FlößereiNasser Start in die neue Saison

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Früher transportierten sie Rohstoffe, heute Passagiere: Seit Monatsanfang fahren die Flöße wieder nach München.

Birgit Lotze

Jason Charles-Seitner, der einzige dunkelhäutige Flößer Deutschlands, ist für einen der drei Flößerbetriebe im Oberland im Einsatz. Vor der ersten Fahrt werden die Stämme für den nächsten Zusammenbau der Flöße mit drei Anstrichen farblich gekennzeichnet.
Jason Charles-Seitner, der einzige dunkelhäutige Flößer Deutschlands, ist für einen der drei Flößerbetriebe im Oberland im Einsatz. Vor der ersten Fahrt werden die Stämme für den nächsten Zusammenbau der Flöße mit drei Anstrichen farblich gekennzeichnet. (Foto: Hartmut Pöstges)

Die Flößer starten in dieser Woche zu ihren ersten Fahrten Richtung München. Die Baumstämme sind sortiert, derzeit werden sie noch farblich gekennzeichnet. Das erleichtert den Flößern den Zusammenbau der Flöße vor der nächsten Fahrt. Auf der Schlederleiten in Wolfratshausen hat Sepp Seitner seine 18 Meter langen Stämme gelagert. Derzeit erneuert er noch die Ruderbretter und kennzeichnet die vorderen und hinteren Seile, die bei der Floßfahrt zum Landen gebraucht werden. Der Imbiss für die Gäste ist bereits aufgestellt, er muss nur noch gefüllt werden. Am Samstag geht es los. Dann hat Sepp Seitner seine erste Fahrt.

Früher war das Floß Transportmittel für Rohstoffe, heute ist es vor allem eine Gaudi für die Passagiere. Es war einst ein schwieriges Unterfangen, das unhandliche Holzfloß sicher durch den reißenden Fluss zu steuern. Die Bauweise ist heute wie damals gleich geblieben: Mächtige Fichtenstämme werden mit Drahtschlaufen an Querbalken befestigt. Zwei Ruderstangen vorne, eine hinten - schon ist das rund 20 Tonnen schwere Floß fertig.

Den Saisonauftakt machte in diesem Jahr Michael Angermeier aus Arzbach, der seit mehr als 40 Jahren seine Flöße an der Pupplinger Au zu Wasser lässt. Am Mittwoch, 1. Mai, waren vier Flöße mit jeweils 50 Mitfahrern gebucht. "Hat alles gepasst", kommentierte Angermeier die erste Fahrt. Die Isar sei gut gefüllt, es sei nicht besonders schwierig gewesen, die Strecke zu finden. Die Flößer fahren in der Regel vor dem ersten Ausflug die Isar mit dem Schlauchboot ab. Gefährlichere Stellen werden zu Fuß besucht.

Die Bäume für die Flöße hat Michael Angermeier aus Unterammergau, aus Vorderriß, Fall und Kreuth geholt. Sechs Flöße mit jeweils 18 Stämmen, alle 18 Meter lang. Sieben Meter breit sei ein Floß mit diesen 18 Stämmen etwa, sagt Angermeier. Breiter ginge nicht wegen der Schleuseneinfahrten, länger dürften sie auch nicht sein - wegen des Rücktransportes.

Der dritte der Isar-Flößer, Franz Seitner, ist am 8. Mai erstmals auf Tour. Er startet an der Loisach im Ortsteil Weidach. Je nach Wasserstand sind die Flößer viereinhalb bis sechs Stunden unterwegs, die gesamte Tour mit Pausen kann auch sieben Stunden dauern. Die Strecke zwischen Wolfratshausen und der Floßlände in München-Thalkirchen ist rund 30 Kilometer lang und führt durch Landschaften wie die Pupplinger Au und vorbei an historischen Sehenswürdigkeiten wie den Georgenstein.

Die Floßrutschen, die die Flöße auf ihrer Fahrt nach München heruntersausen, haben die Flößer gemeinsam bereits in der vergangenen Woche inspiziert. Für die feucht-fröhliche Gaudi für Tausende hat sogar der Stromversorger, der die Kraftwerke an der Isar betreibt, tief in die Tasche gegriffen und die baulichen Voraussetzungen geschaffen. Vor allem beim Kraftwerk Mühltal bei Straßlach haben die Floße 2012 auf mehr als insgesamt 700 Fahrten tiefe Schleifspuren hinterlassen. Die Dachwehr der Rutsche musste deshalb komplett erneuert werden und die Tannenbohlen wurden ausgetauscht. Die Mühltaler Floßrutsche ist die mit 360 Metern die längste Europas. Die schweren Kolosse erreichen dort eine Geschwindigkeit von etwa 40 Stundenkilometern.

© SZ vom 03.05.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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