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Experten warnen:Große Gefahr durch Nassschnee und Wind

Schwer lastet die weiße Pracht wie hier in Bad Heilbrunn auf Dächern und Bäumen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Ein Baum erschlägt einen Tourengeher am Blomberg. Bis Freitag fällt der Unterricht aus. Katastrophenfall in Miesbach

Der Wintereinbruch mit schweren Schneemassen und starken Windböen hat ein zweites Todesopfer im Landkreis gefordert. Am Samstag war ein 19-jähriger Waakirchner auf der Bundesstraße 472 bei Reichersbeuern bei einer Kollision gestorben. Am Sonntag wurde ein 44-jähriger Tourengeher am Blomberg von einer herabstürzenden Baumkrone erschlagen. Am Brauneck wurde ein Variantenfahrer gegen Mittag von einer Lawine verschüttet, überlebte aber unverletzt. Behinderungen gab es am Montag noch im Bahn- und Straßenverkehr. An den staatlichen Schulen fällt der Unterricht laut Landratsamt bis einschließlich Freitag aus.

Der Nachbarlandkreis Miesbach hat den Katastrophenfall ausgerufen.

Selbst bei der derzeit großen Lawinengefahr mit Warnstufe Vier gilt der Blomberg als sicher. Doch der schwere, nasse Schnee und starke Windböen machen die Lage kritisch. Der Wirtschaftsweg zum Blomberg ist wegen Lebensgefahr gesperrt. Am Sonntag war ein 44-jähriger Penzberger Familienvater gegen 16 Uhr allein am Weg im Wald aufgestiegen. Nur 100 Meter von der Wackersberger Alm entfernt brach die Krone einer Fichte im Sturm ab und traf den Tourengeher am Kopf - so schwer, dass er an den Verletzungen starb. Eine nachfolgende Gruppe von Tourengehern alarmierte die Rettung und versuchte den Mann noch vergeblich zu reanimieren.

Als sehr gefährlich schildert Horst Stahl von der Tölzer Bergwacht die Lage. "Es war ein heftiger Sturm, Bäume waren reihenweise umgefallen", sagt er am Montag. Die Rettungskräfte - die Tölzer und die Lenggrieser Bergwacht sowie die Feuerwehren aus Bad Tölz und Wackersberg - hätten sogar überlegt, den Einsatz abzubrechen.

Etwa ein Meter Schnee liegt nach Stahls Einschätzung am Unglücksort auf 1200 Metern Seehöhe. Die momentane Situation beurteilt er kritisch. Der feuchte Schnee laste so schwer auf den Bäumen, dass diese leicht abbrechen könnten. "Ich würde diese Woche lieber darauf verzichten in den Wald zu gehen", rät Stahl.

Bergwachteinsatz am Blomberg (6. Januar 2019)

Rettungskräfte der Bergwacht aus Lenggries und Bad Tölz waren am Sonntag am Blomberg im Einsatz. Im Sturm hatte eine Baumkrone einen Tourengeher erschlagen. Auch die Feuerwehr half aus.

(Foto: Bergwacht Lenggries/oh)

Am Brauneck hatte ein Skifahrer am Sonntag Glück. Gegen 12 Uhr fuhr der 31-jährige Gmunder in einen steilen Hang am Gipfelgrat abseits der Piste ein. Der Mann löste eine Lawine aus, wurde 120 Meter mitgerissen und 1,20 Meter tief verschüttet. Einsatzkräfte der Lenggrieser und Tölzer Bergwacht konnten ihn nach 25 Minuten unverletzt bergen. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Dem Verunglückten gehe es "gut", sagt Christoph Brenninger von der Bergwacht Lenggries.

Der Skifahrer war mit zwei Freunden, 26 und 28 Jahre alt, unterwegs. Er fuhr als erster in den 45 bis 35 Grad steilen Hang ein. Die zwei Begleiter alarmierten die Rettungskräfte. Beide hatten Lawinensicherheitsausrüstung bei sich, der Verunglückte nicht. In einen steilen Hang bei Lawinenwarnstufe Vier einzufahren, sei unverantwortlich, schildert Brenninger. Dort könnten sich Lawinen auch von selbst lösen.

Unterbrochen blieb die Bahnverbindung der S 7 zwischen Icking und Wolfratshausen. Am Sonntag war ein Baum ins Gleis gestürzt. Ein Zug war aufgefahren, es gab laut einem Bahn-Sprecher jedoch keine Verletzten. Ein Ersatzverkehr wurde eingerichtet. Wann die Strecke wieder freigegeben wird, war am Montagnachmittag noch unklar. Der Baum habe auch die Oberleitung beschädigt, sagt der Bahn-Sprecher. Derzeit gebe es Erkundungsfahrten auch auf dem Netz der Bayerischen Oberlandbahn (BOB). Auf deren Strecke stehen die Züge nach Bad Tölz und Lenggries still. Wann der Zugverkehr wieder aufgenommen werde, konnte ein BOB-Sprecher am Montagnachmittag ebenfalls nicht sagen. Bis Holzkirchen führen aber Züge, auch die Verbindung nach Tegernsee sei offen.

Bis auf weiteres dürfte die Jachenau nur noch über den Walchensee und die Süduferstraße erreichbar sein. Laut Lars Werner von der Tölzer Polizei bleibt die Staatsstraße 2072 von Lenggries in die Jachenau zwischen Langeneck und Letten voraussichtlich noch bis Ende der Woche gesperrt. Die umgestürzten Bäume zu entfernen, sei derzeit zu gefährlich. Wegen Lawinengefahr gesperrt bleibt die Bundesstraße 307 zwischen Sylvensteindamm und Kaiserwacht sowie die Straße von Vorderriß nach Wallgau.

Vor allem im Gemeindegebiet von Dietramszell und Egling musste die Feuerwehr wegen umgestürzter Bäume am Montag noch ausrücken. Wie der neue Kreisbrandrat Alfred Schmeide schildert, habe es von Samstag bis Sonntag die meisten Unfälle gegeben. Derzeit habe sich die Situation etwas entspannt. Doch weitere Schneefälle sind schon für diesen Dienstag angekündigt.