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Förderung:Mehr Pflegeplätze

Landrat plant Grundstückskauf für Neubau von Heimen

Mit 15 000 Euro hat der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bislang jeden vollstationären Pflegeplatz gefördert. Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) lässt nun Worten Taten folgen. Wie schon vor drei Jahren angekündigt, hat diese Form des Zuschusses nun ein Ende. Denn die Förderung hat weder dazu beigetragen, dass mehr vollstationäre Pflegeplätze im Kreis entstanden sind, noch ist die Unterbringung für die Senioren günstiger geworden. Niedermaier möchte einen anderen Weg beschreiten. Ihm schwebt vor, dass der Landkreis Grundstücke erwirbt und sie an potenzielle Investoren und Träger von Seniorenheimen in Erbbaurecht vergibt. Eine Alternative zu Heimen könnten Pflege-WGs sein. All das soll in enger Abstimmung mit den Städten und Gemeinden passieren.

Die Kreis-Fraktion der Grünen macht sich Gedanken über die Zukunft der Pflege im Landkreis. Vor allem deshalb, weil laut Ergebnis des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts feststeht, dass bis zum Jahr 2028 weitere 501 vollstationäre Plätze fehlen. Die Grünen schlagen unter anderem ein modifiziertes "Bielefelder Modell" vor. In Projektwohnungen innerhalb größerer Mietwohneinheiten, so die Idee der Kreis-Grünen, sollten für stark pflegebedürftige Menschen aus dem jeweiligen Quartier Pflegebetten zur Verfügung stehen. Ein ambulanter Pflegedienst würde die Pflegebedürftigen betreuen. Die Wohnungen würden pro Pflegebett gefördert, wenn sich Baugenossenschaften und Bauträger für dieses Projekt engagierten.

Dem "Bielefelder Modell", in welcher Form auch immer, teilten sowohl der Landrat als auch Sozialamtsleiter Thomas Bigl indes eine klare Absage. Im Landkreis gebe es keine Leerstände im Umfange wie in der Großstadt in Nordrhein-Westfalen. Wo solle man große Quartiere umwidmen, fragte Niedermaier. Vielmehr sehe er die Zukunft darin, geeignete Baugrundstücke zu akquirieren. Denn an solchen mangele es ebenso wenig wie an Investoren. Niedermaier möchte dazu das Gespräch mit den Bürgermeistern suchen. Die Kommunen sollten Grundstücke als Flächen für Pflegeheime festlegen, mit einer entsprechenden Bauleitplanung. Der Landkreis kauft dann diese Areale. Dabei sei es egal, ob die Grundstücke den Gemeinden gehörten oder Privatpersonen, sagte Niedermaier. Auch könnten mehrere Gemeinden ein gemeinsames Areal bereitstellen. Für dieses Vorhaben sei es auch zulässig, dass der Landkreis Schulden mache. Diesen stehe schließlich der Immobilienwert gegenüber. Die Bauflächen möchte Niedermaier den Investoren oder auch den künftigen Trägern der Heime im Erbbaurecht überlassen. "Wir müssen in die Diskussion einsteigen", forderte er. Natürlich sei es nicht sinnvoll, ein 200-Betten-Heim in der Jachenau zu bauen, sagte Niedermaier. "Man muss sich Gedanken machen, wo Pflegeplätze gebraucht werden." Bedarf gebe es etwa im Bereich der Gemeinden Greiling, Reichersbeuern und Sachsenkam oder im Nordlandkreis. "Das wird eine Herkulesaufgabe", ist sich der Landrat sicher.

© SZ vom 08.07.2020 / veca

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