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Eurasburg:Schätze aus der Chorherren-Ära

Serie: Dorf Dynastien

Ein Zimmer im Mörzhof ist bis heute dem einstigen Bischof Bonifaz Kaspar von Urban gewidmet.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das Kuratoren-Team im Kloster Beuerberg sucht für die neue Sonderschau Fundstücke aus der Zeit vor der Säkularisation. Im Mörzhof hat es eine Entdeckung gemacht.

Von Benjamin Engel

Die Tür zum Zimmer im ersten Stock des Unterherrnhauser Mörzhofs war früher meist abgesperrt. Nur einer aus der Landwirtsfamilie Urban hatte den Schlüssel und öffnete den Raum nur wenige Male im Jahr zu besonderen Gelegenheiten. Denn in dem Zimmer verbirgt sich Besonderes. Viele der Einrichtungsgegenstände stammen aus der Biedermeierzeit der 1820er bis 1840er Jahre. Da gibt es etwa einen Sekretär mit Einlegearbeiten und ein Kanapee mit original erhaltener Bespannung, zudem eine reich bestickte Stola und Bücher, die einst Bonifaz Kaspar von Urban (1773-1858) gehörten. Der Bauernsohn hatte in der katholischen Kirche Karriere gemacht und schließlich als Erzbischof von Bamberg gewirkt.

Dass viele seiner Habseligkeiten bis heute so gehütet werden beeindruckt Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus. Die promovierte Kunsthistorikerin leitet die Inventarisierung und Depotarbeit im nahen Kloster Beuerberg, das seit 2016 vom Diözesanmuseum der Erzdiözese München-Freising für Ausstellungen genutzt wird. Die Expertin führt auch Gäste durchs Kloster, dabei sind sie und das Organisationsteam auf das Bischofszimmer im Mörzhof gestoßen. Ein großer Teil der Einrichtung wird nun in der kommenden Schau zu sehen sein, die dem 900-jährigen Gründungsjubiläum des Augustiner Chorherrenstifts gewidmet ist.

"Es ist toll, wenn man von einer Person aus dem 18. und 19. Jahrhundert eine solche Menge persönlicher Gegenstände vorfindet", sagt sie. Es sei anrührend, das Brevierbuch für Stundengebete oder die prächtige Stola des einstigen Erzbischofs in den Händen zu halten.

Als junger Mönch lebte Bonifaz Kaspar von Urban selbst in der Beuerberger Anlage. Als der Staat die Klöster zur Säkularisation im Jahr 1803 auflöste, musste er den Ort wie die anderen Ordensbrüder verlassen. "Erzbischof Urban gibt uns ein exemplarisches Beispiel, wie manche Karrierewege weitergegangen sind", sagt Iglesia. Nach seiner Zeit in Beuerberg lehrte Urban als Gymnasialprofessor in Landshut und München. In der bayerischen Landeshauptstadt war er später Hofkaplan und unterrichtete die Prinzessinnen des Königshauses in religiösen Fragen. Anschließend stieg er bis zum Weihbischof in Regensburg auf. Als ihn König Ludwig I. im Jahr 1842 zum Bamberger Erzbischof ernannte, machte sich der Geistliche in der Stadt schnell beliebt. Er war nahbar und lebte bescheiden.

Klostergeister

Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus leitet die Depotarbeit im Kloster Beuerberg und hofft auf weitere Fundstücke.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das zeigt auch die Einrichtung des Bischofszimmers, die weitgehend aus seiner Bamberger Zeit stammt. Die Möbel aus Holz sind eher schlicht und entsprechen laut Iglesia mehr einem bürgerlichen als einem großbürgerlichen Lebensstil. Urbans Vorgänger in Bamberg sei adelig gewesen, habe sein Amt in fürstbischöflich-prunkvoller Manier geführt. "Urbans menschliche Nähe und einfacher Lebensstil sind sehr angenehm aufgefallen."

Am meisten berührt hat die Kunsthistorikerin ein Brief, der im Besitz einer Verwandten der Mörzhof-Eigentümer Sepp und Maria Urban ist. Darin schreibt Prinzessin Sophie Friederike, eine frühere Religionsschülerin von Urban und spätere österreichische Erzherzogin, davon, wie sich ihr Sohn und späterer Kaiser Franz Joseph I. mit seiner Frau Elisabeth verlobt hat.

Für Beuerberg ist das heurige Jahr geschichtsträchtig. 1121 - also vor 900 Jahren - hatten die Augustiner Chorherren das Kloster gegründet, das zuletzt von Salesianerinnen genutzt wurde. Damals stifteten die Ritter der Iringsburg (Eurasburg) den Bau auf dem "Puriberg". Papst Calixtus II. genehmigte das Kloster. Bis zur Säkularisation prägten die Chorherren mit ihren Besitztümern die Region zwischen Sankt Heinrich und Höhenrain. Beuerberg war ein bedeutendes Seelsorge- und Wirtschaftszentrum. Mit dieser Thematik wird sich daher die für heuer geplante Ausstellung im Kloster beschäftigen.

Die Kuratoren suchen noch Objekte, die nach der Auflösung des Chorherrenstifts im Jahr 1803 in den Familienbesitz übergegangen sind. Ob es sich um Bücher aus der Klosterbibliothek handelt, altes Werkzeug, Brandzeichen und weitere Wirtschaftsobjekte, um Porträts, Andachtsbilder, Mobiliar oder Schriftstücke - möglichst Vielfältiges ist gefragt. Die Fundstücke könnten als zeitlich begrenzte Leihgabe in der neu geplanten Schau oder im begleitenden Katalogband öffentlich sichtbar gemacht werden. Auf bisherige Sammlungsaufrufe hätten sich nur wenige Leute gemeldet, sagt Iglesia. Die meisten Objekte hätten aus der späteren Salesianerinnen-Zeit gestammt. Die Kuratoren hofften aber, doch noch fündig zu werden.

Die neue Schau in Kloster Beuerberg blickt aber auch über das Thema Chorherren hinaus. Es gehe um die Grundsatzfrage, warum spirituelle Gemeinschaften entstünden und sich beispielsweise in der Antike Philosophenzirkel oder im Zwanzigsten Jahrhundert Hippie-Kommunen gebildet hätten, sagt Kuratorin Iglesia. Die neue Schau wolle auch der Frage nachgehen, warum jemand in eine Ordensgemeinschaft eintrete und nicht etwa selbständiger Pfarrer bleibe.

Im 18. Jahrhundert war es nicht unüblich, dass begabte Jungen wie der aus einer Bauernfamilie stammende Kaspar Urban in einem nahen Kloster die Schule besuchten. Damit konnten sie etwa innerhalb des Ordens später Karriere machen. "Die Klosterschulen waren ein entscheidender Faktor für die Bildung der einfachen Bevölkerung", sagt Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus. Es vom Bauernsohn bis zum Erzbischof zu schaffen wie Kaspar Urban sei aber selbst für die damalige Zeit etwas Besonderes.

Wer ein Fundstück anzubieten hat, wird gebeten, sich unter info@dimu-freising.de oder Telefon 089/213 77 42 40 zu melden.

© SZ vom 21.01.2021/aip
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