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Flexible Schuleingangsphase:Früher oder später am Ziel

Die Grundschule Icking will die erste und zweite Klasse künftig zusammenlegen, um Schüler besser fördern zu können. Kritiker bezweifeln den Nutzen. Sie glauben an einen anderen Grund für die Neuerung.

Die Grundschule Icking möchte ab dem kommenden Schuljahr die 1. und 2. Klasse dauerhaft zusammenfassen und sich für den Modellversuch "Flexible Schuleingangsphase" (Flex) des bayerischen Kultusministeriums in Kooperation mit der Stiftung Bildungspaket bewerben. Erst- und Zweitklässler lernen dabei in einer Klasse den Stoff der beiden Jahrgangsstufen und kommen je nach Lernschnelligkeit nach einem, zwei oder drei Jahren in die nächsthöhere Stufe.

Rechenschwäche 'Dyskalkulie'

Erst- und Zweitklässler sollen gemeinsam ein bis drei Jahre lernen und dann, wenn sie sich den nötigen Lernstoff angeeignet haben, in die dritte Klasse vorrücken. Das ist das Konzept des Modellversuchs "Flexible Schuleingangsphase".

(Foto: dpa/dpaweb)

Das Projekt läuft an 20 Schulen in Bayern und soll auf 60 weitere "Satellitenschulen" ausgeweitet werden. Außer Icking denkt laut Schulrätin Marianne Konrad eine weitere Schule im Landkreis darüber nach, sich zu bewerben. Der Ickinger Gemeinderat als Sachaufwandsträger stimmte bei seiner Sitzung am Montag geschlossen für den Modellversuch.

Nun hängt die Bewerbung noch von der Zustimmung des Elternbeirats am kommenden Donnerstag, 26. Januar, ab. Dessen Vorsitzende Kelly Wright signalisierte zwar Unterstützung, steht dem Projekt aber kritisch gegenüber und spricht von einer "Flucht nach vorne": "Wir machen aus der Not eine Tugend. Wir sehen, dass die Kombi-Klasse aus Spargründen entstanden ist." Rektor Anton Höck betont dagegen die Vorteile, die ein jahrgangsübergreifender Unterricht mit sich bringe: "Man muss Kindern das unterschiedliche Lerntempo lassen."

Im Flex-Modell erhalten die Grundschüler zusätzlich Differenzierungsunterricht. Laut Höck soll es neben der jahrgangsübergreifenden weiterhin eine reguläre 1. und 2. Klasse geben. Sehr begabte Kinder können im Flex-Modell nach einem Jahr in die dritte Stufe wechseln; Schüler, die sich mit dem Lernen schwer tun, bleiben drei Jahre in der Klasse. Das wird aber laut Schulrätin Marianne Konrad nicht auf die Pflichtschulzeit angerechnet.

Dass die individuelle Förderung der große Pluspunkt des Projekts sein soll, bezweifelt Kelly Wright: "Ich sehe keinen logischen Grund, warum die Differenzierung in einer Kombi-Klasse besser sein soll." Die Voraussetzung, um als Modellschule akzeptiert zu werden, erfüllt die Grundschule Icking: Seit 2010 ist dort die Kombi-Klasse für die ersten beiden Jahrgangsstufen Realität - zum Leidwesen einiger Eltern. "Wir würden diesen Weg ohne Finanzrestriktionen nicht gehen", sagt Kelly Wright.

Die Kombi-Klasse sei eine Sparmaßnahme, auch wenn man ein Argument gefunden habe, das für den jahrgangsübergreifenden Unterricht spreche. Sie betont aber auch: "Wir fahren in der Realität sehr gut damit, weil wir sehr kompetente Lehrerinnen haben, die den Stress auf sich nehmen." Schulrätin Marianne Konrad will das Flex-Modell hingegen nicht als Sparmaßnahme sehen - im Gegenteil: Für den Differenzierungsunterricht sei ein Zusatzlehrer notwendig, außerdem dürfe eine Kombi-Klasse maximal 25 statt 29 Schüler haben.

Gemeinderat Maximilian Kinkeldey, dessen Tochter die Kombi-Klasse besucht, betonte am Montag, dass die Kinder vom jahrgangsübergreifenden Unterricht profitieren können: "Ich finde die Zusammenfassung verschiedener Altersklassen wirklich positiv - auch wenn sie nicht unserer traditionellen Schulauffassung entspricht."