Süddeutsche Zeitung

Freizeit und Gastronomie in Bad Tölz-Wolfratshausen:Kleingasthaus im historischen Gütl

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Das Haus an der Beuerberger Alpenblickstraße könnte eines der ältesten in Oberbayern sein. Jetzt wollen es eine einstige Bierkönigin und ein Braumeister sanieren und Wirtsräume einrichten.

Von Benjamin Engel, Eurasburg

Das einstige Augustiner-Chorherren und spätere Salesianerinnen-Kloster ist der unübersehbar größte, denkmalgeschützte Gebäudekomplex in Beuerberg. Wesentlich bescheidener dimensioniert ist demgegenüber das sogenannte Arker-Gütl - ein Kleinbauernhaus - in der nahen Alpenblickstraße 7, und doch für die einstige Dorfalltagswelt im Oberland kaum weniger historisch interessant. Denkmalschützer hätten Holzteile auf das Jahr 1540 datiert, sagt Erbin Lena Heuschneider. Der Kernbaukörpers im Erdgeschoss könnte sogar noch älter sein. "Damit wäre es eines der ältesten Häuser in Oberbayern."

Er habe großen Respekt vor der Historie des Gebäudes, sagt Sebastian Heuschneider

Für die 29-jährige Lena und ihren Mann Sebastian Heuschneider ist das gerade spannend und ein Grund, das Gütl sanieren und im ehemaligen Stall ein Kleingasthaus einrichten zu wollen. Ein wohl insbesondere in finanzieller Hinsicht mutiger Schritt für das junge Paar in einem Umfeld, wo anderswo im Freistaat Eigentümer teils jahrhundertealte historische Bausubstanz verfallen lassen oder abreißen. "Für uns ist das ein sehr spannendes Projekt", sagt Sebastian Heuschneider. Wenn er sich überlege, was alles im Laufe der Jahrhunderte in dem Gebäude geschehen sei, empfinde er großen Respekt vor dessen Historie.

Die Höhe der Sanierungskosten und der Fördergelder entscheiden über die Realisierung

Der erste Etappenschritt für das Sanierungsvorhaben ist zwar getan, nachdem der Eurasburger Gemeinderat dem Bauantrag und der Nutzungsänderung für das Kleinbauernhaus in seiner Aprilsitzung zugestimmt hat. Ob das Paar das Vorhaben wirklich vollenden kann, ist derzeit aber noch nicht final geklärt. Das hängt wesentlich an der Finanzierungsfrage. Denn die Bausubstanz ist eher schlecht, was die Kosten nach oben treiben dürfte. Sollte das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen als übergeordnete Baubehörde den Bauantrag billigen, will das Paar prüfen, wie viel Fördergeld aus dem Topf der Denkmalschutzbehörden zu erwarten ist. "Das ist eine 50/50-Sache", sagt Sebastian Heuschneider.

Entschlossen und optimistisch ist das Paar trotzdem, ihr Projekt realisieren zu können. Die Idee im Haus ein kleines Wirtshaus zu integrieren, erscheint aus beider Berufshintergrund folgerichtig. Schließlich war Lena Heuschneider noch unter dem Geburtsnamen Hochstraßer vor Jahren bayerische Bierkönigin und bediente in Gasthäusern, etwa im inzwischen nicht mehr existenten Limm in Münsing. Ihr Mann Sebastian ist ausgebildeter Braumeister. Er war im Tölzer Mühlfeldbräu tätig, später etwa in der Brauerei Fuchsbeck in Sulzbach-Rosenberg (Oberpfalz) und hat ebenso Gastronomieerfahrung. Doch die Pendelei wurde dem regional verbundenen Dietramszeller irgendwann zu viel, weswegen er zum Pharmaunternehmen Roche nach Penzberg wechselte, wo er für die Technik verantwortlich ist. Eine Berufsentscheidung, weil Arbeitsplätze in kleinen Brauereien der näheren Umgebung rar gesät, er nicht in einer großen Brauerei arbeiten wollte, wie er sagt.

Das denkmalgeschützte Arker-Gütl in Beuerberg steht seit etwa 15 Jahren leer. Die aktuellen Pläne, die zur Realisierung allerdings noch einige Zeit brauchen dürften, könnten öffentliches Leben ins Haus zurückbringen. Von ihrer emotionalen Beziehung zum Gebäude spricht Lena Heuschneider. "Meine Oma ist da geboren", sagt sie. Bis 2010 sei das Gütl bewohnt gewesen. Wenn es saniert ist, wollen sie und ihr Mann einziehen.

Die Kleingaststätte ist im einstigen Stall geplant. Laut Lena Heuschneider ist angedacht, alle 14 Tage für vier Tage von Donnerstag bis Sonntag zu öffnen - nach dem Prinzip der aus Franken bekannten Zoiglbier-Brauereiwirten. Nur dass in Beuerberg der Platz im Gütl zu gering ist, um direkt dort produzieren zu können. Zu essen soll es später einmal zum Bier kleine Gerichte und Brotzeiten geben. "Hauptsächlich geht es darum, einen Ort zu schaffen, damit die Leute zusammenkommen können", sagt Lena Heuschneider.

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