Süddeutsche Zeitung

Finanzgeschäfte im Landkreis:Sparkasse im Umbau

Das Kreditinstitut hält an seiner Neustrukturierung bis zum Jahr 2025 fest. In Bad Tölz wird heuer die Filiale in der Marktstraße geschlossen, in Geretsried die Zweigstelle Stein. Dafür entsteht jeweils ein neues Beratungscenter.

Die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen stellt sich neu auf. Unter der Überschrift "Sparkasse 2025" soll es neben dem Hauptsitz am Tölzer Bahnhof künftig sechs Beratungscenter, 13 Geschäftsstellen und neun Selbstbedienungsstellen mit Geldautomaten geben. Der Umbau, der mit Filialschließungen verbunden ist, begann 2018 und wird heuer konsequent fortgesetzt. Die Niederlassung an der Tölzer Marktstraße soll zum 1. August geschlossen werden, zuvor wird die Filiale an der Badstraße zu einem Beratungscenter ausgebaut. Das Gleiche geschieht in Geretsried. Dort macht die Sparkasse ihre Zweigstelle in Stein dicht und verwandelt dafür die Filiale an der Händelstraße in ein Beratungscenter.

In die Projekte investiert das Kreditinstitut rund 2,5 Millionen Euro. An den Umstrukturierungen bis 2025 halte man fest, sagte Renate Waßmer, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, beim Jahrespressegespräch in Bad Tölz. "Das ist unsere klare Aussage."

In die Beratungscenter (BC) sollen Kunden auch mit komplexen Anliegen kommen, beispielsweise bei Baufinanzierungen oder Wertpapiergeschäften. Die Sparkasse setzt dort mehr Personal ein, unter anderem spezialisierte Berater. Das größte BC befindet sich seit 1. April an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen, weitere gibt es in Lenggries und in Benediktbeuern. Gleich zwei erhält Geretsried. Das eine befindet sich an der Egerlandstraße, das andere nach dem Umbau an der Händelstraße, wo die zweistöckige Filiale um eine Etage aufgestockt werden soll. Die Eröffnung ist noch vor den Sommerferien geplant, die Aufstockung wird allerdings erst ein Jahr später beendet sein. In Geretsried habe man damit "zwei Flaggschiffe, weil sich die Stadt klar auf Wachstumskurs in der Bevölkerungszahl befindet", sagte Vorstandsmitglied Thorsten Straubinger.

In Bad Tölz sollen in der Filiale in der Fußgängerzone lediglich die Geldautomaten links im Eingangsbereich stehen bleiben. Die Räume der Sparkasse, die dahinter liegen, sollen künftig ein Einzelhandelsgeschäft beherbergen. Obwohl dieser Laden kaum Schaufensterflächen haben dürfte, gebe es schon "viele Nachfragen" berichtete Straubinger. Wer einziehen wird, stehe aber noch nicht fest. "Wir bringen viel Frequenz durch die Geldautomaten herein, das kompensiert das kleine Schaufenster", sagte Willi Streicher, Pressesprecher der Sparkasse.

Von den 13 Geschäftsstellen, wo die Mitarbeiter nur alltägliche Wünsche von Kunden bedienen, wurden Münsing, Königsdorf, Dietramszell und Egling nach dem Konzept "S-Heimat 4.0" für insgesamt eine Million Euro umgestaltet "Man sieht jetzt sofort die Menschen, es ist nicht so wie früher, wo der Schalter irgendwo ganz weit hinten war", resümierte Straubinger. Außerdem gibt es ein Beratungszimmer mit Sofa und einen Nachbarschaftstisch, den auch ortsansässige Vereine für ihre Treffen nutzen dürfen. Das Konzept kam in Münsing offenbar gut an. Bei einer telefonischen Umfrage unter etwa 500 Kunden bewerteten 88 Prozent die Umgestaltung mit guten bis sehr guten Noten, wie Straubinger berichtete. In den nächsten drei, vier Jahren sollen auch die anderen Geschäftsstellen umgemodelt werden, ausgenommen sind lediglich Jachenau und Walchensee.

Auf digitalem Weg ist die Sparkasse über immer mehr Kanäle zu erreichen: per Homepage, per Sparkassen-App, per "bevestor" für Wertpapiergeschäfte oder seit Kurzem auch per "Chat mit Linda". In allen Zweigstellen gibt es Wlan, das unabhängig vom Netz des Kreditinstituts ist, Rechnungen können via Fotoüberweisung bezahlt werden. Der Anteil der online genutzten Privatgirokonten liegt inzwischen bei 54,4 Prozent, 17,4 Prozent mehr als noch 2011. Bei Geschäftskunden beträgt diese Quote sogar 88,5 Prozent.

Mit den Geschäftszahlen zeigte sich Vorstandsvorsitzende Waßmer zufrieden. "Wir hatten wieder ein gutes Jahr, trotz anhaltender Niedrigzinsphase, trotz Regulatorik", bilanzierte sie. Die Bilanzsumme stieg um vier Prozent auf knapp 2,5 Milliarden Euro. Die Einlagen der Kunden nahmen um 3,2 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro zu, die Ausleihungen, sprich: Kredite, kletterten um 4,4 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro. Der Gewinn belief sich auf 2,91 Millionen Euro, etwa 240 000 Euro mehr als im Jahr zuvor. "Damit können wir unsere Eigenkapital stärken", erklärte Waßmer.

Die Firmenkredite umfassten 998 Millionen Euro, womit die Sparkasse mit einem Marktanteil von 40 Prozent der Platzhirsch im Landkreis ist. Die Wertpapierumsatz lag bei 137 Millionen Euro, die Baufinanzierungen im Neugeschäft bei knapp 150 Millionen. Überdies verkaufte die Sparkasse voriges Jahr 52 Immobilien, der Brutto-Umsatz betrug dabei 21,3 Millionen Euro. Angesichts der exorbitant hohen Preise für Häuser und Eigentumswohnungen im Landkreis meinte Straubinger: "Es wird immer schwerer, Immobilien zu finden und so zu finanzieren, dass der Kapitaldienst dauerhaft funktioniert."

Die Zahl der Mitarbeiter ist leicht von 460 auf 452 geschrumpft. Darunter befinden sich 30 Azubis. Noch finde man genügend guten Nachwuchs, sagte Waßmer. Die Bewerberzahl ist allerdings rückläufig. Für die Vorstandsvorsitzende hängt dies auch mit dem Imageschaden für die Banken durch die Finanzkrise 2008 zusammen. Außerdem, glaubt Straubinger, habe die Sparkasse ein angestaubtes Image bei jungen Leuten. "Wir müssen uns modern präsentieren", sagte er. Aber dies geschehe ja gerade. Stichwort: Sparkasse 2025.

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Quelle:
SZ vom 08.04.2019
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