Die Stadt Geretsried hat einen weiteren Schritt hin zur Auszeichnung als „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“ gemacht. Eine Fachkommission hatte Ende Juni den aktuellen Stand des Radverkehrs dokumentiert und Handlungsempfehlungen für die kommenden Jahre ausgesprochen. Mobilitätsmanagerin Alexandra von Alvensleben stellte die Ergebnisse jetzt im Stadtrat vor.
Zum Verfahren: Die Zertifizierung als fahrradfreundliche erfolgt in einem zweistufigen Verfahren, das die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK) steuert. In der sogenannten Vorbereisung prüft eine Fachkommission den Ist-Zustand und formuliert Handlungsempfehlungen. Bei der folgenden Hauptbereisung wird schließlich beurteilt, ob die Stadt die Anforderungen erfüllt hat.
Vorbereisung in Geretsried
Wie von Alvensleben erläuterte, radelte die Kommission zunächst 8,4 Kilometer durch das Stadtgebiet, um die bestehende Infrastruktur für den Radverkehr zu überprüfen. Die Gruppe bestand aus Vertretern der AGFK und kommunalen Akteuren. „Die ADFC-Ortsgruppe hat uns hier sehr unterstützt. Die Polizei, die Leitung des Bauamtes, der Fachbereich Verkehr und Umwelt – alle waren dabei“, sagte von Alvensleben. Danach stellte die Stadtverwaltung der Arbeitsgemeinschaft ihre bisherigen Maßnahmen vor. „Die Kommission hat dann nach dem Termin festgestellt, dass wir die Erfordernisse der Aufnahme erfüllen, und seit dem 1. Juli 2024 ist jetzt die Stadt Mitglied der AGFK.“

Die Fachkommission formulierte klare Handlungsempfehlungen, die Geretsried bis zur Hauptbereisung umsetzen soll. „Vor uns liegen jetzt vier Jahre, um das umzusetzen, was man uns empfohlen hat“, sagte von Alvensleben. Dazu gehöre die Erstellung eines Mobilitätskonzepts mit konkreten Maßnahmen. Ein zentrales Ziel sei, den Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr auf mindestens fünf Prozent innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre zu erhöhen.
Die Kommission empfahl auch eine verbesserte Radnetzplanung, die den innerörtlichen Verkehr durch Haupt- und Nebenrouten effizienter gestaltet. Zudem solle die Wegweisung im Stadtgebiet überprüft und ergänzt werden. Die Kontrolle von Markierungen und Vorfahrtsregelungen gehöre ebenso zu den Empfehlungen der Kommission wie Sichtbarkeitsmaßnahmen – etwa die Einführung von Fahrradstraßen oder -zonen, so von Alvensleben.
Ein wichtiger Vorschlag sei die Verbesserung des Baustellenmanagements, um sicherzustellen, dass Radfahrende nicht durch Umwege oder Gefahrenstellen beeinträchtigt werden. Auch der lokale Einzelhandel und Gewerbebetriebe sollten in den Prozess eingebunden werden, etwa durch die Zertifizierung als „fahrradfreundliche Arbeitgeber“. Zudem solle der Winterdienstplan für Radwege zugänglich gemacht werden, damit die Bürger informiert bleiben.
Lob und Anerkennung
Die Kommission lobte das Engagement der Stadt deutlich. Im Bericht werden der Beschluss zum Umweltverbund im Rahmen des Mobilitätskonzepts und die 2022 eingerichtete Mobilitätsstelle, die mit einem „angemessenen Budget“ ausgestattet sei, positiv hervorgehoben. Auch die Machbarkeitsstudie zur Radverbindung Nord-Süd sowie die enge Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen und die Bürgerbeteiligung werden als wichtige Schritte anerkannt.
Sollte Geretsried die Hauptbereisung erfolgreich bestehen, könnte die Stadt bis spätestens 2029 die Auszeichnung als „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“ erhalten. Dieser Titel gilt für sieben Jahre, bevor eine Rezertifizierung ansteht. „Ich bin überzeugt, dass wir mehr Bürgerinnen und Bürger aufs Rad bekommen, wenn die Radwege noch sicherer werden“, erklärte von Alvensleben.

