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Forstenrieder Park:Vorfahrt für Wild und Wald

Einige Bürger wollen eine Ortsumfahrung durch den Bannwald nördlich von Schäftlarn. Doch der genießt den größten rechtlichen Schutz. Wird er abgeholzt, müssen neue Bäume gepflanzt werden - auf Grund, den die Gemeinde nicht hat.

Wildfütterung

Im Wildpark Forstenried leben Wildschweine, Rotwild, Rehe und Damwild. Dass dort eine Umfahrung für Hohenschäftlarn entsteht, scheint unwahrscheinlich: Das zuständige Forstamt lehnt Eingriffe in das Gebiet kategorisch ab.

(Foto: dpa)

Die Umgehungsstraße für Hohenschäftlarn durch den Wald zu bauen, wäre vielen Schäftlarnern am liebsten. Die landwirtschaftlichen Flächen blieben so unangetastet. Einige, wie der Landwirt Franz Strobl, favorisieren eine Trasse durch den Privatwald, der direkt an die Felder und Wiesen nördlich von Schäftlarn anschließt. Er ist davon überzeugt, dass sich die Waldbesitzer von den nötigen Flächen eher trennen würden als die Landwirte von ihren Böden. Andere wollen einen Tunnel durch den anschließenden Forstenrieder Park, einen Staatswald.

Dass eine dieser Möglichkeiten verwirklicht wird, ist eher unrealistisch. "Wenn das ginge, hätte ich viel weniger Ärger", seufzt Bürgermeister Matthias Ruhdorfer. Er weiß: Das geht eher nicht. Denn der Wald, durch den die Trasse der Umfahrungsstraße geschlagen werden müsste, ist Bannwald, sowohl der Privat- wie der Staatswald. Er genießt den größten rechtlichen Schutz aller Wälder, einen höheren noch als der Schutzwald in den Bergen, unabhängig davon, ob es sich um einen Nutzwald handelt, der überwiegend aus Fichten besteht, oder um einen naturnahen Mischwald.

Nur wenn es gar keine andere Möglichkeiten gibt, etwa eine Straße zu bauen, kann das Forstamt eine Rodung im Bannwald erlauben - es muss aber nicht. "Das sind hohe Hürden", sagt Andreas Egl, beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg zuständig für den Landkreis München. Dabei muss das Forstamt abwägen zwischen dem öffentlichen Interesse am Bannwald und dem öffentlichen Interesse an einer Umfahrung. "Im konkreten Verfahren stellt sich die Frage, was wie begründet und bewertet wird", sagt Egl.

Was Eingriffe in den Forstenrieder Park angeht, würden potenzielle Straßenbauer erst recht auf Granit beißen. Wilhelm Seerieder nämlich, der als Leiter des Forstbetriebs für den Staatswald zuständig ist, ist "absolut gegen" derartige Pläne. "Es ist vollkommen ausgeschlossen, in den Wildpark einzugreifen", sagt er kategorisch. Der ist 2067 Hektar groß, was laut Seerieder als Lebensraum ohnehin knapp ist. In dem umzäunten Gelände leben Wildschweine, Rotwild, Rehe und Damwild. Aber auch außerhalb des Wildgeheges kommt für Seerieder eine Straße nicht in Frage. "Das wäre ein enormer Verlust an Produktionsflächen", sagt er. Als Betriebsleiter des Forstbetriebs München denkt er auch in ökonomischen Kategorien.

Darüber hinaus hat er den Wald als Ganzes im Blick. "Jeder Trassenaushub würde zu Windwurf, Trockenschäden und der Gefahr von Borkenkäferbefall führen", erklärt er. "Das Bestandsgefüge wird zerstört, wenn die Trasse den Wald aufreißt." Und im Bereich der Großstadt München sei jeder Quadratmeter Bannwald wichtig. Und selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Forst die Rodung erlaubt, muss der Bannwald ersetzt, in der Sprache des Gesetzes "neu begründet" werden. "Es muss angrenzend an den gerodeten Wald aufgeforstet werden", sagt Egl. Und zwar im gleichen Umfang. Platz dafür wäre auf der Schäftlarner Flur, die die Bauern aber ja nicht hergeben wollen.

Die staatliche Forstwirtschaft und der hohe Schutz, den der Wald genießt, stammen aus einer Zeit, als man viel Wald rodete, ohne dass dafür aufgeforstet wurde. Deutschland drohte ein Land ohne Bäume zu werden. Gerade noch rechtzeitig griff der Staat ein, so dass Deutschland heute ein waldreiches Land ist.

Ein auch nur annähernd ähnlicher Schutz für landwirtschaftliche Flächen existiert bisher nicht. Ende 2011 hat der Bauernverband allerdings versucht, per Petition ein entsprechendes Gesetz auf den Weg zu bringen. 200 000 Unterschriften sammelte der Bauernverband seinerzeit. Seither liegt das Projekt bei der Politik und ruht dort, wie Markus Peters, Sprecher des Bayerischen Bauernverband, sagt. In ein Gesetz jedenfalls ist die Petition bisher nicht gemündet, was der Bauernverband bedauert, verschwinden doch täglich allein in Bayern 18 Hektar Ackerland.