Süddeutsche Zeitung

Eurasburg:Vorbildliche Ausbilder

Der Dörte-Sambraus-Preis geht an zwei Handwerker, wird aber erst 2021 verliehen

Von Benjamin Engel, Eurasburg

Wie wichtig es ist, dass Unternehmen Jugendlichen die Chance für eine Berufsausbildung geben, wird besonders in diesen Pandemie-Zeiten deutlich. So zählen Zöglinge aus dem Eurasburger Kinderheim Inselhaus inzwischen zu geschätzten Mitarbeitern des Königsdorfer Sicht- und Sonnenschutzproduzenten Manfred Müller sowie des Pullacher Schreiners Michael Horn.

Für ihre Ausbildungsarbeit bekommen beide Unternehmer den Dörte-Sambraus-Preis. Die inzwischen zum 25. Mal verliehene Auszeichnung erinnert an die frühere Gründerin der Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe. Die Alexander Brochier Stiftung hat den Preis im Jahr 1996 ins Leben gerufen. Bis die neuen Preisträger die Auszeichnung in Händen halten können, wird es aber noch dauern. Die Verleihungszeremonie ist wegen der Pandemie um ein ganzes Jahr auf November 2021 verschoben worden. Das hat die Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe so entschieden, wie deren Sprecherin Elke Burghardt mitteilt.

Als Garagenfirma hat Müller seinen Betrieb für Sicht- und Sonnenschutz vor 15 Jahren in Königsdorf gegründet. Später zog er an den heutigen Standort an der Beuerberger Straße 80 um. Im Jahr 2010 gab er einer Gesellin, die im Kinderheim Inselhaus aufgewachsen ist, einen Ausbildungsplatz. "Jetzt ist sie die Mitarbeiterin, die bereits am Längsten bei uns ist - und ich will sie nicht mehr missen", wird der 37-jährige Müller in der aktuellen Inselhaus-Zeitung zitiert.

Zu erfahren ist dort auch, dass für den Königsdorfer Schulnoten nicht entscheidend für die Besetzung einer Ausbildungsstelle sind. Für ihn zählten vor allem die Geschicklichkeit und die Teamfähigkeit des Lehrlings, so heißt es.

Gerade diese Philosophie macht Müller wohl zu einem idealen Aspiranten für den Dörte-Sambraus-Preis. Mit dieser Auszeichnung werden Privatpersonen und Firmen geehrt, die sich auf außergewöhnliche Weise für Kinder und Jugendliche engagieren. So handelt auch der aktuell zweite Preisträger Michael Horn. Der 50-jährige Iffeldorfer betreibt seine Schreinerei-Werkstatt in Pullach (Landkreis München). Sein insgesamt fünfter Lehrling war von September 2015 an ein Eurasburger Inselhaus-Zögling. Damals begann dieser eine dreijährige Ausbildung zum Holzbearbeiter. Bis heute ist der junge Mann im Betrieb von Horn beschäftigt. "Es passt einfach", wird der frühere Auszubildende in der Inselhaus-Zeitung zitiert.

Als Praktikant hatte der Inselhaus-Bewohner in Horns Schreinerei erst einmal mehrere Wochen zu arbeiten begonnen. Schnell habe sich gezeigt, dass der Jugendliche geschickt mit Holz umgehen konnte. Außerdem habe sich dieser sich auch mit seinem Chef Horn persönlich gut verstanden. "Besser hätte ich es nicht treffen können", berichtet der frühere Azubi und jetzige Mitarbeiter in der aktuellen Inselhaus-Zeitung.

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Quelle:
SZ vom 10.11.2020
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