Freies Stadtradio Geretsried:Multitalente im Stadtradio

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Bürgerpreis 2017 Sparkasse

Das Team des Freien Stadtradios Batsch!FM hat den Bürgerpreis verliehen bekommen: Oliver Sachers (von links), Merlin Reiter-Kameter, Christian Funke, Lisa Matheis, Felix Leipold und Ludwig Matheis.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die jungen Moderatoren von Batsch!FM erhalten den Nachwuchspreis in der U 21

Von Klaus Schieder

Ein paar Lieblingssongs aussuchen, einen coolen Spruch rauslassen, die Regler auf dem Schaltpult rauf- und runterschieben: Manch Jugendlicher mag sich so locker die Arbeit eines Radiomoderators vorstellen. Mit der Wirklichkeit hat das nichts zu tun. Während er sich auf das Abitur vorbereitete, hat Ludwig Matheis noch jeden Tag drei, vier Stunden für Batsch!FM gearbeitet, wie das Freie Stadtradio Geretsried heißt. Das sei schon aufwendig, sagt er. "Für eine Viertelstunde Interview schneidest du zwei Stunden." Aber die Mühe hat sich gelohnt. Das von Felix Leipold gegründete Internet-Radio (www.stadtradio-geretsried.de), für das neben Matheis noch neun andere Jugendliche unentgeltlich arbeiten, ist nicht nur in der Region, sondern auch in den USA, Indien oder Ägypten zu hören. Dafür erhielt das Radioteam in der Nachwuchskategorie U21 (unter 21 Jahre) den Deutschen Bürgerpreis, der von der Sparkasse am Donnerstagabend in Bad Tölz verliehen wurde.

Für die jungen Radiomoderatoren aus Geretsried ist der Preis eine wichtige Anerkennung. "Wir sind froh drum, es steckt viel Arbeit dahinter", sagt Matheis. Was vor fünf Jahren im Keller von Felix Leipold begann, der das technische Equipment fürs Internetradio zusammenbastelte, bis alles gut genug klang, hat jedoch schon vorher Aufmerksamkeit erregt. Die Ernst-Pelz-Stiftung aus Geretsried sponsert das Radio und ermöglichte dem Team, sich ein richtiges Studio im Jugendzentrum Saftladen einzurichten, das 2016 im Beisein von Bürgermeister Michael Müller eingeweiht wurde. Die Stiftung übernimmt auch andere Kosten wie etwa Gema-Gebühren. Gesendet wird 24 Stunden am Tag mit Musik, wobei die ausgewählten Stücke in zufälliger Reihenfolge gespielt werden. Dazu gibt es zwölf Stunden Programm pro Woche, jeder im Team hat seine eigene Sendung - Interviews mit jungen Bands, ein "Party-Warm-up" am Freitag mit Veranstaltungstipps, Reportagen vom Floßfestival in Wolfratshausen, Berichte über das umstrittene Bauprojekt auf dem Karl-Lederer-Platz.

Der digitale Sender sei auch "eine Plattform, auf der sich Vereine präsentieren können", sagt Gründer Leipold. Früher habe man einfach Radio "von jungen Leuten für junge Leute" machen wollen, sagt Merlin Reiter-Kameter. Inzwischen schätzt er, dass 40 bis 50 Prozent der Zuhörer älter als 30 Jahre sind. Nächster Schritt ist die Gründung eines Vereins, "um den Sendebetrieb langfristig aufrecht zu erhalten", wie Ludwig Matheis sagt. Für Laudator Thorsten Straubinger besteht der Sender aus lauter "Multitalenten", die vor Ideen sprudelten. Die Radiolandschaft sei damit bunter geworden, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sparkasse. "Hut ab!" Für Matheis geht es nicht darum, einen Preis zu gewinnen, sondern "dass es Spaß macht und man sich wechselseitig unterstützt". Einmal verpasste Reiter-Kameter notgedrungen eine Sendung. Er arbeitet als Bäcker in Lenggries, wegen Krankheit waren in dem Betrieb plötzlich fast alle Kollegen ausgefallen. Im Radio seien die anderen sofort für ihn eingesprungen, erzählt er, niemand habe deshalb zu motzen angefangen. "Wir sind wie eine kleine Familie."

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