Freizeit am Alpenrand Boom auf der Loipe

Keine Wartezeiten an einem Lift, stattdessen rauf auf die Bretter und die schöne Natur genießen, so wie diese beiden Langläufer in der Loipe bei Benediktbeuern.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Langlaufsport in der Region zieht so viele Aktive an wie noch nie. Doch noch fehlt es an der Infrastruktur für ein richtiges nordisches Zentrum

Von Benjamin Engel

Die früheren Skirennläuferinnen wie Michaela und Hilde Gerg oder Martina Ertl haben Lenggries weltbekannt gemacht. Die Erfolge der Alpingrößen verdecken, dass im Isarwinkel der nordische Skisport längst immer beliebter wird. Allein beim Skiclub Lenggries sind derzeit etwa 70 Kinder im Langlauf aktiv, fast ein Drittel mehr als noch vor wenigen Jahren. Auch im Tölzer Skiclub erlebt die Sportart einen Boom. In der Nachbarstadt von Lenggries könnte Sportwart Christian Wolpert wesentlich mehr Biathleten als bisher aufnehmen. Doch es fehlt an der entsprechenden Infrastruktur im Landkreis: Zum Trainieren gibt es keinen Schießstand. Eine beschneite Loipe für die Vorbereitung zu Saisonbeginn existiert nicht.

"Wenn wir das vor der Haustüre hätten, wäre das die Kardinallösung", sagt Jan Richter. Für den Sportwart der Langlauf-Jugend beim SC Lenggries wäre sein Heimatort der ideale Standort für ein nordisches Zentrum. Dass die alpinen Skirennläufer aus Lenggries für das Training einen eigenen Hang, eine eigene Beschneiung und Fluchtlicht hätten, kenne er von keinem anderen Verein. Warum also keine bessere Trainingsmöglichkeiten für die nordischen Sportler möglich sein sollten, fragt er sich. "Wir hätten gute Voraussetzungen", sagt Richter. Der Sportwart des SC Bad Tölz könnte sich etwa vorstellen den ehemaligen Außenschießstand der Lenggrieser Kaserne zu nutzen, damit Biathleten besser trainieren können.

Gleichzeitig weiß der Lenggrieser Sportwart, wie schwierig es sein würde, eine bessere Infrastruktur aufzubauen. Das koste viel Geld und sei ohne ausreichende politische Unterstützung kaum durchzusetzen. Umso mehr freut sich Richter, dass das Tölzer Landratsamt den Probebetrieb für die Beschneiung eines Loipenteilstücks beim Campingplatz genehmigt hat. Ein fünf bis sechs Meter breiter, ein Kilometer langer Streifen könnte so beschneit werden, sagt Richter. Das biete gesicherte Trainingsmöglichkeiten für die Langläufer vor allem zu Saisonbeginn. Die unter Umwelt- und Naturschützern umstrittene Beschneiung verteidigt er. Denn damit könnten lange Anfahrten bis ins österreichische Tirol künftig entfallen. Denn vor den ersten Langlauf-Rennen in der Region Mitte Dezember liegt oft nicht genügend Schnee. Dann fahren die Vereine bis in die Pertisau am Achensee oder nach Seefeld in Tirol, um zu trainieren. Das dauert etwa eine Stunde, kostet also Zeit und Geld, weil die beschneiten Loipen im südlichen Nachbarland nur gegen Gebühr genutzt werden können. Wie Christian Wolpert sagt, hörten viele Nachwuchssportler im Jugendalter wieder auf, weil das einfach zu aufwendig sei. "Es wäre wünschenswert, wenn die Möglichkeit bestünde, eine Loipe im Landkreis zu beschneien", sagt er. Oft habe er auch überlegt, ob eine höhere gelegene Loipe am Blomberg vorstellbar sein könnte.

Sportwarte wünschen sich ein nordisches Zentrum im Landkreis, doch das aufzubauen wird ohne politische Unterstützung kaum durchzusetzen sein.

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

Warum der Langlaufsport derzeit so attraktiv ist, erklären sich Wolpert und Richter mit der einfachen Handhabung. Für den Sport brauche es wenig Ausrüstung. Er sei kostengünstig. Im Gegensatz zum Skifahren fielen Wartezeiten am Lift weg und der Sportler bewege sich in der schönen Natur. "Ich stelle mich einfach auf die Ski und dahin geht's", sagt Richter.

Im Sog der erfolgreichen deutschen Biathleten aus der Region wie Laura Dahlmeier oder Vanessa Hinz ist auch diese Sportart populär. Wie der Sportwart des SC Bad Tölz berichtet, fragten pro Monat Eltern von zwei bis drei Kindern an, die sich für den Biathlon-Sport interessierten. "Wir könnten die Zahl leicht auf 20 Kinder erhöhen, wenn es im Landkreis eine Infrastruktur gäbe", sagt Wolpert. Speziell der Biathlon sei so faszinierend und spannend, weil die Leistung beim Schießen direkt über Erfolg und Misserfolg entscheide. "Ich glaube die Abläufe faszinieren die Kinder", sagt er. Sein Sohn, ebenfalls Biathlet, erzähle ihm, dass er beim Schießvorgang alles um sich herum vergesse, sich nur noch auf die Zielscheiben konzentriere.

Der nächste Schießstand zum Trainieren liegt derzeit in Hartpenning im Nachbarlandkreis Miesbach. Dort üben die Mitglieder im Schülerteam des Skiverbands Oberland, zu dem auch drei Nachwuchsbiathleten aus Bad Tölz und eine aus Lenggries zählen. In Hartpenning können die Sportler aber nur mit dem Luftgewehr üben. Das verwenden in der Sportart nur Jugendliche bis zum Alter von 15 Jahren. Danach wechseln sie zum Kleinkalibergewehr. Damit sind laut Wolpert noch drei ältere Nachwuchsbiathleten aus Bad Tölz aktiv. Die Sportler müssten zum Training bis nach Krün im Werdenfelser Land fahren. Basis des Biathlons ist jedoch die Langlauftechnik. Etwa 200 Nachwuchssportler unter 18 Jahren machen regelmäßig bei den Raiffeisen-Cups des Skiverbands Oberland mit. In dieser Saison hatte es im Oberland zudem so viel Schnee, dass der Skiclub Bad Tölz die Ellbach-Loipe erstmals seit einigen Jahren wieder für den Bernau-Gedächtnislauf ganz entspannt präparieren konnte. Bis in die März hinein rechnet Wolpert dort mit guten Bedingungen. Zudem freut er sich, dass die Stadt Bad Tölz heuer ein neues Loipenspurgerät gekauft hat, womit die Strecke erstmals auch für die Skating-Technik präpariert werden kann.

Das Tölzer Landratsamt bleibt zurückhaltend. Aktuelle Pläne für ein nordisches Zentrum oder mobile Schießstände für den Biathlon-Sport seien unbekannt, heißt es aus der Pressestelle. "Daher kann auch dazu keine belastbare Aussage getroffen werden." Es stimme, dass die gemeindliche Loipe in Lenggries nach Bedarf beschneit werden könne. Das gelte aber vorerst nur für diese Saison.