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Filmprojekt :Aufstand der Sterne

Gymnasium Penzberg Filmprojekt

Penzberger Gymnasiasten haben mit ihrer Lehrerin Nadja Kranz (Mitte) einen Film gedreht (von links): Julius Hambrock, Hana Durakovic, Martin Schneider, Johanna Leppig, Helene Bertz und Emilia Hambrock.

(Foto: Manfred Neubauer)

Penzberger Gymnasiasten drehen einen Kurzfilm über Europa - und werden belohnt

Was passiert, wenn Europa nicht länger zusammenarbeitet und die Sterne der Europa-Flagge plötzlich verschwinden? Mit dieser Frage haben sich im vorigen Schuljahr sieben Schülerinnen und Schüler der achten Klasse des Penzberger Gymnasiums beschäftigt. Ihre Gedanken packten sie in einen englischsprachigen Kurzfilm mit dem Titel "The European Stars". Mittlerweile hat der Film, der auch auf Youtube zu sehen ist, bereits mehrere Preise gewonnen.

Auf dem Boden liegt ein blaues Tuch, darauf sitzen Jugendliche in gelben Oberteilen mit Pappsternen auf dem Kopf. Von den zwölf Sternen der europäischen Flagge sind hier sechs repräsentiert. Die Sterne sind mit der Situation auf dem zerstrittenen Kontinent sichtlich unzufrieden und beschließen: "We quit before they do!" Dann verlassen sie die Flagge. Die nächsten Szenen zeigen Reporter aus verschiedenen europäischen Ländern. "Die Sterne sind verschwunden", berichten sie. Dafür haben die Gymnasiasten den Satz auf sieben verschiedenen Sprachen gelernt. Um die Sterne wiederzufinden, müssen die Politiker endlich zusammenarbeiten.

Die Englisch- und Französischlehrerin Nadja Kranz hat zum dritten Mal mit ihren Schülerinnen und Schülern einen Film für den Bundeswettbewerb Fremdsprachen gedreht. Dieses Jahr haben sie den ersten Landespreis geholt, zudem haben sie beim europäischen Wettbewerb zum Thema "YOUrope - es geht um dich!" einen Bundes- und einen Landespreis gewonnen. Geld, Thermoskannen und Büchergutscheine konnten die glücklichen Jugendlichen mit nach Hause nehmen.

Dass man etwas gewinnen könne habe sie von Anfang an motiviert, bei dem freiwilligen Projekt mitzumachen, sagt Julius Hambrock, einer der Gymnasiasten. Wie seine Mitschüler hat er einige Stunden seiner Freizeit investiert. Von der Ausarbeitung der Idee bis hin zum Feinschliff ist alles selbst gestaltet und selbst organisiert. Emilia Hambrock und Johanna Leppig haben das Drehbuch geschrieben. Anschließend wurde der Film an sechs Nachmittagen im Klassenzimmer gedreht. Um den Schnitt hat sich Hana Durakovic gekümmert, die zuvor schon eigene Fan-Edits zusammengestellt hat. Finanziell unterstützt wurde die Gruppe vom Förderverein des Gymnasiums, der 1500 Euro für Kamera, externe Mikros und Stativ ausgegeben hat. Das Equipment kann jetzt auch von anderen Lehrern benutzt werden; die Jugendlichen, die im Umgang geübt sind, werden ihnen eine kleine Einführung geben.

Im September durften die Penzberger nach Berlin auf das REC internationale junge Filmfestival fahren, wo sie ihren eigenen Film zeigen und die der anderen Städte anschauen konnten. Workshops, eine Stadtführung und Restaurantbesuche standen auf dem Programm in der Hauptstadt. Dazu eingeladen hatte die Berliner Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, die Stadt Penzberg kam für die Fahrtkosten auf. So werde die Beziehung zwischen den Partnerstädten Penzberg und Berlin Tempelhof-Schöneberg gepflegt, erklärt Bürgermeisterin Elke Zehetner.

Zwar haben die Jugendlichen ein paar Unterrichtsstunden verpasst, aber das dürfte sich an anderer Stelle mehr als ausglichen haben. Nicht nur schauspielerische Qualitäten konnten sich die jungen Filmemacher durch das Projekt erarbeiten, auch die Fähigkeit, laut und deutlich zu reden und selbstbewusst vor einer Zuhörerschaft zu stehen, haben sie trainiert. Johanna Leppig erzählt, dass sie nun vor mündlichen Englisch-Tests nicht mehr so aufgeregt sei. Und auch für Schulleiter Bernhard Kerscher ist klar: "Beim Projekt haben die Schülerinnen und Schüler mehr gelernt als in der Unterrichtsstunde." Auch in diesem Schuljahr wird Nadja Kranz wieder ein Filmprojekt starten, angedacht ist das Thema Menschenrechte.

In so einem Projekt stecke viel "Schweiß und Kreativität", sagt Schulleiter Kerscher. Die Jugendlichen müssten nicht nur technische Herausforderungen meistern, sondern auch gut zusammenarbeiten.

So wie die Politiker in Europa. Auch sie schaffen es im Kurzfilm schließlich, sich gegenseitig zu unterstützen. Die Sterne sind von der Solidarität und ihrem Teamgeist beeindruckt. Und so füllt sich am Ende auch wieder das blaue Tuch: "The stars are back."