Erster Spatenstich:Buchberg-Klinik wird erweitert

Weil die Belegungszahlen steigen, investiert die Median-Unternehmensgruppe rund 12,5 Millionen Euro in einen fünfgeschossigen Neubau in Bad Tölz. Dort sollen 80 Betten entstehen, vor allem für Patienten der Neurologie

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Nach dem Ende der Sozialkur vor mehr als 20 Jahren schlossen in Bad Tölz nicht alleine Hotels und Pensionen, sondern auch Reha-Kliniken. Die Gäste, die ihre Behandlung von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt bekamen, blieben weg, die Privatpatienten orientierten sich woanders hin, zum Beispiel ins Tegernseer Tal. "Viele Kliniken waren nicht bereit, sich auf die neue Zeit einzustellen", sagte Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG) beim ersten Spatenstich für den Erweiterungsbau der Buchberg-Klinik. 12,5 Millionen Euro investiert die Median Unternehmensgruppe in den neuen Trakt mit 80 Betten an der Wengleinstraße. "Es ist für mich eine große Freude, dass wir es geschafft haben, die Klinik zu entwickeln, um die Möglichkeiten, die definitiv da sind, in Zukunft besser ausschöpfen zu können", betonte André Schmidt, Vorsitzender der Geschäftsführung von Median.

Das Reha-Krankenhaus für Neurologie, Orthopädie und Kardiologie am Rande des Kurviertels hat es in den vergangenen sechs Jahren geschafft, seine Belegungszahlen zu steigern, von 170 auf 225 Patienten im Jahresmittel. Inzwischen habe man "eine lange Warteliste", so Schmidt. Der Neubau soll südlich des bestehenden Gebäudes errichtet werden. Im Erdgeschoss sind eine Empfangshalle, Therapieräume, Aufenthalts- und Arbeitszimmer für Ärzte und Pfleger, ein Restaurant und Vortragsräume vorgesehen. In den vier Etagen darüber befinden sich die meist 25 Quadratmeter großen Zimmer für die Patienten, die unter anderem mit Balkon, Bad und Flachbildfernsehern ausgestattet sind.

Erster Spatenstich: Eher dunkel wirkt der Altbau der Buchberg-Klinik aus dem Jahr 1973. Das neue Bettenhaus, das nun im Süden entsteht, soll mit einer hellen Fassade einen Kontrapunkt setzen. Geplant sind darin 80 Betten; eine Lobby, ein Restaurant sowie Arzt- und Therapieräume sind im Erdgeschoss vorgesehen.

Eher dunkel wirkt der Altbau der Buchberg-Klinik aus dem Jahr 1973. Das neue Bettenhaus, das nun im Süden entsteht, soll mit einer hellen Fassade einen Kontrapunkt setzen. Geplant sind darin 80 Betten; eine Lobby, ein Restaurant sowie Arzt- und Therapieräume sind im Erdgeschoss vorgesehen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Fassade soll hell gestaltet werden und damit einen Kontrapunkt zu dem alten, eher dunklen Klinikgebäude mit rund 230 Betten aus dem Jahr 1973 setzen. "Wir werden die Balkonbrüstungen nicht in Echtholz gestalten, weil das aus Brandschutzgründen problematisch ist, aber wir werden die Holzstruktur des Altbaus aufnehmen", erklärte Bauprojektsleiter Andreas Kasperkowitz. Trotz des nahenden Winters soll die Arbeiten sofort beginnen und "solange, wie es geht" dauern.

Ein wenig schwierig ist der Untergrund im Garten der Klinik, weil sich dort ein Felsen befindet, der das Wasser nicht durchlässt. "Wenn der Frost kommt, wird die Wasserfläche größer, da können wir keine Sole machen", so Kasperkowitz. Im Boden werde man keine Risiko eingehen. Was den Brutto-Rauminhalt des Neubaus angeht, zog Architekt Erik Ressel vom Büro Planungsring Ressel einen ungewöhnlichen Vergleich: Der betrage 13 675 Kubikmeter, "das entspricht dem Volumen von 345 afrikanischen Elefanten". Geplant ist die Fertigstellung des fünfgeschossigen Baus zum Jahreswechsel 2020/2021. Das dürfte mithin schneller gehen als die Planung des Erweiterungshauses. 2012 hatte Schmidt - damals noch für die RHM Klinikgruppe aus Deidesheim - den Kaufvertrag mit den Besitzern der Buchberg-Klinik unterzeichnet. Danach dauerte es noch ein ganzes Jahr, bis alle Eigentumsfragen und juristischen Details geklärt waren. Eine Verzögerung gab es auch durch die Übernahme der RHM-Kliniken durch die Median Gruppe. Bei alledem habe man aber "schon frühzeitig die Diskussion aufgenommen, die Buchberg-Klinik zu erweitern, vor allem auch in der Neurologie", berichtete Schmidt. Danach wurde allerdings erst einmal der Bebauungsplan der Stadt für das Projekt geändert, dann der Bauantrag gestellt, das Genehmigungsverfahren abgewartet, noch ein Tekturantrag eingereicht und gebilligt, schlussendlich sämtliche Gewerke ausgeschrieben. Ein zeitraubender Weg. "Es gab aber keinen Streit, keine Diskussion mit der Stadt - das ist wunderbar", sagte Schmidt.

Erster Spatenstich: Zum Spaten griffen Erik Ressel, Hans Jürgen Werner (beide vom Planungsring Ressel), Ernst Grob, kaufmännischer Leiter der Buchberg-Klinik, Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann, André Schmidt, CEO der Median-Gruppe, und Bauprojektleiter Andreas Kasperkowitz.

Zum Spaten griffen Erik Ressel, Hans Jürgen Werner (beide vom Planungsring Ressel), Ernst Grob, kaufmännischer Leiter der Buchberg-Klinik, Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann, André Schmidt, CEO der Median-Gruppe, und Bauprojektleiter Andreas Kasperkowitz.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Mit dem Neubau soll auch die Behandlungspalette der Reha-Klinik vergrößert werden. "Wir erweitern das Angebot nicht nur in den bestehenden Indikationen, sondern schaffen auch die Möglichkeit, Patienten mit schwerwiegenderen neurologischen Erkrankungen zu behandeln", so Schmidt. So soll rund die Hälfte der 80 neuen Betten für die Neurologie bereit stehen. Ernst Grob, kaufmännischer Leiter der Klinik, verwies darauf, dass "wir damit unsere Position in der Region ausbauen und noch attraktiver für Patienten und auch Fachkräfte werden können". Ebenso wie Schmidt hob er die Leistung der etwa 160 Angestellten hervor. Die Belegschaft sei ein wirkliches Team, sagte er. "Respekt an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die beitragen zu unserem Erfolg."

Unter den Beschäftigten in der Tölzer Reha-Klinik geht allerdings Sorge um. "Wir schauen ein bisschen skeptisch in die Zukunft", sagte Susanne Pienkovski. Die Vorsitzende des Betriebsrats überreichte Schmidt einen Brief der Angestellten. Es sei ja gut, wenn die Belegungszahlen steigen, allerdings fehle es an Fachkräften, sagte sie. Um solche zu gewinnen, müsse man ein attraktives Angebot schaffen. Dabei gehe es nicht alleine ums Pflegepersonal, sondern auch um Ärzte, Therapeuten und Mitarbeiter von Sozialdiensten. "Wir müssen die hohe Belegung bewältigen, wir müssen es ja leisten, die Patienten gut zu versorgen, wobei die Betonung auf gut liegt", erklärte Pienkovski.

© SZ vom 11.11.2019
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