Artenschutz„Man sollte sich freuen, wenn Fledermäuse am Haus sind“

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Sigrid Bender ist Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Bad Tölz- Wolfratshausen und eine Expertin für Fledermäuse.
Sigrid Bender ist Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Bad Tölz- Wolfratshausen und eine Expertin für Fledermäuse. privat

Die Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz in Bad Tölz-Wolfratshausen und Fledermausexpertin Sigrid Bender fordert mehr Toleranz und den Erhalt von Quartieren für die bedrohte Tierart.

Interview von Baltasar Brembeck, Wolfratshausen

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Sigrid Bender ist nicht nur die Vorsitzende der Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen im Bund Naturschutz, sie ist auch eine Expertin für Fledermäuse. Die Tierärztin erklärt im Gespräch mit der SZ, warum sie die fliegenden Säugetiere mit der Hand aufzieht und was der Mensch tun kann, um die gefährdete Tierart zu schützen.

SZ: Frau Bender, haben Sie denn eine Lieblingsfledermaus?

Ich mag die Zweifarb-Fledermäuse sehr gerne. Die haben eine angenehme Größe und sind wegen des zweifarbigen Fells leicht zu erkennen. Für mich als Pflegerin der Fledermäuse sind die Tiere im Handling sehr lieb.

Handling? Sie nehmen die Fledermaus in die Hand, gibt es da kein Infektionsrisiko?

Als Tierärztin und Fledermauspflegerin kümmere ich mich um Fledermäuse und ziehe Jungtiere auf, da muss ich die Tiere natürlich anfassen. Infektionen sind bei Fledermäusen aber selten. Es gibt Fälle von Fledermaus-Tollwut. Da muss man aber wirklich von der Fledermaus gebissen werden. Die Tollwut wird nicht übertragen, indem man eine Fledermaus im Haus hat. Deswegen sollte man aber auch immer, wenn man ein verletztes Tier findet, Handschuhe tragen.

Als Tierärztin und Fledermauspflegerin zieht Bender auch Jungtiere auf. Hier eine Zwergfledermaus, die gerade geboren wurde.
Als Tierärztin und Fledermauspflegerin zieht Bender auch Jungtiere auf. Hier eine Zwergfledermaus, die gerade geboren wurde. privat

In Bayern sind 24 Fledermausarten bekannt. Alle gelten als gefährdet. Wodurch sind sie besonders bedroht?

Als reine Insektenfresser sind sie durch den Insektenschwund massiv bedroht. Wenn es kein Nahrungsangebot mehr gibt, können sie sich schlecht fortpflanzen. Das ist der Hauptgrund. Aber auch, weil die Quartiere verschwinden. Also etwa alte Gebäude oder Kirchendachstühle. Die werden oft abgedichtet oder abgerissen, damit keine Tauben hineinfliegen. Die natürlichen Quartiere wie Bäume mit Höhlen werden auch immer öfter gefällt.

Wo kommt die Fledermaus dem Menschen nahe?

In der Stadt trifft man typischerweise Zwergfledermäuse. Die leben gerne in menschlicher Nähe, also an Gebäuden, die Spalten zu bieten haben. Das können holzverkleidete Gebäude sein. Auf dem Land kann man die Rauhautfledermaus treffen. Die überwintert gerne in Holzstapeln vor dem Haus.

Kann der Mensch zum Schutz der Fledermaus beitragen?

Das kann er, indem er Quartiere erhält und ein wenig tolerant ist und sich sogar freut, wenn Fledermäuse am Haus sind. Natürlich ist es ärgerlich, wenn sich die Tiere oberhalb einer Terrasse einnisten und dann Kot auf die Terrasse fällt. Aber da sollte man nicht gleich versiegeln. Stattdessen kann man zum Beispiel auch ein Brett unter die Fledermäuse bauen, sodass der Kot auf dem Brett liegen bleibt. Man muss auch keine Angst haben, dass man sich mit Krankheiten ansteckt.

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