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Erinnerungsort Badehaus:Grenze des Ehrenamts erreicht

Das Badehaus am Kolpingplatz in Waldram erweist sich als Besuchermagnet. Alle dazu nötigen Dienste werden bisher ehrenamtlich geleistet.

(Foto: Felicitas Amler)

Der Badehaus-Verein wünscht sich eine jährliche Grundsicherung für seine Zeitgeschichtsarbeit im ehemaligen Lager Föhrenwald.

Der Erinnerungsort Badehaus braucht Unterstützung: "Woher sollen wir das Geld nehmen?", fragt Sybille Krafft, Vorsitzende des Badehaus-Vereins, als sie von der personellen Lage spricht. Das Haus dokumentiert drei Phasen deutscher Zeitgeschichte in Föhrenwald, heute Waldram, von der NS-Diktatur über ein jüdisches Camp für Displaced Persons (DP) bis zur Ansiedlung katholischer Heimatvertriebener Ende der Fünfzigerjahre. Es ist über einen Zeitraum von sechs Jahren rein ehrenamtlich aufgebaut worden und wird seit seiner Eröffnung im vergangenen Oktober ehrenamtlich betrieben. Die Zahl der freiwillig geleisteten Arbeitsstunden summiere sich damit inzwischen auf 18 000, erklärt Krafft. Denn auch der Kassendienst an den drei Öffnungstagen und die fachkundigen Führungen würden ehrenamtlich geleistet. Die Vorsitzende wünscht sich daher: "Es wäre schön, wenn die Politik dieses überregional bedeutsame Leuchtturmprojekt auch nach der Eröffnung des Museums fördern und damit die ehrenamtlichen Helfer etwas entlasten könnte."

Und es sieht so aus, als habe die Lokalpolitik dies vor. Der Zweite Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) ist von jeher ein Unterstützer des Badehauses. Er sei auch auf der vergangenen Jahreshauptversammlung gewesen, sagt Schnaller, da habe er umfänglich erfahren, was wie geleistet werde. Und das, so meint er, werde ohne Unterstützung der öffentlichen Hand "auf die Dauer so nicht mehr möglich sein". Er findet, die Fraktionen des Wolfratshauser Stadtrats müssten sich jetzt einmal zusammensetzen, um über Zuschüsse zu sprechen.

Das sieht auch Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) so. Er stehe einer finanziellen Förderung positiv gegenüber, sagt Fraas auf Nachfrage der SZ: "Da muss halt drüber abgestimmt werden."

Dazu wird der Stadtrat bald Gelegenheit haben. Krafft berichtet, sie habe nach einem Vorgespräch mit Bürgermeister Klaus Heilinglechner eine Mail geschrieben mit der Bitte um Unterstützung. Konkret gehe es um Zuschüsse in Höhe von je 5000 Euro für zwei Gedenkfeiern. Einmal soll an 75 Jahre DP-Lager Föhrenwald erinnert werden; zum Zweiten an 75 Jahre Todesmarsch - dies war der so mörderische wie sinnlose Zug von Häftlingen des Konzentrationslagers Dachau gen Alpen, der auch Föhrenwald tangierte.

Dazu wünscht sich der Badehaus-Verein aber auch eine Art jährliche Grundsicherung, um sich personell besser ausstatten zu können. Bisher beschäftigt das Badehaus auf eigene Kosten einen Bundesfreiwilligen (Bufdi). Es könnten auch mehr sein, berichtet Krafft, denn gerade am Badehaus und seiner zeitgeschichtlichen Arbeit seien viele junge Leute interessiert. Die Nachfrage nach einem Dienst in der Waldramer Dokumentationsstätte sei groß: "Wir hatten so viele Bewerbungen." Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen, die händeringend Bufdis suchten, so Krafft. Sie sieht darin eine enorme Chance: "Dass junge Menschen freiwillig hier andocken wollen", das ist ganz in ihrem Sinne. Die Badehaus-Vorsitzende hat von Beginn an betont, wie sehr ihr und ihrem Team daran gelegen sei, junge Leute für die Zeitgeschichte in der Region zu begeistern.

Gerade hat das Badehaus seinen 3000. Besucher begrüßt: den Videokünstler Yochanan Rauert aus Münster mit seiner Mutter, der Grafikdesignerin Christiane Rauert aus Königsdorf. "Beide zeigten sich sehr beeindruckt von der Arbeit des ehrenamtlichen Bürgerprojekts", berichtet Krafft. Seit der Eröffnung des Erinnerungsorts habe das Team inzwischen 85 reguläre Führungen und rund 100 Sonderführungen, darunter auch viele Schulklassen, bewältigt. Personell werde es daher eng. Ein Bufdi koste mit allem Drum und dran 500 Euro im Monat, sagt Krafft. Für den Verein sei dies kaum noch zu leisten.

Das könnte bei der Stadt ganz anders aussehen. Theoretisch, so sinniert Kulturreferent Alfred Fraas, "könnte der Bürgermeister es auch aus seinem Säckel bezahlen".