Er ist erst 25 Jahre alt, aber bereits seit zwölf Jahren politisch aktiv. Felix Leipold war 13, als er in den Jugendbeirat des Geretsrieder Stadtrats berufen wurde. Zwei Frauen hatten die Idee, ihm diese Chance zu geben: die damalige Bürgermeisterin Cornelia Irmer und Stadträtin Sonja Frank. Beide gehören den Freien Wählern (FW) an. Mitgliedern dieser politischen Gruppierung fühlte sich der junge Mann schon früh persönlich verbunden. Mittlerweile ist er nicht nur Mitglied der Freien Wähler, sondern startet dort auch eine berufliche Karriere.
Leipold erinnert sich an Auftritte des Dritten Bürgermeisters Robert Lug von den Freien Wählern bei Veranstaltungen an seiner Mittelschule: „Er ist immer zu uns Schülern gekommen und war am coolsten.“ So sei für ihn als 15-Jährigen schon „die Richtung klar“ gewesen, sagt er heute, da er für die Freien Wähler im Stadtrat sitzt, das Amt des Geretsrieder Jugendreferenten innehat und nebenberuflich als persönlicher Referent von Florian Streibl tätig ist. Derzeit arbeitet er nur ein paar Stunden pro Woche im Oberammergauer Abgeordnetenbüro des Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler im Landtag. Doch die Richtung ist klar: „Ich ziehe in Erwägung, es im Laufe des nächsten Jahres in Vollzeit zu machen.“ Dafür würde er seinen Job als Morgen-Nachrichtenmann bei Radio Charivari, den er sehr liebe, aufgeben. Leipold ist gelernter Verwaltungswirt, war bereits bei der Stadt München als Beamter angestellt, verzichtete aber nach zwei Jahren zugunsten des Radios auf den Staatsdienst.
„Korrekt und Social-Media-affin“
„Wir kommen super klar, wir vertrauen uns“, sagt Leipold über sein Verhältnis zu Streibl. Ihn betrachte er „als Lehrmeister“. Denn er gewähre ihm Einblick in die politischen Abläufe, im Landtag und in der Koalition der Freien Wähler mit der CSU. Er erfahre so, wie wichtig Hintergrundgespräche seien, wie viel Arbeit dahinterstecke, wenn eine Resolution oder ein neues Gesetz auf den Weg gebracht werde. Streibl lobt die „korrekte Art“ seines jungen Mitarbeiters. Und er schätze es, dass Leipold „Social-Media-affin“ sei, so sagt er.
Leipold, der 2015 erstmals in den Geretsrieder Jugendrat – das demokratische Nachfolgegremium des Jugendbeirats – gewählt wurde, wirkte von jeher sehr ambitioniert. Auf die Frage der SZ nach seinen Zielen erklärte er seinerzeit: 2020 wolle er es in den Stadtrat schaffen und 2026 als Bürgermeister gewählt werden. Nur zu gern hätte er damals auch eines der Jugendratsämter – Sprecher, Kassen- oder Schriftführung – übernommen. Er begründete das mit seiner Erfahrung aus dem Jugendbeirat: „Ich weiß halt, wie der Hase läuft.“ So kandidierte er für alle Positionen, fand aber in keinem Fall eine Mehrheit. Inhaltlich setzte er sich etwa für mehr öffentliche Plätze ein, auf denen sich Jugendliche aufhalten können, ohne verscheucht zu werden.
