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Försterin an der Isar:Die Neue im Revier

Keine Uniform, kein jagdgrüner Lodenjanker. Silvia Backhaus und ihr Hund Franz. Das Gebiet, das sie betreuen, reicht von Grünwald bis Königsdorf.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die 35-jährige Silvia Backhaus ist Forstoberinspektorin und seit Juni Revierleiterin im Forstrevier Isartal. Die Arbeit mit männlichen Kollegen funktioniert problemlos, doch bei Spaziergängern muss sie noch mit Klischees aufräumen.

Silvia Backhaus fällt auf, wenn sie mit ihren blonden, kinnlangen Haaren, einem signalroten T-Shirt, einer braunen Arbeitshose, Wanderschuhen, einem roten Deuter-Rucksack und mit ihrem Hund Franz durch den Geretsrieder Forst geht. Wer sie nicht kennt, mag denken, dass sie dort gerade spazieren geht. Hundekenner indes bemerken womöglich, dass es sich bei ihrem Gefährten um einen Schweizer Niederlaufhund handelt. Eine Hunderasse, deren Vertreter als hervorragende Jagdhunde gelten. Tatsächlich ist Backhaus Forstoberinspektorin und seit Juni Revierleiterin im Forstrevier Isartal, wozu auch der Geretsrieder Forst gehört. Die 35-Jährige leitet eins von zehn Revieren des Forstbetriebs München. Ihr Revier erstreckt sich vom Grünwalder Forst entlang der Isar bis nach Königsdorf. Es hat eine Gesamtfläche von 2598 Hektar.

"Es gibt keinen schöneren Arbeitsplatz als den Wald", sagt Backhaus

Wer eine einfache, geradlinige Geschichte vermutet, die erzählt, wie die 35-Jährige zu ihrem Beruf gekommen ist, wird enttäuscht werden. Auf der Suche nach einem Beruf, der sie erfüllt und glücklich macht, musste die 35-Jährige nämlich einige Umwege in Kauf nehmen. Backhaus absolvierte nach bestandenem Abitur eine Ausbildung zur Bankkauffrau und wurde anschließend übernommen. Glücklich sei sie dort allerdings nicht gewesen: "Ich wollte für die Guten arbeiten", sagt sie heute.

Ihre Familie habe keinen forstlichen Hintergrund. Sie habe vieles abgewägt, zwischendurch überlegt, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Schließlich sei sie auf den Studiengang Forstingenieurwesen gestoßen. "Es gibt keinen schöneren Arbeitsplatz als den Wald", findet sie, zwischen Fichten und Buchen, Vogelgezwitscher und dem Geruch nach Moos.

Das Studium sei regional orientiert, in ihrem Fall auf bayerische Geologie konzentriert gewesen. Dass der Wald in Bayern und speziell ihr Revier besonders sei, erkenne sie jeden Tag. "Die Isar zieht sich wie ein roter Faden durch mein Revier und prägt es sehr", sagt Backhaus. Zu Beginn ihres Studiums habe sie sechs Baumarten gekannt. Abgeschreckt habe sie das nicht: "Meine Freunde, die Medizin studieren, kannten die Anatomie vorher auch nicht auswendig".

Aber was macht eigentlich ein Förster? Was die Leute laut Backhaus denken: "Ich kümmere mit um kranke Tiere und Bäume." Tatsächlich sei der Wald ihre Hauptaufgabe, doch damit hänge viel mehr zusammen. Offiziell habe Backhaus eine 40 Stunden Woche. Doch ihr Büro habe sie immer dabei, sagt sie, und holt einen Tablet-Computer aus ihrem Rucksack. Ebenfalls darin eine Karte, auf der ihr Revier markiert ist. Es ist zum Teil lila und grün gekennzeichnet. Lila bedeute "langfristige Behandlung", erklärt sie. In diesem Gebiet gebe es viele verschiedene Baumarten und sehr viel Naturschutzgebiet. Da müsse man besonders vorgehen. Die grüne Markierung zeige ihr, wo die "Jungbestandspflege" im Vordergrund stehe. Jedes Gebiet müsse anders behandelt werden und die Karte gebe Hinweise, was zu tun sei.

Seit sie einen Geländewagen hat, lassen sie Spaziergänger in Ruhe

Die Frage, ob sie es als Frau in dem als männerdominiert geltenden Beruf schwer habe, verneint Backhaus. Die Zusammenarbeit mit den Waldarbeitern und Unternehmen funktioniere wunderbar, betont sie. Das Klischee des Försters aus Heimatfilmen, der mit grüner Uniform, einem Hut mit Feder, Dackel und Gewehr im Wald anzutreffen ist, sei allerdings noch in den Köpfen vieler Waldbesucher vorhanden. Apropos Klischee und Wirklichkeit: Anfangs sei Backhaus mit ihrem Privatauto, einem Kleinwagen, unterwegs gewesen. "Die Leute haben sich aufgeregt", sagt sie. "Da kommt so eine Blondine mit bunten Klamotten und einem kleinen Auto." Jetzt fährt sie einen Dienstwagen, einen wuchtigen, schwarzen Geländewagen mit Allradantrieb. Im geräumigen Kofferraum habe nun Werkzeug und eine Wildwanne Platz. Daneben liegt eine Decke für Franz. Und das Gerede der Leute habe auch aufgehört.

Förster müssten schon seit längerem keine bestimmte Uniform mehr tragen, erklärt Backhaus. Die gedeckten Farben hätten ihrer Meinung nach sowieso keinen Sinn gemacht. "Ich will doch, dass man mich sieht." Sie besitze eine knallorangefarbene Fließjacke, auf deren Rückseite "Bayerische Staatsforsten" stehe. Die habe der Chef ihr gegeben, sagt sie. Im Winter werde Backhaus sie tragen, jetzt sei sie ihr zu warm. Und bis auf Weiteres warten die Kostüme aus ihrer Zeit als Bankkauffrau in ihrem Kleiderschrank vergeblich auf ihren neuerlichen Einsatz.