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Eurasburg:100 Millionen Liter extra

Pegelmessungen Trinkwasser Eurasburg

Die Brunnenanlage südlich von Happerg versorgt Eurasburg derzeit alleine mit Trinkwasser.

(Foto: Benjamin Engel/oh)

Eurasburg kann wohl mehr Wasser aus dem Happerger Brunnen entnehmen. Doch die Umweltbeauftragte findet es gefährlich, sich allein darauf zu verlassen

Von Benjamin Engel, Eurasburg

Ein Stresstest für den Happerger Brunnen war das Jahr 2018. Über den Sommer hatte es wenig geregnet. Es gab kaum Niederschlag, um den Grundwasserpegel anzuheben. Gerade das war für Eurasburgs Rathaus-Geschäftsleiter ideal. Die Kommune konnte prüfen, ob sich die geförderte Trinkwassermenge unter extremen Bedingungen erhöhen lässt. "Das Ergebnis ist mehr als zufriedenstellend", sagte Günther Eidenschink in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Laut einem Gutachten ist es künftig möglich, jährlich 425 000 statt der bisher genehmigten 330 000 Kubikmeter Trinkwasser aus dem Brunnen zu fördern.

Die Kommune wartet nun, bis das Tölzer Landratsamt diese Ergebnisse überprüft hat. Erst dann könnte der aktuell bis 28. Februar 2029 gültige Wasserentnahmebescheid geändert werden. Sehr wahrscheinlich muss laut Eidenschink dann auch das Wasserschutzgebiet im Umkreis des Brunnens erweitert werden. Der Rathaus-Geschäftsleiter gab sich aber zuversichtlich. "Da werden wir eine Lösung finden", sagte er.

Zum Handeln zwingt die Kommune die bisherige Praxis. Sank der Pegel im Brunnen ab, kaufte die Verwaltung Wasser aus der Fernleitung der Münchner Stadtwerke (SWM) zu. Die Rohre führen aus dem Loisachtal bei Oberau über Eurasburger Flur in Richtung der bayerischen Landeshauptstadt. Ein 1997 geschlossener Vertrag sah vor, jährlich 50 000 Kubikmeter für Eurasburg zu nutzen. Doch das untersagte 2017 das Garmischer Landratsamt. Aus dessen Zuständigkeitsbereich bezieht München einen Teil seines Trinkwassers. Für einen Probebetrieb förderte Eurasburg vor zwei Jahren mehr Trinkwasser aus dem Happerger Brunnen und ließ die Auswirkungen durch ein Fachbüro untersuchen.

Dieses Gutachten zeigt für Eurasburgs Energie- und Umweltbeauftragte Carola Belloni (Grüne) aber auch, dass die Kommune allein "auf Sicht fährt". Die Zahlen machten deutlich, dass die Happerger Quelle sehr sensibel auf Niederschläge reagiere, mahnte sie. Je nach Regenmenge falle oder steige der Pegel des Brunnens schnell. Doch der trockene Sommer des Jahres 2018 werde künftig kein "Ausreißer" mehr sein. "Wir werden mehr Dürresommer, weniger Niederschläge und weniger Wasser in der Quelle haben." Laut Gutachten brauche die Kommune alle zehn Jahre acht Prozent mehr Wasser. So könnten im Jahr 2040 schon 459 000 Kubikmeter Wasser benötigt werden. Gleichzeitig gebe es im Netz Wasserverluste. "Das erscheint mir alles ziemlich auf Kante genäht", sagte sie.

Für die Toteislöcher nahe des Brunnens fürchtet Belloni irreversible Schäden durch eine erhöhte Wasserentnahme. Die kommunale Energie- und Umweltbeauftragte plädierte dafür, unbedingt auch nach einem weiteren Brunnen im Gemeindegebiet zu suchen. Sie verwies auf die im Gutachten genannten Quellen bei Schwarzlehen und Rohr. Außerdem fragte sie sich, warum das beauftragte Gutachten statt eingeplanter 7500 nun knapp 13 000 Euro gekostet habe.

Die Preissteigerung ist für Bürgermeister Moritz Sappl (GWV) nichts Ungewöhnliches. Es sei mit dem Fachbüro vereinbart worden, nach Zeitaufwand abzurechnen. Im Nachhinein seien Untersuchungen im größeren Umfang gefordert gewesen. Gleichzeitig wehrte sich Sappl dagegen, dass die Kommune zu kurzfristig denke. "Es geht alles Schritt für Schritt", sagte er. Mittelfristig zeichne sich für Eurasburg eine Lösung ab, die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. "Jetzt stellt sich erst einmal die Frage, bekommen wir die 425 000 Kubik." Schon das jetzige Verfahren sei langwierig. Eine zweite Quelle für die Kommune werde die Verwaltung aber im Auge behalten.

Das Wasser bei Schwarzlehen und Rohr wird aber wohl nicht weiterhelfen. Wie Rathaus-Geschäftsleiter Eidenschink erklärte, sei die Menge zu gering. Zudem liege die Quelle bei Schwarzlehen bereits auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Münsing. Es handele sich um rein oberflächennahes Wasser. Früher habe es dort mit Keimen Probleme gegeben, weswegen diese Quelle auch nicht mehr genutzt werde.

Muss das Schutzgebiet um den Happerger Brunnen erweitert werden, könnte eine frühere Müllkippe problematisch werden. Auf Nachfrage von Jakob Koch (Grüne) verwies Eidenschink darauf, dass der neue Zuschnitt des Schutzgebiets erst einmal geprüft werden müsse. "Wenn dorthin erweitert wird, wo die Altlast ist, haben wir eine schöne Hausaufgabe", sagte er.

Auf einem guten Weg ist die Kommune für Alexander Sebald (Herrnhauser Liste) und Peter Goepfert (Unabhängige Wählerschaft). Den Eurasburgern müsste aber der hohe Wert des Wassers näher gebracht und zum sparsamen Verbrauch animiert werden. Genervt zeigte sich Maria Urban (CSU). "Die Diskussion ist überflüssig", sagte sie. Jeder solle froh sein, dass mehr Wasser aus dem Happerger Brunnen entnommen werden könne. Das Übrige werde sich zeigen.

© SZ vom 16.10.2020

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