Über Landesgrenzen hinweg gemeinsam lernen, tüfteln und erste Einblicke in die Arbeitswelt erhalten: Dies sind die Ziele der Projekte „Grenzenlos MINT“ und „Grenzenlos digital“. Dass junge Menschen Berufe im Klima- und Umweltschutz sowie im digitalen Bereich kennenlernen dürfen, ist einer Kooperation zwischen Deutschland und Österreich im Rahmen der Euregio des Bezirks Schwaz und der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach (SBM) zu verdanken. Bei einem Treffen in Bad Tölz stellten die Beteiligten vor 70 Teilnehmern Best-Practice-Beispiele vor.
Eine Euregio ist ein Zusammenschluss von mehreren europäischen regionalen Gebietskörperschaften über Grenzen hinweg. Die Euregio SBM ist die jüngste ihrer Art. Von der EU gefördert, unterstützt sie regionale Akteure bei der grenzüberschreitenden Vernetzung und Umsetzung gemeinsamer Vorhaben. 2,6 Millionen Euro Interreg-Förderung hat sie seit ihrer Gründung 2020 eingeworben. Umgesetzt wurden unter anderem Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs zwischen dem Oberland und Tirol oder „Almenreich“ zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses zwischen Almwirtschaft und Naturschutz, ebenso die Studie „Mobilität im Rißtal 2.0“. Die einzelnen Projekte firmieren unter den Schlagworten „Nachhaltiger Tourismus“, „Umweltschonende Mobilität“ und „Neues Arbeiten“.

„Andere Euregios gab es teils schon seit 25 Jahren“, sagte Ines Leister, die die Geschäftsstelle der Euregio SBM leitet. Mit dem Lückenschluss zwischen Schwaz, Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen sei nun die gesamte Grenzregion mit den grenzübergreifenden Zusammenschlüssen durchzogen. Der Gründung vorausgegangen sei eine „jahrzehntelange gute Zusammenarbeit“, sagte sie weiter, beginnend mit der „Tegernseer Erklärung“ im Jahr 1998. Daraus sei das Paradebeispiel der grenzüberschreitenden Kooperation schlechthin entstanden, der Radweg München-Venedig. Dieser sei bis heute von großer Bedeutung, betonte Andreas Wüstefeld, Chef des Tölzer-Land-Tourismus. „Über ein Zählsystem wurden an der Strecke rund 55 000 nächtigende Radfahrer registriert“, sagte er. „Es ist also eine ordentliche Wertschöpfung, die da am Wegesrand bleibt.“

Aus allen drei Gebieten kamen Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft im Tölzer Technologietransferzentrum „Tizio“ zu einem Netzwerktreffen zusammen. Simon Werther von der gastgebenden Hochschule München (University of Applied Sciences, Fakultät Tourismus) berichtete über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik im Tourismus. In diesem Bereich gebe es „spannende Einsatzgebiete“, sagte der Professor. Roboter könnten Aufgaben im Service übernehmen, etwa Minibars auffüllen oder im Gastrobereich bedienen. Es gehe um eine Entlastung bei Routinearbeiten, so Werther. Das würde Gastgebern und Mitarbeitenden wiederum Luft verschaffen für wichtigere Aufgaben wie kreative und soziale Tätigkeiten. Aber auch wenn Robotik und KI in Zukunft verstärkt im Tourismus eingesetzt würden, werde sich an einem nichts ändern: „Wir Menschen schaffen die Erlebnisse.“ Empathie und soziales Miteinander könnten nicht ersetzt werden. Technologien dürften kein Selbstzweck sein, sie müssten stets den Menschen dienen.

Ein abgeschlossenes Projekt stellte Vanessa Färber vom Verein „klasse!forschung“ aus Tirol vor. Zusammen mit dem Verein „FabLab Oberland“ koordinierte sie „Grenzenlos Mint“. Dabei geht es um praxisnahe Berufserfahrung für junge Menschen – letztlich mit dem Ziel, dem akuten Fachkräftemangel im Bereich der Naturwissenschaften und Technik gegenzusteuern. Vor allem in den „Mint“-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) fehlt es an Nachwuchs. Mehr als 98 400 Euro sind in das Projekt, an dem hauptsächlich Jugendliche ab 13-Jahren teilnahmen, geflossen. Mehr als 800 Schülerinnen und Schüler arbeiteten in 47 Kursen in fünf Modulen (Wasseranalyse, Klimalabor, Solarlampen, Bionik und Ressource Holz) zusammen.
Es gibt bereits ein Nachfolgeprojekt namens „Grenzenlos digital“, das Sebastian Finkl vom „FabLab“ präsentierte. Dabei geht es um eine Berufsorientierung für Jugendliche ab 15 Jahren. Schwerpunkt sind die Themen KI und Robotik. Finkl wünscht sich für den Erfolg des Projekts eine stärkere Kooperation mit regionalen Unternehmen. Die Jugendlichen sollen unter anderem eine „App selbst bauen“. Bis zu 30 Schülerinnen und Schüler können sich beteiligen.
Der zweite Kurs widmet sich der Robotik. Die Jugendlichen sollen Programmieren lernen und auch den Umgang mit der erforderlichen Hardware. „Wir suchen noch Schulen und Unternehmen, die interessiert wären, daran teilzunehmen“, sagte Finkl.

