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Umbruch in Eurasburg:Schlafen, wo einst Sterne leuchteten

lie Hofmann hat das einstige Kleinbauernhaus in der Eurasburger Mitte aufwendig saniert und restauriert. Bis zu 450 Jahre alt sind Teile des denkmalgeschützten Gebäudes. Auf dem Foto ist die frühere Tennenauffahrt ins Haus zu sehen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Das Elbacher Gütel im Eurasburger Ortszentrum hat den Eigentümer gewechselt. Im denkmalgeschützten Haus gibt es nun Ferienwohnungen. In der Zeit als Gasthaus führte auch der vielfach prämierte Dieter Maiwert den Betrieb.

Wo sogar ein früherer Sterne-Koch Speisen zubereitet hat, dürfen künftig Feriengäste übernachten. Denn das Elbacher Gütel mitten im Dorfzentrum von Eurasburg hat den Eigentümer gewechselt. Für das denkmalgeschützte, jahrhundertealte Gebäude erlaubte der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung, die Nutzung zu ändern. Die Entscheidung fiel einstimmig. Die neuen Besitzer können damit im Haus wohnen und drei Ferienwohnungen vermieten.

In Eurasburg zählt das einstige Kleinbauernhaus an der Birkenallee zu den ältesten Gebäuden. Die Grundmauern des Elbacher Gütels sind etwa 250 Jahre alt. Die Substanz des Obergeschosses in Holzblockbauweise soll sogar noch zwei Jahrhunderte älter sein.

Wechselvoll und kurz ist dagegen die Phase des denkmalgeschützten Gebäudes als Gasthaus. Drei Jahre lang hatte die Familie Hofmann das historische Kleinod zu einem Restaurant mit Gästezimmern aufwendig renoviert und umgebaut. Dafür arbeitete der Münchner Architekt Thomas Pscherer eng mit den Denkmalschutzbehörden zusammen. Im ehemaligen Kuhstall entstand die Küche des Gasthauses, das 2009 eröffnete.

Für die Sanierungsarbeiten setzten die damaligen Eigentümer auf natürliche Materialien wie Lärche, Weißtanne und Schiefer. Die Dusche wurde beispielsweise ins Schlafzimmer integriert und nur durch eine Glasfront abgegrenzt. Als herausragendes Beispiel für gelungenes Bauen konnten Besucher das Haus zu den Architektouren 2010 besichtigen. Mit der jährlichen Schau ermöglicht die bayerische Architektenkammer der Öffentlichkeit, hinter Türen zu blicken, die sonst verschlossen bleiben.

Für das Restaurant brachte ein schwerer Schicksalsschlag kaum drei Jahre später das Aus. Beim Versuch, ihren Hund aus der Loisach zu retten, war Monika Hofmann beinahe ertrunken. Die Inhaberin lag tagelang im Koma, erholte sich von dem Unfall nicht mehr vollständig. Im Oktober 2012 gab die Familie das Lokal auf.

Als Standort für seine Küche entdeckte Sterne-Koch Dieter Maiwert das Elbacher Gütel wenige Monate später. Doch sein Wirken währte nur kurz. Nach der Insolvenz der Vorbesitzer hatte er im Februar 2013 "Maiwerts Restaurant und Vinothek" im Elbacher Gütel eröffnet. Gegen Ende desselben Jahres gab der Koch das Restaurant wieder auf, auch wenn die Guide Michelin-Tester ihn wenige Wochen zuvor mit einem Küchenstern ausgezeichnet hatten.

Offiziell begründet hatte Maiwert seinen Weggang mit Brandschutzmängeln im Gebäude. Die hatten Baukontrolleure in seinem Restaurant festgestellt. Das Tölzer Landratsamt hatte dem damals 55-Jährigen nur eine vorläufige Konzession gegeben. Abseits der unklaren baurechtlichen Situation erzählte man sich in der Region aber auch, dass die Gerichte zu teuer gewesen seien. Demnach habe das Preis-Leistungsverhältnis nicht gestimmt.

In der Region war Dieter Maiwert bekannt. Zwischen 1994 und 2004 hatte er den Patrizierhof in Wolfratshausen geführt. Dort erkochte er sich einen Michelin-Stern und wechselte später an den Tegernsee.

Zum dritten Mal versuchte sich eine weitere Gastronomin im Elbacher Gütel. Nach dem Einbau einer zweiten Glastür in der "Stubn" bekam Bettina Böckl die Konzession für die Wirtschaft. Anfang 2015 gab sie allerdings auf. Seitdem stand das Haus als Gasthaus leer.

Auf der Homepage eines Immobilienunternehmens ist die Objektbeschreibung für das verkaufte Elbacher Gütel am Mittwoch noch zu lesen. Dort wird die ehemalige Tenne mit uralten Balken und einmaliger Deckenhöhe angepriesen. Auf etwa 335 Quadratmetern Fläche böten fünf Schlafzimmer viel Platz für Familie, Freunde oder großzügig gestalteten Raum, so heißt es. Die stimmige Kombination aus altem Holz und moderner Technik mache das Ambiente und die hohe Wohnqualität aus. Eurasburgs Bürgermeister Moritz Sappl (GWV) hätte eine gastronomische Weiternutzung gerne gesehen. "Das kann man aber nicht erzwingen", sagt er.