Heute erklärt Leipold, „das Kommunale“ habe ihn von jeher interessiert. Der Vertriebenenstadt Geretsried fühle er sich verbunden, weil seine Urgroßeltern nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Egerland hierherkamen. „Mein Opa war damals vier Jahre alt. Er hat mir sehr viele Geschichten erzählt.“
„Das sind alles anständige Leute“
Sein erstes Ziel, 2020 in den Stadtrat zu kommen, erreichte er problemlos – über die FW-Liste. Er habe sich vor der Kommunalwahl zwar auch bei der SPD umgetan, doch festgestellt, bei den Freien Wählern, die er einen „bunten jungen Haufen“ nennt, herrsche „am meisten Aufbruchstimmung“. Eine Kandidatur für die CSU hatte er nicht ins Auge gefasst. Er sagt, er sei „kein großer Fan der CSU“. Aber er hat sich damit arrangiert, dass die Freien Wähler mit der CSU zusammenarbeiten, was sich bei der Konstituierung des Stadtrats 2020 in der Wahl der stellvertretenden Bürgermeister zeigte. Da ließ die CSU den zuvor unterstützten SPD-Kandidaten Hans Hopfner zugunsten der FW-Bewerberin Sonja Frank fallen und sicherte sich somit das Wohlwollen der Fraktion. „Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden“, sagt Leipold dazu.
Er befürwortet auch die Koalition der Freien Wähler mit der CSU auf Freistaatsebene. „Das passt ganz gut“, sagt er, es „funktioniere“ doch in Bayern alles. Als Referent Streibls habe er kürzlich den CSU-Fraktionsvorsitzenden Klaus Holetschek kennengelernt: „Das sind alles anständige Leute.“
Diese Kontakte, die politischen Beziehungen und dass er dabei eine Rolle spielt – all dies macht ihm offenbar großen Spaß. „Ich finde es gut, dass man auf Landesebene die Verbindung zur kommunalen Ebene pflegt“, sagt er. Streibl sei mit allen Bürgermeistern, Stadt- und Gemeinderäten der Freien Wähler in seinem Stimmkreis vernetzt: „Das finde ich schon cool.“ Und: „Alle Bürgermeister im Landkreis haben meine Handynummer.“ Sie kennten ihn, wüssten, er sei „der Felix“, riefen ihn an, wenn sie etwas von Streibl brauchten: „Es ist mir wichtig, dass man keine Nummer ist.“
Unbedingt gute Stimmung also unter Parteifreunden? Kurz wenigstens war sie getrübt. Im Geretsrieder Ortsvorstand der Freien Wähler, so berichtet Leipold, habe es „kritische Stimmen“ zum Landesvorsitzenden und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gegeben. Leipold nennt nur die Stichworte „Erding“ (dort hatte Aiwanger gesagt, die schweigende Mehrheit müsse sich „die Demokratie zurückholen“) und „die Flugblatt-Geschichte“ (Aiwanger hatte als junger Mann ein ekelhaftes antisemitisches Flugblatt im Ranzen). „Ich hatte auch Kritik an ihm“, sagt der 25-Jährige, da sei einiges „Scheiße gelaufen“.
Gaudi mit Hubert Aiwanger
Doch dann holte Streibl Aiwanger zu einem Gespräch mit den Geretsrieder Parteifreunden. Und nach „einer Stunde hinter verschlossenen Türen“, so Leipold, könne man wieder gut miteinander. Mehr noch. In einer Pressemitteilung schrieb der junge Mann, im Anschluss seien die Mitglieder mit Aiwanger und Streibl ins Festzelt auf dem Geretsrieder Waldsommer gegangen. „Beim gemeinsamen Mittagessen hat man miteinander gesprochen, gelacht und Spaß gehabt. Die ein oder anderen Aiwanger-Fans im Festzelt haben sich die Chance auf ein gemeinsames Foto nicht nehmen lassen.“ Er selbst übrigens auch nicht. Sein Fazit: „Wir haben viel gelacht und Gaudi gehabt!“


So versöhnt mit den Parteigranden darf Leipold vermutlich auf Unterstützung hoffen, sollte er eines Tages für den Landtag kandidieren. Und nicht, wie er es als Teenager vorhatte, fürs Geretsrieder Bürgermeisteramt. Will er denn Abgeordneter im Maximilianeum werden? „Wenn meine Zeit gekommen ist, dann schon“, formuliert er sibyllinisch. Soll heißen: Derzeit säßen doch alle Abgeordneten „fest drin“, da komme für ihn „eine Kampfkandidatur“ nicht infrage; er wolle „niemanden hinausjagen“. Doch falls er eines Tages gefragt werde, wolle er kandidieren: „Ich bin der Letzte, der Nein sagt.“
