Feuerwehr Bad Tölz-Wolfratshausen:Cool bleiben bei 600 Grad

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Feuerwehr Bad Tölz-Wolfratshausen: In Bayern gibt es einen Brandübungscontainer, den die Kreisbrandinspektion in der vergangenen Woche nach Wolfratshausen geholt hat. Dort konnten Atemschutzgeräteträger unter realen Bedingung dem Feuer trotzen.

In Bayern gibt es einen Brandübungscontainer, den die Kreisbrandinspektion in der vergangenen Woche nach Wolfratshausen geholt hat. Dort konnten Atemschutzgeräteträger unter realen Bedingung dem Feuer trotzen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

In einem speziellen echtholzbefeuerten Container sollen 64 Atemschutzgeräteträger aus dem Landkreis ein Gefühl dafür kriegen, was bei Brandeinsätzen auf sie zukommt. Eine realitätsnahe Erfahrung.

Von Eva Brandl

Die Szene mutet an wie aus einem Katastrophenfilm: Feuerwehrleute mit speziellen Anzügen und Helmen, Atemschutzgeräten und Flaschen am Rücken, die sicherstellen, dass sie genug Luft bekommen, machen sich bereit in ein Inferno. Sie müssen gleich in einen engen Raum, in dem Flammen lodern und die Hitze unerträglich wird. "Näher kann man die Realität nicht bringen", sagt Armin Pawliczek, Kreisbrandmeister Atemschutz. Denn bei der Szene handelt es sich um eine Übung in einem speziellen Container, den es nur einmal in Bayern gibt und der Feuerwehr-Mitgliedern erlaubt, sich fortzubilden. Fünf Tage lang stand dieser am Klärwerk in Wolfratshausen. 64 ehrenamtliche Atemschutzgeräteträger aus dem Landkreis konnten so praxisnahe Erfahrungen für zukünftige, reale Einsätze machen.

Am letzten Tag der Schulung am Freitag hat die Kreisbrandinspektion Bad Tölz-Wolfratshausen die Presse eingeladen. Wofür der rote Container dient, der da auf dem Gelände des Klärwerks zwischen den großen Becken der Anlage steht, ist nicht auf den ersten Blick erkennbar. Bei näherem Betrachten fallen jedoch die schwarzen Brandspuren an den Wänden auf. Ein erster Indikator, was sich in seinem Inneren gleich noch abspielen wird.

Im Inneren erreicht die Box durch die offenen Flammen nämlich schnell an die 400 bis 600 Grad Celsius. Die Temperaturen sind jedoch sogar noch vergleichsweise niedrig - denn der Raum kann bei einem Zimmerbrand der Feuerwehr zufolge bis zu 1200 Grad Celsius heiß werden, und der Rauch noch dichter. Für die Temperatur im Container werden nur zwölf Quadratmeter Holzplatten benötigt, ein Volumen, das "keinem Wohnzimmerstuhl" entspricht, meint Pawliczec.

Feuerwehr Bad Tölz-Wolfratshausen: Die Hitze- und Rauchentwicklung war realitätsnah.

Die Hitze- und Rauchentwicklung war realitätsnah.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die acht Feuerwehrleute dieser Übungsrunde und ihr Ausbilder Steven Bokemper verbringen etwa eine halbe Stunde in "der Spaßbox", wie Pawliczec sie scherzend nennt. Der Rauch, sowie die Hitze intensivieren sich in dieser Zeit enorm. Die Flammen lodern hinter den Atemschutzgeräteträgern und immer dunkler werdende Rauchschwaden ziehen pausenlos aus dem Container. Die Sicht verschlechtert sich dadurch für Retter bis gar nichts mehr zu erkennen ist. Die Feuerwehrleute können sich in dem ohnehin dunklen Container dann nur noch vortasten. Mit hörbar höherer Atemfrequenz verlassen die Teilnehmenden schließlich den Container, die Übung ist erfolgreich abgeschlossen.

Diese Schulung unter realen Bedingungen "schließt den Kreis mit der Ausbildung", sagt Pawliczec, sie führe "Schulisches und Praktisches zusammen". Genau deshalb stelle sie eine unschätzbare Erfahrung dar, welche die Ausgebildeten auf den Ernstfall vorbereite. In der sicheren Übungsatmosphäre haben sie ihm zufolge die Möglichkeit, verschiedene Brandphasen zu beobachten, Gefahrensituationen zu beurteilen und ihre eigenen Grenzen kennenzulernen.

Dies sieht auch Löschmeisterin Manuela Seidl (41) aus Oberfischbach im Rückblick als großen Vorteil. Es sei ein sehr guter Einstieg, um zu erkennen, wie weit man gehen kann und will. Ihrer Meinung nach wäre es sogar sinnvoll, eine Übung dieser Art als Pflichtteil der bisher 28-stündigen Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger mit aufzunehmen. Die Teilnehmenden bewerten den Tag grundsätzlich als vollen Erfolg und zeigen sich dankbar für die aufschlussreiche Erfahrung. Anspannung und Respekt waren für sie jedoch auch Teil der Erfahrung. Als das erste Mal die Nebelwand vor ihre Maske zog, dachte Seidl: "Lange darf das nicht dauern." Da helfe nur der Gedanke: konzentrieren und ruhig atmen. Es helfe auch zu wissen, nicht alleine zu sein, was glücklicherweise im Einsatz nie der Fall sei.

Die hohen Temperaturen scheinen die Fortzubildenden ebenfalls nachhaltig geprägt zu haben. Bei der Nachbesprechung fällt der Begriff Hitze mehr als einmal. Und auch Manuela Seidls erste Antwort auf die Frage, wie es gewesen sei, lautet schlichtweg "warm".

Die Übung sollte "die Angst vor dem Feuer nehmen, Respekt und gesunder Menschenverstand sollen bleiben", fasst Ausbilder Bokemper von der Bergfeuerwehr ZF Friedrichshafen AG Schweinfurt den Zweck zusammen. Die Atemschutzgeräteträger im Landkreis sind nicht nur bei Bränden im Einsatz, sondern würden auch im Falle von Schadstoffaustritten gebraucht. Auch deshalb sind realitätsnahe Übungen außerordentlich wichtig, betont die Kreisbrandinspektion. Zurzeit wird über die zukünftige Finanzierung des in Bayern einmaligen Brandübungscontainers diskutiert. Nach seiner Station in Wolfratshausen ist die Feuerwehr-Wolfratshausen jedenfalls von seiner Notwendigkeit überzeugt.

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