt "Auf königlichen Spuren" am 7. August, die "Gourmetfahrt" mit Piano- und Geigenmusik am 7. September. Auf dem Ammersee gibt es noch Tickets für Fahrten wie die "Schlemmerfahrten Toskana" an mehreren Terminen, den "Genuss pur! Das Beste aus dem Wurzelsud" oder auch die "Schlemmerfahrt für Fischliebhaber", beide im Oktober.

2020 auf dem Starnberger See

Die Schifffahrt plant umwälzende Änderungen für den Streckenverlauf und damit auch für den Fahrplan auf dem Starnberger See. Sie will ihren Fahrgästen in Tutzing künftig einen ähnlichen Umsteigeknotenpunkt wie am Ammersee in Herrsching anbieten. Am künftigen Fahrplan wird bereits gearbeitet: "Gar nicht so einfach", wie Grießer sagt, weil die südliche Route dort kürzer ist als die nördliche. Um den Umstieg zu ermöglichen, muss der Steg in Tutzing verlängert werden. Dagegen hatte sich zunächst Widerstand geregt, mittlerweile ist das Vorhaben abgesegnet. In Tutzing sollen dann Fahrgäste vom Norden kommend auf die südlich verkehrenden Dampfer umsteigen können - die Wahl fiel auf diesen Haltepunkt, weil es dort einen S- und Regionalbahnhof gibt und schon allein aus diesem Grund dort viele Fahrgäste ein- und aussteigen.